Tausende tanzen auf dem Mainvorland zu Techno-Musik im Juli 2019. archivfoto: ok
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Tausende tanzen auf dem Mainvorland zu Techno-Musik im Juli 2019. archivfoto: ok

Umwelt

"Love Family Park": Deutliche Worte aus Wiesbaden

Erstmals meldet sich das Hessische Umweltministerium ausführlicher zu Wort. Und stellt der Stadt Rüsselsheim ein schlechtes Zeugnis aus: Der Landschaftsschutz kam bei Genehmigung fürs Techno-Festival zu kurz.

Rüsselsheim -Lange wurde bereits über den Ort des Techno-Festivals "Love Family Park" auf den Mainwiesen politisch gerungen. Grund waren vor allem die Bedenken gegenüber dem Natur- und Landschaftsschutz bei der Musikveranstaltung, zu der jeweils rund 20 000 Menschen kamen. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Rüsselsheim hatte diese Bedenken in einem Gutachten unterstrichen, auf das später auch das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt als Obere Naturschutzbehörde immer wieder verwies.

Nun kommt auch das Hessische Umweltministerium in einer Stellungnahme zur Sach- und Rechtslage zu einem eindeutigen Urteil, das der Stadt Rüsselsheim ein schlechtes Zeugnis im Genehmigungsverfahren zu diesem Tanzfestival auf der grünen Wiese ausstellt und künftige Genehmigungen für den "Love Family Park" auf dem Mainvorland erheblich erschweren dürfte.

"Grasnarbe abgetragen"

In einem Antwortschreiben des Ministeriums vom 25. Februar auf eine Petition eines Rüsselsheimer Bürgers, das dem Echo vorliegt, heißt es: "Eine Auseinandersetzung mit den Genehmigungsvoraussetzungen der Landschaftsschutzgebietsverordnung (LSVO) hat in den Bescheiden der Stadt Rüsselsheim über die landschaftsschutzrechtliche Genehmigung nicht ausreichend stattgefunden. In der Begründung der Entscheidung von 2019 wird lediglich auf einen Magistratsbeschluss vom Oktober 2018 verwiesen."

In dem Ministeriumsschreiben wird auch ausführlich Bezug genommen auf eine Stellungnahme des Regierungspräsidiums, in der es heißt, dass "nach den Veranstaltungen die vorhandene Grasnarbe weitgehend abgetragen war". Und weiter: "Nachsaaten aus dem vorjährigen Herbst, zur Beseitigung der Schäden aus dem Jahr 2018 waren damit im Jahr 2019 beseitigt, eine Regeneration der Fläche nicht möglich."

Zitiert werden auch die Schutzzwecke, die für die Schutzzone I des Landschaftsschutzgebietes "Hessische Mainauen" bestehen gemäß LSVO. Dazu gehören etwa die Erhaltung der durch Grünland geprägten Auensysteme als Brut-, Nahrungs-, Durchzugs- und Rastbiotop für die bedrohte Tierwelt; die Erhaltung der für den Landschaftsraum typischen Auenlandschaft, insbesondere Erhaltung der mäandrierenden Fließgewässer einschließlich ihrer Ufervegetation oder die Erhaltung der durch die unterschiedlichen Durchfeuchtungsstufen bestimmten Wiesen- und Ufervegetationstypen.

Das Umweltministerium kommt zu dem Schluss: "Die Auenschutzgebiete unterliegen in Südhessen einem besonders strengen Schutz. Dies schlage sich in den Genehmigungsvoraussetzungen gemäß Paragraf 3 Abs. 2 LSVO nieder. Hiernach dürfe die Genehmigung nur erteilt werden, wenn die Handlung den Charakter des Gebietes nicht verändert, das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt und wenn sie mit dem Schutzzweck nach Paragraf 2 vereinbar sei."

Die Petition richtete sich einst gegen die Durchführung des "Love Family Parks" im Jahr 2020 und wurde im Herbst 2019 beim Landtag eingereicht. Der Landtag hatte diese schließlich im November 2020 auf Empfehlung des Petitionsausschusses an das Umweltministerium zur Unterrichtung über die Sach- und Rechtslage verwiesen. Fast eineinhalb Jahr sind also seit Einreichung der Petition vergangen.

Petition aus dem Jahr 2019

Das Hessische Umweltministerium teilt abschließend mit, dass die Petition vor dem Hintergrund der zeitlichen Überholung und der andauernden Corona-Pandemie als erledigt angesehen werde. Da die geplante Veranstaltung im Sommer 2020 aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte und auch kurzfristig eine Wiederholung nicht möglich erscheine, sei die Petition gegenstandslos geworden.

Tatsächlich ist unklar, ob das Musikspektakel der internationalen Techno-Musikszene in diesem Jahr noch stattfinden wird. Auf der Internetseite des Veranstalters wird weiterhin das Datum 24. Juli 2021 als Veranstaltungstag auf dem Mainvorland annonciert.

Vom Seiten des Magistrats wurde dem Veranstalter eine Prüfung des Genehmigungsantrags im vergangenen Jahr bereits in Aussicht gestellt, jedoch unter "Vorbehalt einer Untersagung durch eine übergeordnete Behörde". Mehrheitlich wurde im vergangenen Jahr in der Stadtverordnetenversammlung auch ein CDU-Antrag angenommen, dem Veranstalter des "Love Family Parks" bereits eine Genehmigung zu "signalisieren".

Was die Einschätzung des Umweltministeriums für andere Veranstaltungen auf dem Mainvorland, wie den Mainland-Games oder das Klassikertreffen bedeutet, wird man wohl ebenso unter neuem Lichte betrachten müssen. olaf kern

Tausende tanzen auf dem Mainvorland zu Techno-Musik im Juli 2019. archivfoto: ok

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