Heike Letmathe (rechts) zieht gemeinsam mit ihrer Frau eine kleine Tochter groß. Foto: Privat
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Heike Letmathe (rechts) zieht gemeinsam mit ihrer Frau eine kleine Tochter groß.

Alternative Lebensentwürfe

Mama und Mama - Papa und Papa

  • VonDr. Daniela Hamann
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Schwule Eltern im Alltag: Zwei Regenbogenfamilien erzählen aus ihrem Leben.

Rüsselsheim -Heike Letmathe und Matthias Roth arbeiten bei der Pro Familia in Rüsselsheim und betreuen die Fachstelle queerformat. In diesem Zusammenhang beraten sie Jugendliche und Erwachsene zu den Themen Homosexualität, Bisexualität und Transgender. Sie können sich dabei sehr gut mit einem Teil der Menschen identifizieren, die ihre Beratungsstelle aufsuchen. Denn Roth und Letmathe leben beide mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern in Regenbogenfamilien. Letmathe hat gemeinsam mit ihrer Frau eine kleine Tochter. Roth hat mit seinem Mann einen Pflegesohn aufgenommen.

Eigentlich wollten Matthias Roth und sein Ehemann ein Kind adoptieren. Doch bei dem Versuch machte er einige Erfahrungen, die er als Diskriminierung einstuft: "Es gibt leider im Jugendamt noch Mitarbeiter, die in ihren eigenen Überzeugungen darüber, wie eine Familie auszusehen hat, gefangen sind. Für sie gibt es nur die Konstellation Mutter, Vater, Kind. Etwas anderes erachten sie nicht als passend für das Wohl des Kindes." So entschieden sich Matthias Roth und sein Partner für die Aufnahme eines Pflegekindes. Bei der Erinnerung an den Moment, als der Kleine zu ihm nach Hause kam, strahlt Matthias Roth: "Als ich den Kleinen das erste Mal sah, habe ich mich sofort in ihn verliebt. Es fühlte sich von der ersten Sekunde so an, als ob er mein leibliches Kind ist", schildert Roth.

Eine wenig positive Erfahrung musste Heike Letmathe machen, nachdem ihre Frau das gemeinsame Kind zur Welt gebracht hatte. "Ich durfte mich nicht in die Geburtsurkunde meiner Tochter eintragen lassen. Das ist vom Gesetzgeber leider noch nicht vorgesehen. Ich wünsche mir sehr, dass sich das bald ändert." So musste Letmathe den komplizierteren Weg der Adoption gehen.

Wichtiger Teil im Leben

Schwanger wurde das Paar durch die Hilfe einer Freundin. Sie hatte einen Mann kennengelernt, der bereit war, Letmathe und ihrer Frau seinen Samen zu spenden. Er ist nach wie vor ein wichtiger Teil im Leben des kleinen Mädchens und sieht sie regelmäßig. Überdies hatte er mit seiner früheren Partnerin bereits ein Kind, so dass sie auch schon eine Schwester hat, die ein großes Vorbild für sie ist. Inzwischen hat er ihr mit seiner Partnerin auch ein kleines Geschwisterchen geschenkt. Letmathe ist sehr glücklich mit der Situation, wie sie strahlend berichtet.

Auch Matthias Roth möchte seinem Sohn dessen leibliche Mutter nicht vorenthalten. "Wir wollen ihm jederzeit die Möglichkeit geben, sie kennenzulernen. Leider hat sie aktuell daran kein Interesse. Sie besitzt auch das Sorgerecht nicht mehr. Trotzdem finden mein Mann und ich es wichtig, dass unser Sohn weiß, wo seine Wurzeln sind."

Auf die Frage, ob er Angst habe, dass man ihm das Pflegekind wieder wegnehmen könne, sagt Roth: "Natürlich ist das irgendwo in meinem Hinterkopf. Aber in Anbetracht der Situation ist das eher unwahrscheinlich." Das ultimative Happy End für Matthias Roth und seinen Mann wäre natürlich, wenn er den Kleinen nach einiger Zeit doch adoptieren dürfte. Doch auch so sind die Drei sehr glücklich, wie der stolze Vater berichtet. "Es ist eine so dankbare Aufgabe, einem kleinen Menschen beim Aufwachsen zu helfen."

In Stereotypen verankert

Danach gefragt, wie sie die gesellschaftliche Situation für homosexuelle Menschen in Deutschland aktuell einschätzen, sagen Letmathe und Roth, dass Homosexualität im Allgemeinen stärker akzeptiert werde. Problematisch sei jedoch das Aufkeimen rechtspopulistischer Kräfte, die ihre Meinung über die gleichgeschlechtliche Ehe und homosexuelle Paare laut und respektlos äußerten. Beide sehen auch die nach wie vor oft in Stereotypen verankerten Institutionen kritisch.

Letmathe gibt ein Beispiel: "Meine drei Jahre alte Tochter kommt hin und wieder verwirrt aus der Kita. Denn wenn sie dort mit anderen Kindern mit Puppen spielt, geschieht dies oft in der Konstellation Mutter, Vater und Kind. Mama und Mama und Papa und Papa gibt es im Spiel nicht." Und auch Geschlechterrollen würden oft noch starr vermittelt. Doch hier tue sich inzwischen einiges. "Wir bieten als Teil unserer Arbeit Schulungen für Erzieherinnen und Erzieher zum Thema und der Sensibilisierung in Bezug auf LGBT*IQ an. Das Angebot wird sehr gut angenommen."

Heike Letmathe und Matthias Roth sind in ihren jeweiligen Familien sehr glücklich. Von ihren Kindern haben sie den gleichen Eindruck. "Wenn homosexuelle Paare Kinder bekommen, sind das immer Wunschkinder", bemerkt Roth lächelnd. Das sei vielleicht auch ein Grund, weshalb viele Studien herausgefunden haben, dass schwule und lesbische Mamas und Papas gute Eltern sind. Sie hätten ihre Kinder eben in vielen Fällen noch ein wenig mehr gewollt. Daniela Hamann

Matthias Roth (rechts) und sein Mann haben einen kleinen Pflegesohn und sind in ihrer Familie sehr glücklich.

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