Feierlicher Semesterstart

Maria will im Studium hoch hinaus

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Hunderte haben gestern ihr Studium an der Hochschule in Rüsselsheim aufgenommen. Die meisten sind Männer. Doch eine Frau lässt sich davon nicht abschrecken.

Die Ingenieurwissenschaften bleiben eine Männer-Domäne. Zumindest in Rüsselsheim. Am in der Opel-Stadt beheimateten Fachbereich der Hochschule Rhein-Main sind am Montag 660 Erstsemester begrüßt worden. Unter ihnen befinden sich lediglich 171 Frauen. Bei gerade einmal gut einem Viertel liegt somit der Frauenanteil bei den Studienanfängern in Rüsselsheim, am gesamten Fachbereich sogar nur bei gut einem Fünftel.

Maria hat sich davon nicht abschrecken lassen. Die junge Frau mit kurzen braunen Haaren und freundlichem Gesicht steht mit mehreren Taschen bepackt vor dem Großen Hörsaal auf dem Campus Am Brückweg. Bei einer der Taschen handelt es sich um den Begrüßungsbeutel für die neuen Studierenden, gefüllt unter anderem mit Infomaterial über die Hochschule.

In ihrem Studium will Maria hoch hinaus. Und zwar im Wortsinn. Elektro- und Luftfahrttechnik heißt der Bachelor-Studiengang, für den Maria sich eingeschrieben hat. Das Fliegen gehört da dazu. Den Studiengang hat sie gewählt, weil sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten will, der in der Luftfahrtbranche arbeitet. Warum sie sich für Rüsselsheim entschieden hat? „Der Studiengang ist relativ neu. Als ich mich im Internet informiert habe, hatte ich von Anfang ein gutes Gefühl“, erzählt sie.

Für das Studium hat Maria, die im Sommer ihr Abitur ablegte, eigens ihre Heimat in Brandenburg verlassen. Im Rhein-Main-Gebiet gefällt es ihr bislang gut. Allerdings habe sich die Wohnungssuche als schwierig erwiesen. In Rüsselsheim selbst ist sie nicht fündig geworden. Stattdessen pendelt sie nun aus dem benachbarten Raunheim zur Hochschule.

Deren Präsident Detlev Reymann, dessen Arbeitsplatz sich eigentlich am Hochschul-Hauptsitz in Wiesbaden befindet, lässt es sich nicht nehmen, die Erstsemester auf dem Rüsselsheimer Campus zu begrüßen. Im Großen Hörsaal wirbt er für Weltoffenheit. Auf den großen Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund sei er stolz.

Darüber hinaus ermahnt er die Erstsemester, von Beginn an konzentriert ans Werk zu gehen. „Wer am Anfang nicht in die Hufe kommt, schleppt es das ganze Studium mit sich“, gibt Präsident Reymann zu bedenken.

Auch Dekan Wolfgang Kleinekofort warnt vor Lücken, die zwischen zu lernendem Stoff und Studierenden entstehen könnten. „Widerstehen Sie den Versuchungen des süßen Müßiggangs“, appelliert er an die Erstsemester.

Einer, der sich dies zu Herzen genommen haben dürfte, ist Marcel Reis. Bei der Begrüßung der Erstsemester wird er von der Gesellschaft zur Förderung des Ingenieurstudiums in Rüsselsheim dafür geehrt, dass er seinen Bachelor in angewandter Mathematik mit der Bestnote 1,0 abgeschlossen hat. Das Studium sei für ihn wie ein Vollzeit-Job gewesen. „Ich hatte eine 40-Stunden-Woche“, blickt er zurück in seiner Dankesrede zurück. Dafür habe er allerdings auch nie „nachts durchlernen“ müssen.

Tipps für Aktivitäten abseits der Hochschule gibt Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne). Er empfiehlt den Besuch von Verna-Park, Opelvillen und Festung. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Innenstadt mitunter weniger schön daher kommt. Doch wenn sich das Image der Stadt ändern solle, seien die Studierenden der Schlüssel dazu.

Nach den vielen Reden wirken einige Erstsemester etwas matt. Nicht so Maria. Dass sie sich auf ihr Studium freut, ist ihr deutlich anzusehen. In der Anfangszeit hilfreich sein könnte der Inhalt des Begrüßungsbeutels. Neben allerlei Infozetteln ist auch eine Brotdose darin. In ihr wiederum findet sich etwa ein Flaschenöffner. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Studienzeit doch nicht nur zum Lernen da ist?

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