Rundgang

750 000 Liter Wasser für das Hallenbad

Das neue Hallenbad steht, das Wasser ist im Becken, die Menschen können schwimmen. Aber wie funktioniert das alles? Am Tag der offenen Tür gab es eine Führung.

Der Unterschied könnte kaum augenscheinlicher sein. In der Hans-Sachs-Straße steht nur noch ein Gerippe von einem Hallenbad, es wird derzeit abgerissen. Um die Ecke, Am Brückweg, steht das neue Hallenbad, in das am Tag der offenen Tür zahlreiche Besucher kommen.

„Wenn man vor einem Hallenbad steht, erscheint ein mächtiges Gebäude“, sagt Anette Tettenborn von der Bäderverwaltung. Sichtbar ist aber nur der überirdische Teil des Hallenbades. Und der Teil, den das Auge wahrnimmt, ist genauso groß wie die Unterkellerung, dort, wo die Technik für die Wasseraufbereitung untergebracht ist.

Beim Tag der offenen Tür des neuen Hallenbades können sich 40 Personen einen Blick vom Innenleben des Hallenbades machen. Und wenn wundert es: Die beiden Führungen sind mit jeweils 20 Teilnehmern ausgebucht.

Mit der anspruchsvollen Technik müsse die Stadt den gesetzlichen Vorgaben zur Wasseraufbereitung und zur Wasserqualität gerecht werden, informiert Tettenborn. Um auf jede Fehlermeldung reagieren zu können, befinden sich zwei Techniker rund um die Uhr im Bereitschaftsdienst. Fehler werden aber nicht nur ihnen, sondern auch an dem Schwimmmeister und einer externe Firma gemeldet.

„Hier unten wird das warme Wasser aufbereitet“, berichtet Tettenborn. Rohre und große Kästen fallen den Teilnehmern ins Auge. 500 000 Liter Wasser befinden sich im Schwimmbecken. Hinzu kommen noch einmal 250 000 Liter Wasser, die sich im Kreislauf zur Wasseraufbereitung befinden. Nur für die erste Füllung wurde das Wasser dem städtischen Netz entnommen. Jetzt wird das Becken nahezu ohne Fremdverbrauch betrieben. Lediglich 100 Kubikmeter Wasser werden regelmäßig aus dem Grundwasser zugeführt.

„Das Herzstück der Anlage“, so Tettenborn, misst den Chlorgehalt, den pH-Wert und den Redoxwert. Mit diesem Wert können Aussagen zur Wirksamkeit der Wasserdesinfektion getroffen werden. Diese Werte schaut sich der Maschinist gleich am Morgen an.

Im Überlaufbecken sammelt sich das Wasser aus dem Schwimmbecken. Ihm nachgeschaltet sind fünf Filter, die Schmutzpartikel aus dem Wasser ziehen. Zunächst fließt es durch ein Sand-Kies-Gemisch, dann säubern vier Aktivkohlefilter das Wasser.

Die Umwälzpumpe ist ständig in Betrieb. In einem Rhythmus von drei Stunden ist das komplette Becken umgewälzt, sagt Tettenborn. In der Aufbereitung wird dem gereinigten Wasser unter anderem Chlor zugeführt, bevor es wieder ins Becken kommt.

Die Temperatur des Wassers im Schwimmbecken ist kontinuierlich auf 27 Grad eingestellt. Die Raumtemperatur liegt um zwei Grad höher, sonst würde die Badegäste frieren, weiß Tettenborn.

Die Heizzentrale befindet sich indessen nicht im Keller, sondern unterm Dach des Hallenbades. Das zeigen Matthias Schweitzer, der technische Leiter der Stadtwerke, und Mathias Menssen, bei den Stadtwerke Betriebsführer für alle Erzeugeranlagen.

Die Anlage im Hallenbad braucht 2000 Megawattstunden Strom pro Jahr. Das eigene Blockkraftheizwerk erzeugt Wärme und Strom. Mit einem Sechs-Zylinder-Motor wird Gas verbrannt. Die Abwärme wird über einen Pufferspeicher an das Gebäude abgegeben, sie heizt auch das Wasser im Schwimmbecken. Damit wird die Grundlast gefahren.

Das Hallenbad ist über eine Fernleitung mit der Holzhackschnitzelanlage der Hochschule Rhein-Main verbunden. Wenn die produzierte Leistung des Hallenbades in Spitzenzeiten nicht ausreicht, wird die Anlage der Hochschule dazugeschaltet, so Menssen.

Diese Verbindung von Hallenbad und Hochschule fasziniert Helmut Sigel. „Das habe ich nicht gewusst“, sagt er und ist von der Führung begeistert. Wie auch Roswitha Müller-Braun, die überrascht ist, dass die Anlage so riesig ist.

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