Zeugen der Nacht: Reifenabrieb auf dem Parkplatz vor dem Theater zeugt von heftigen Bremsmanövern und rasanten Anfahrten. Die Anwohner sind von dem Lärm genervt. Foto: dit
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Zeugen der Nacht: Reifenabrieb auf dem Parkplatz vor dem Theater zeugt von heftigen Bremsmanövern und rasanten Anfahrten. Die Anwohner sind von dem Lärm genervt.

Lärm

Laute Motoren stören die Nachtruhe

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Anwohner klagen über nächtliches "Spektakel" auf dem Theaterparkplatz. Ihnen reicht es jetzt. Die Stadt will ein Aufenthaltsverbot durchsetzen.

Rüsselsheim -Heulende Motoren, quietschende Reifen, dröhnende Musik und lautes Lachen. Erst gegen 4 Uhr morgens verlassen die letzten Autofahrer den Parkplatz vor dem Rüsselsheimer Theater.

Bei Manfred Böhm und seiner Frau Cornelia Voogt liegen die Nerven blank. Sie wohnen in der Johann-Sebastian-Bach-Straße, genau gegenüber vom Parkplatz Am Treff. "Als berufstätige Anwohner sind wir morgens oft gerädert. Woher die Kraft nehmen, wenn der Schlaf permanent gestört wird?", erzählt Böhm, der sich in seiner Verzweiflung an Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) und die Presse wendete. Denn bei dem Szene-Treff vor dem Theater handelt es sich hör- und sichtbar nicht um eine Ausnahme-Nacht.

Seit etwa einem Dreivierteljahr beobachte Manfred Böhm das Treiben. Während der Ausgangssperre war es zwischendurch ruhig, jetzt gingen die nächtlichen Treffen wieder los. Böhm spricht von jungen Menschen, manche von ihnen spielten gegen 20 Uhr Fußball auf der weitläufigen Asphaltfläche - das sei noch in Ordnung.

Doch nach und nach sammelten sich die Autofahrer wie verabredet auf dem Parkplatz. "Mit quietschenden Reifen kommen sie angefahren, und so fahren sie auch weg.

Motor extra hochgedreht

Der Motor wird oft extra hochgedreht, um zu zeigen, wer man ist - das mitten in der Nacht und sogar noch am frühen Morgen." Dabei plärrt das Autoradio, es wird laut gesprochen, gesungen oder geschrien. Für Manfred Böhm ist es ein Rätsel, wie diese Menschen die Nacht durchmachen können, und das nicht nur am Wochenende.

Am nächsten Tag zeugen schwarze Reifenspuren auf dem Asphalt, leere Flaschen und Verpackungsmüll von der durchzechten Nacht. "Am Morgen kommt ein Fahrzeug der Stadtwerke und räumt den Unrat weg. Wir müssen mit unseren Steuergeldern für die Dreckentsorgung aufkommen", ärgert sich Manfred Böhm.

Die Anwohner hätten schon des Öfteren die Polizei wegen Ruhestörung gerufen. Doch die Beamten seien machtlos angesichts der Hartnäckigkeit der ungebetenen nächtlichen Besucher. "Die Polizei kommt, ermahnt die Lärmenden - es sind oft Dutzende - und danach geht der Lärm weiter", weiß Böhm.

Ein Polizist der Dienststelle Rüsselsheim habe ihm gegenüber gesagt, dass die Ordnungshüter keine weiteren Handhabe hätten. Er schlug vor, nachts den Theaterplatz zu sperren. Dem stimmt Böhm zu: "Auch wir sehen das als Option. So könnte wieder nächtliche Ruhe einkehren."

Für Manfred Böhm und die Anwohner in der Johann-Sebastian-Bach-Straße ist die Situation Am Treff allerdings nichts Neues. Er erinnert sich an ein ähnliches Problem schon vor zwölf Jahren. Er habe damals sogar eine Petition gestartet. Geändert habe dies nichts. 2009 hatte die Polizei dazu geraten, Fotos von Fahrzeugen zu machen und Anzeige zu erstatten, damit ein Bußgeld verhängt werden kann.

Aufenthaltsverbot abstimmen

Das Thema Lärmbelästigung ist ein leidiges und bekanntes. In der Innenstadt und in den Stadtteilen gibt es etliche solcher Plätze. In der Sommerzeit und besonders in den Sommerferien häufen sich für gewöhnlich die Beschwerden wegen Ruhestörung. Neben dem Treff am Theater sei auch der Parkplatz an der Großsporthalle ein Sammelpunkt für junge Erwachsene, sagt Böhm. Oberbürgermeister Bausch antwortete umgehend auf das Schreiben des Anwohners. "Ich werde die Verfügung eines Aufenthaltsverbotes mit der Landespolizei abstimmen", verspricht dieser.

"Wir sind nun sehr froh, dass sich Herr Bausch der belastenden Situation umgehend angenommen hat", ist Manfred Böhm erleichtert. Das Recht auf Nachtruhe und seelisch-körperliche Unversehrtheit sollte auch in Rüsselsheim mit wirksamen Mitteln durchgesetzt werden, betont er. Dorothea Ittmann

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