„Burggeflüster“ der Fratzemächer

Lustspiel in Königstädten: Geisterjagd mit Witz und Laubsauger

Kurz vor Halloween geisterte es auch, zum Brüllen komisch, bei den Fratzemächern auf der Bühne. Ritter, Gräfinnen und ein schottischer Lord tummelten sich vergnügt in dem Lustspiel „Burggeflüster“ zur Freude der Zuschauer.

Tolle Akteure, verrückte Kostüme, freche Sprüche und mondäne Bühnenausstattung boten ein homogenes Ganzes, und einmal mehr zeigten die Fratzemächer, die Theatergruppe des Gesangvereins Frohsinn, dass sie ein Garant für gute Unterhaltung und Lachsalven sind.

Lokalkolorit war in diesem Jahr nicht so ausgeprägt wie in früheren Aufführungen. Die Burg, in der sich die Geschichte abspielt, liegt am Main, und die zickige Verlobte des schottischen Lords kommt von der „eebschen“ Seite des Flusses. Ansonsten blieb die Lokalisierung des Geschehens im Dunkeln. Sämtliche Klischees wurden bedient, so dass es weitestgehend keine Überraschungen gab. Dass am Ende jedes Töpfchen sein Deckelchen findet, war vorhersehbar, auch wenn das eine oder andere Paar ein wenig verbales Nachtreten benötigte, damit dann doch alles passte.

Die Burg von Graf Arnfried von Rabenstein (Sven Glasner), mehr Ruine als Burg, soll von der Bank konfisziert und zu einem Sporthotel umfunktioniert werden. Die Schwester des Grafen, Gräfin Viktoria Sophie von Rabenstein (Ramona Hummel), entdeckt eine Möglichkeit, die Burg zu retten, indem sie von einem reichen Schotten (Markus Sauer) gekauft wird, der ein Faible für Burgen hat, in denen Geister hausen. Im Schottenrock und in Begleitung seiner Verlobten (Claudia Schweizer) und eines waschechten Geisterjägers (Philipp Hummel) reist der Herr an – und das Chaos kann beginnen. Denn die Burg hat keine Geister aufzuweisen, so dass alle mitmachen müssen, damit es gehörig spukt.

Neben den von Rabensteins ist, eher ungewollt, auch die Sandkastenfreundin des Grafen, Gräfin Constanzia von Schwarzbach, die „

Bibi Blocksberg von der Nauheimer Seite

“ dabei, mit herrlich gekünsteltem Lachen und verliebten Blicken von Lydia Richter gemimt. Gärtner Johann (Klaus Upmayer) entpuppt sich als äußerst flexibel und mutiert zum arrogant-zynischen Butler mit zu kleinem Livree aber immer passenden Kommentaren bis hin zum Augen-Verdrehen. Als beste Darstellerin in diesem Jahr, deren Rolle als Köchin Rosa, die alles unter Kontrolle hat, ihr buchstäblich auf den Leib geschrieben war, entpuppte sich Edith Tropsch, die sofort die Herzen des Publikums gewann und den Saal mit Schlappmaul und gesundem Menschenverstand rockte. Alle Versuche, wild gewordene Ahnenfrauen, Ritter mit klappernden Rüstungen oder Gespenster mit Bettlaken über dem Kopf vorzuführen, bleiben vom schottischen Lord ungesehen. Die Verlobte zickt, der junge Graf besäuft sich und übersieht die feurigen Blicke der Sandkastenfreundin, und Gräfin von Rabenstein verliebt sich ernsthaft in den Schotten, der wie ein zu groß geratenes Baby, völlig ohne Arg durch die Geschehnisse stolpert, wobei ihm sein Kilt ausgesprochen gut steht.

Was jedoch keiner der Anwesenden weiß: Es gibt einen echten Geist. Gespielt von Bernd Steinhilper, kommt er des Nachts aus seinem Schrank und verführt die Verlobte des Schotten. Als Geist des Ritters Kunibert III. ist ihm der plötzliche Trubel in seiner Burg zu viel, so dass er nun in gereimter Form einschreiten und dem Lärm ein Ende setzen muss.

Der Dreiakter von Uschi Schilling fand bei allen drei Aufführungen große Zustimmung beim Publikum, das besonders die Auftritte der langjährigen Theatergruppenmitglieder Bernd Steinhilper und Philipp Hummel mit großem Beifall feierte. Gerade Hummel als Parapsychologe mit surrendem Kopfschmuck und einem umgebauten Laubsauger, mit dem er plante, Geister zu fangen, war, bereits bevor er zu sprechen begann, von der Optik her so komisch, dass sich die Menschen vor der Bühne begeistert auf die Schenkel schlugen. Wenn sie so bunt und komisch sind, werden Geister wohl künftig auch weiterhin im Stadtteil Königstädten gern gesehen sein.

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