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Sie leitet einen Kindergarten für Hunde

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Evelyn Eichhaus leitet seit fünf Jahren eine private Hundebetreuung. Wir haben sie und ihre fünf Fellnasen auf einem Spaziergang begleitet.

. Es ist schon ein beeindruckendes Bild, das Evelyn Eichhaus und ihre vierbeinigen Begleiter beim Waldspaziergang bieten. Wie fünf Satelliten rotieren Hunde unterschiedlichster Couleur und Größe um sie herum. Eichhaus ist Hundebetreuerin und geht in ihrem Job voll auf. „Schon seit meiner Kindheit habe ich Hunde-Erfahrung“, sagt sie. Ein eigener Hund sei damals nicht infrage gekommen, deshalb habe sie in der Nachbarschaft gefragt. „Seitdem führe ich regelmäßig Hunde aus“, erzählt sie.

Die Idee, die Leidenschaft zum Hobby zu machen, verfestigt sich, als Eichhaus als Tierarzthelferin arbeitet. „Ich habe öfter älteren Menschen angeboten, mal mit dem Hund zu gehen – so ist das entstanden“, erinnert sie sich. Nach 18 Jahren beim Tierarzt macht sie sich schließlich 2013 selbstständig, meldet ein Gewerbe an und legt los. Der Bedarf an Hunde-Betreuung ist groß.

Freie Zeiteinteilung

„Momentan nehme ich auch keine neuen Tiere mehr an“, stellt Eichhaus klar. Vor Kurzem ist sie Großmutter geworden, die freie Zeit abseits der Gassi-Runde hat noch einmal mehr an Wert gewonnen. „Dabei kann ich meine Zeit schon sehr gut selbst einteilen“, sagt sie. Das sei ein wunderbarer Vorteil.

Die regelmäßig kommenden Hunde sind schon ein eingespieltes Team: Die Havaneser-Dame Abbey, der Rauhaardackel Alfred und der Pudelmischling Rike verstehen sich prima mit Eichhaus’ eigenen Hunden Louis und Leonie.

Gleich morgens, wenn die berufstätigen Hunde-Besitzer ihre Schützlinge abgeben, geht es erst einmal vor die Tür. Eichhaus öffnet den Kofferraum und die Seitentür ihres blauen Minivans. Die beiden größeren Hunde Leonie und Louis springen direkt hinten in die Box, die drei kleineren dürfen auf die Rückbank. Dackel Alfred wird sogar hineingehoben – der Service hier stimmt.

„Meist fahre ich mit den Hunden in die Nähe der Opel-Rennbahn“, erzählt Eichhaus. „Manchmal auch nach Bischofsheim an den Main.“ Da ist es ruhig und es gibt kaum Fahrradfahrer. „Leider werde ich schon oft angegangen von Leuten“, berichtet sie. Obwohl die Hunde sich ruhig verhielten, heiße es immer wieder: „Halten Sie ihre Hunde im Zaum!“

Die Tiere gehorchen

Für Eichhaus ist das unverständlich – die Tiere hören auf sie. Sie vermutet, dass allein die Anzahl der Hunde viele Menschen schon beim Anblick überfordere. „Ich gehe deswegen gar nicht erst auf Wegen, wo Radfahrer sich gestört fühlen könnten.“

Heute ist es bitterkalt auf dem Feldweg, der Frühling legt gerade noch einmal eine Pause ein. Vereinzelt liegt Schnee, in dem sich Louis genüsslich wälzt. „Der liebt das!“, freut sich Eichhaus. Besser als matschige Pfützen ist das Schneebad allemal. „Der Herbst ist oft etwas anstrengender“, berichtet die ausgebildete Zahnarzthelferin. „Klar macht die Arbeit mit den Hunden Spaß, aber sauber gemacht werden müssen sie natürlich trotzdem.“

Die Kälte scheint den Hunden nichts auszumachen, immer wieder jagen sie sich über den holprigen Weg, Rike schlittert über eine zugefrorene Pfütze. Nur Abbey ist an der Leine – der Jagdtrieb bei ihr ist stark. „Die setzt sofort den Rehen nach“, weiß Eichhaus. Sie kennt ihre Pflegekinder, weiß, wann sie autoritär sein muss und wann sie loben kann. Das Konzept geht auf: Die Gruppe versteht sich blendend.

„Das Zusammensein der Hunde kann sich positiv auf ihr Sozialverhalten auswirken“, erklärt Eichhaus. Einige Hundebesitzer riefen an und hätten Bedenken, sobald klar würde, dass in Gruppen gearbeitet wird. „Denen sage ich: Probieren Sie es aus – Hunde sind Rudeltiere!“ Schon oft hätte sich dadurch das Verhalten einzelner Tiere gebessert.

Nach dem ausgiebigen Spaziergang steht die Fütterung an, Nachmittags geht es noch einmal raus. Zwischen 17 und 19 Uhr werden die Hunde dann wieder von ihren Haltern abgeholt. „Eigentlich ist es hier wie in einem Kindergarten“, sagt Evelyn Eichhaus lachend. „Nur eben für Hunde.“

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