Song-Contest

Das letzte Wort haben die Zuschauer

Mit geballter Frauenpower und einem coolen Western-Thema gewinnen die „Boobs & Bullets“ den „Motorcity- Song-Contest“ im Rind.

Wilde Menschen in verrückten Kostümen gibt es im Rind regelmäßig zu sehen, doch die Freak-Show des „Motorcity-Song-Contests“ ließ selbst Faßnachtssitzungen grau und langweilig aussehen. „Sieben Bands in einem magischen Live-Wettkampf“ lautet das Motto des Wettbewerbs, der seit über 20 Jahren in Rüsselsheim ausgetragen wird. „Das ist eine absolut einmalige Show“, erklärte Moderator Candy Endie. Jede teilnehmende Band spielt vier Songs, die alle zu einem bestimmten Motto passen müssen. Im letzten Jahr interpretierten die Teilnehmer Eurodance-Songs, in diesem Jahr lautete das Motto „One Hit Wonder.“ Diese Regel stellt sicher, dass keine Band einfach ihr Repertoire runter spielt. Tatsächlich gibt es sogar ganze Ensembles, die nur für den einmaligen Auftritt auf dem Motorcity Song Contest zusammenkommen.

Eine solche Band war auch „Who killed Janis“. Die Rockband hatte sich 2015 für die Teilnahme am Contest gegründet. Der Bandname geht auf das damalige Motto zurück. Es durften nur Songs von Musikern gespielt werden, die mit 27 Jahren gestorben sind – wie eben auch Janis Joplin. Die Band gewann, überlebte und ist heute fester Bestandteil der regionalen Musikszene. Dieses Jahr kehrten sie als fachkundige Juroren zum „Motorcity-Song-Contest“ zurück und diskutierten zwischen den Auftritten über die Darbietungen mit den beiden Moderatoren Penny Lane und Candy Endie. Das letzte Wort hatten allerdings die Zuschauer. Jeder bekam bei Einlass zwei Murmeln in die Hand gedrückt. Am Ende des Abends gab es sieben Urnen, für jede Band eine. Das Preisgeld von 300 Euro ging an die Band mit den meisten Murmeln in der Urne.

Klingt einfach, war in der Praxis aber ziemlich knifflig. Denn jede der sieben Bands hat eine abgefahrene Show zusammen gestellt.

„Die Nix“ aus Wiesbaden traten als verrückte Ärzte mit einer strippenden Zombie-Krankenschwester auf, die „Sdunets“ zeigten eine Cheerleading-Choreographie und Lokalmatador Handkäs Ede und seine Brezelmänner kamen passend zum Song „Major Tom“ als Astronauten auf die Bühne. Kein Wunder, dass das kleine Rind mit über 300 Zuschauern mehr als ausverkauft war.

Den größten Applaus des an Beifall nicht armen Abends bekamen die Frauenband „Boobs & Bullets“ und das verrückte Streichelorchester von Jürgen Maria Kaiser. Während erstere auf Wild-West-Kostüme und Texas-Sounds setzten, hatte Kaiser eine bunt kostümierte Truppe mit viel Glitzer, Ritterhelm und einem Stachel-BH zusammengestellt.

Als besondere Herausforderung musste jede Band bei einem Cover-Song den Text zu einem regionalen Bezug umdichten und das gab vermutlich an diesem Abend den Ausschlag. Das Streichelorchester hatte „Surfin Bird“ von den Trashmen zu „Opel Tod“ umgedichtet. Damit konnten sie das zuvor selbst extrem hoch gesteckte Niveau nicht halten, denn bei ihren Interpretationen des Eisbären von Grauzone und dem Song „Word Up“ von Cameo bebte das Rind. Die „Boobs & Bullets“ hatten sich dagegen von Song zu Song gesteigert und zum Finale den Song einer anderen Frauengruppe regional umgerockt. Aus „It’s raining men“ der Weather Girls machten die „es regnet Wein“ und das Publikum sang begeistert mit.

Mit insgesamt 921 Gramm Murmeln kürte das Publikum die Cowgirls zu den Siegerinnen des Abends. Mit viel Freude am Spielen, etwas Sex-Appeal und einer großen Schar Fans bekamen sie knapp 100 Gramm Murmeln mehr als das zweitplatzierte „Streichelorchester“. Ganz zum Schluss gab es noch ein echtes One-Hit-Wonder, denn bei den Vorjahres-Siegern the Swade spielte auch Markus Metz und Mark Nilsen mit. Die hatten 1992 als Memphis Blue mit „I’ll be there“ tatsächlich mal eine Single in den Charts – allerdings auf Platz 63. Wird es nächstes Jahr wieder einen „Motorcity Song Contest“ geben? „Auf jeden Fall“ sagt Candy Endie. Das Motto wird in einem halben Jahr bekannt gegeben.

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