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BMW macht Ende 2017 auf

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Das Autohaus Karl + Co wird in Rüsselsheim einen modernen BMW-Betrieb errichten. Auf einer etwa 11 000 Quadratmeter großen Fläche im Hasengrund wird die neue Niederlassung entstehen.

Von HEINRICH SCHREIBER

Die Opelstadt bekommt wieder ein BMW-Autohaus. Die Entscheidung eines renommierten BMW-Vertriebs, sich in der Opelstadt niederzulassen, ist indes weniger der Wirtschaftsförderung, als vielmehr einem „investitionsfreundlichen Umfeld“ zuzuschreiben, wie Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) die Pläne von Karl + Co kommentierte. Das Vorhaben stößt in eine Servicelücke, die der Münchner Konzern mit der Auslagerung der seitherigen Werksvertretung selbst aufmachte. Zum Jahresende 2015 hatte BMW die Rüsselsheimer Kundschaft alleine gelassen. Beschwerden wurden mit dem Hinweis abgetan, sich fortan an die Niederlassungen in Frankfurt, Offenbach, Dreieich oder Darmstadt zu wenden.

Verärgerte Kundschaft

Offiziell gab es von BMW vor dem Wegzug weder terminliche noch organisatorische Informationen für die Kundschaft. Sie wurde lediglich mit einer Zeitungsnotiz davon in Kenntnis gesetzt, dass Rüsselsheim für die bayerische Nobelmarke nicht mehr interessant sei. Zitat aus einem Brief, den ein Kunde an die Niederlassung Frankfurt der BMW AG schrieb: „Ich hoffe, Sie werden nachholen, was bisher kundenunfreundlich versäumt worden ist und uns informieren, wie es für die anscheinend ungeliebte Rüsselsheimer Kundschaft beispielsweise mit Reifenwechseln und Werkstattterminen nun weitergehen soll.“ Schlusssatz: „Hätte ich gewusst, dass Rüsselsheim aufgegeben wird, ich hätte keinen BMW gekauft. Denn die Wege nach Frankfurt, Offenbach, Darmstadt oder Dreieich sind allesamt eine Zumutung.“

Dass fast zur gleichen Zeit auch noch die einzige VW-Niederlassung dichtmachte, also zwei wichtige Betriebe auf einen Schlag der Opelstadt den Rücken kehrten, nahmen Rathaus und Wirtschaftsförderung zumindest nach Außen hin reaktionslos zur Kenntnis. Für die Kunden der Wolfsburger Marke indes war der Schritt akzeptabel, weil der neue Standort Bischofsheim keine größeren Umstände macht.

Der aktuelle Hinweis des Rathauses auf die Pläne des Autohauses Karl + Co konzentriert sich auf die „starke Dynamik unseres Wirtschaftsstandorts auch in den etablierten Arealen wie dem Hasengrund“ und stimmt ein Loblied auf die wirtschaftliche Magnetkraft der Stadt Rüsselsheim an, die sich bei Ansiedlungs- und Expansionsprojekten deutschlandweit unter den mittelgroßen Städten auf Platz zwei befinde. Die Internationalität des Standorts und die große Verfügbarkeit von Fachkräften machten Rüsselsheim zu einem „beliebten Anziehungspunkt für Unternehmen, Forschung und Wissenschaft“.

Eröffnung im dritten Quartal 2017

Zur Ansiedlung von Karl + Co verweist die städtische Mitteilung lediglich auf den unbebauten Standort gegenüber der seitherigen BMW-Niederlassung in der Stahlstraße, die Grundstücksgröße von rund 11 000 Quadratmeter und die geplante Investitionssumme von sechs Millionen Euro. Dass „in Kürze“ begonnen wird, klingt ein bisschen schönfärberisch. Richtig ist, dass sich die BMW-Fahrer in Rüsselsheim noch über ein Jahr gedulden müssen, bis sie wieder eine Werkstatt „vor Ort“ haben. Wie Geschäftsführer Peter N. Enders auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, ist die Eröffnung im dritten Quartal 2017 geplant.

Das Autohaus Karl + Co ist schon über 80 Jahre alt und hat einen BMW-Händlervertrag seit 1953. Außer in Mainz gibt es Filialen in Wiesbaden. 2006 wurde das Unternehmen durch das inhabergeführte Autohaus Krah und Enders übernommen, das weitere Filialen in Eschwege, Bad Hersfeld, Hünfeld, Fulda, Schlüchtern und Hanau-Maintal unterhält, die unter dem Namen Krah & Enders geführt werden. Zu dem Familienunternehmen gehören noch drei Renault-Betriebe in Wiesbaden, Fulda und Eschwege. In insgesamt 13 Betrieben beschäftigt die Firma etwa 600 Arbeitskräfte.

Nach Rüsselsheim kommt die seitherige Filiale aus Mainz Kastell. Vorgesehen ist der Bau eines modernen BMW-Betriebs. Gestartet wird an dem neuen Standort Ecke Stahlstraße / Silberstraße mit etwa 25 Mitarbeitern. Unberührt von der Neuansiedlung bleibt die Zukunft der seitherigen Liegenschaft, auf der die von Heinrich Schneider in den sechziger Jahren gegründete und später von der AG übernommenen BMW-Niederlassung beheimatet war. Geschäftsführer Enders kann derzeit nicht sagen, was mit den leerstehenden Gebäuden geschehen wird.

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