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Land unter: Die Friedhofstraße hat das Unwetter schwer erwischt.

Schwerstes Unwetter seit Jahrzehnten

„Man konnte das Wasser einfach nicht aufhalten“

Das Unwetter, das Trebur am vergangenen Freitag heimgesucht hat, dürfte in die Geschichtsbücher eingehen. Um 14.50 Uhr erfolgte die Alarmierung der Wehr. Was dann folgte, entwickelte sich zu einem Großeinsatz.

Von DENNIS MÖBUS

Sven Baumann war einer der ersten ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die am Freitag wegen des Unwetters ausgerückt sind. „Das war schon heftig. Im Gerätehaus kam ein Einsatzfax nach dem anderen an“, sagte der 27-Jährige. „Als wir zum ersten Einsatzort fuhren, standen die Straßen komplett unter Wasser, der Hagel wirkte darauf wie Schnee“, so der Treburer. „Immer wenn wir irgendwo begonnen hatten, einen Keller auszupumpen, kamen Nachbarn, die auch händeringend um Hilfe baten“, fügte er hinzu.

Auch für Gemeindebrandinspektor Klaus Sonneck war der Einsatz außergewöhnlich. „Ich bin seit 32 Jahren bei der Feuerwehr, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte er. Manchmal hätten zehn oder 15 Keller nach einem Gewitter unter Wasser gestanden. Diesmal mussten die Wehren zu fast 100 Einsätzen ausrücken.

Insgesamt waren 20 Fahrzeuge mit etwa 80 Ehrenamtlichen im Einsatz. Neben den Gemeindefeuerwehren kamen auch die Freiwillige Feuerwehr aus Nauheim sowie die Feuerwehr aus Erfelden. Denn: Die ersten Einsatzkräfte vor Ort hatten schnell die Schwere des Unwetters erkannt und weitere Kräfte zur Hilfe gerufen.

„Am Anfang kamen sehr viele Notrufe zeitgleich an, daher hat es etwas gedauert, bis alles koordiniert war“, berichtete Sonneck. Im Gerätehaus hatte die Feuerwehr eine Einsatzzentrale eingerichtet. Dort wurden die Hilferufe gesammelt und an die verschiedenen Fahrzeuge verteilt.

Besonders schlimm getroffen hatte das Unwetter die Ulmenstraße. Herbert Schwamberger ist einer der Hausbesitzer. Er sagte: „Erst kam nur etwas Regen, dann der Hagel und dann ist es immer stärker geworden.“ Innerhalb weniger Minuten war das Unwetter so stark, dass selbst Dachrinnen überliefen und sich die Straße in einen Fluss verwandelte“, berichtete der Treburer.

Plötzlich sei im Keller das Wasser selbst aus der Toilette und der Dusche herausgesprudelt. „Zusätzlich lief das Wasser noch über die Straße in die Einfahrt und damit auch in Garten und Keller“, berichtete Schwamberger. „Es dauerte nicht lange, dann standen 30 Zentimeter Wasser im Garten.“

Nach etwa einer halben Stunde war der gesamte Keller vollgelaufen und stand über einen Meter unter Wasser. „Man konnte das Wasser einfach nicht aufhalten“, sagte Schwamberger, der seit 16 Jahren in dem Haus wohnt. Auch seine gesamte Nachbarschaft hat es erwischt. „Anscheinend ist kein Keller trocken geblieben“, stellte Schwamberger fest.

Schwer erwischt hatte es auch das Treburer Seniorenheim. Die Wassermassen fluteten den gesamten Innenhof sowie die komplette Kelleretage. Die Einsatzkräfte benötigten trotz des Einsatzes von mehreren Pumpen Stunden, um das Gebäude trockenzulegen. Wegen des Wassers im Kellergeschoss mussten zudem rund zehn Personen in Seniorenhäuser nach Nauheim und Bischofsheim verlegt werden.

War man in der Vergangenheit überrascht, dass die Gewitter meist um Trebur herum zogen, hat es diesmal den Ort voll erwischt. Vor allem den nord-östlichen Teil von Trebur hat das Unwetter getroffen. Im südlichen oder westlichen Teil blieben die Keller tendenziell trocken. Auch sonst gab es in den anderen Ortsteilen keine Einsätze.

Private Wetterstationen haben in Trebur zwischen 40 und 50 Millimeter Niederschlag innerhalb kürzester Zeit gemessen. Eine offizielle Zahl gibt es nicht. Selbst am Abend lagen noch immer große Hagelhaufen an den Straßen, die wie Reste eines winterlichen Tages wirkten. Die Einsatzkräfte waren noch bis in die Nacht mit dem Trockenlegen der Keller beschäftigt und konnten ihren Einsatz erst nach etwa acht Stunden beenden.

Eine Einsatzkraft, die bei den Pumparbeiten einen Stromschlag erlitten hatte, wurde vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht, konnte aber rasch wieder entlassen werden. Sonst ist niemand verletzt worden. Wie hoch der durch das Unwetter entstandene Schaden ist, lässt sich nicht sagen. Er könnte Zehntausende Euro betragen.

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