Die Jugendlichen des marokkanischen Freundschaftskreises vor dem Europaparlament.
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Die Jugendlichen des marokkanischen Freundschaftskreises vor dem Europaparlament.

Migrantenvereine im Gespräch

Marokkanischer Freundeskreis: Für Austausch und Miteinander, gegen Terror

Die Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen beschäftigt die Gesellschaft. Das Echo hat mit Migrantenvereinen gesprochen, ob sie in ihrem Umfeld solche Tendenzen wahrnehmen und wie sich die Radikalisierung verhindern lässt. Den Anfang macht der marokkanische Freundschaftskreis „Raunheim und Umgebung“.

 „Es sind einfache Menschen hierher gekommen, die hier arbeiten wollen und hier sehr unauffällig leben. Sie fühlen sich hier zu Hause“, charakterisiert der Vorsitzende Fouad Atmani die Mitglieder des marokkanischen Freundschaftskreises „Raunheim und Umgebung“.

Er versichert, dass sich im Umfeld des Vereins noch keine Jugendlichen religiös radikalisiert hätten. Er habe bisher auch noch nicht vernommen, dass Mitglieder Terroranschläge von Islamisten oder die Radikalisierung von Jugendlichen für gut heißen. „Wenn jemand für so etwas Verständnis aufbringen würde, müsste er aus dem Freundschaftskreis austreten“, macht Atmani unmissverständlich deutlich.

Der Freundschaftskreis möchte nicht mit der Radikalisierung von jugendlichen Muslimen in Verbindung gebracht werden und sich dafür rechtfertigen müssen. „Dafür sind wir nicht verantwortlich“, unterstreicht der Vereinsvorsitzende. Die Bedeutung der Moschee des Vereins relativiert er. „Die Moschee wird zu hoch gehängt, außerhalb der Gebete ist sie leer“, berichtet er.

Der marokkanische Freundschaftskreis mit seinen rund 200 angeschlossenen Familien stünde der Bevölkerung offen gegenüber. „Ich appelliere an die Gesellschaft, nicht alle Muslime über einen Kamm zu scheren, sondern weiter aufeinander zuzugehen“, wirbt Atmani für den Austausch zwischen den Religionen und den Kulturen. Der Freundschaftskreis ist in der Gesellschaft integriert, meint Atmani.

In der Tat: Die Marokkaner sind Mitglied im Vereinsring, beteiligen sich am Runden Tisch Asyl, werden zum traditionellen Neujahrsempfang des Gewerbevereins eingeladen und helfen beim Dreck-Weg-Tag der Stadtwerke und der Schulen. In der Moschee haben sich bereits die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk präsentiert. „Wir werden immer herzlich begrüßt“, sagt Atmani. Dies sei für ihn ein großer Integrationsfaktor.

Hinzu kommt die Präventionsarbeit mit den Jugendlichen. Der Freundschaftskreis bietet zwar keine gezielten Projekte gegen Radikalisierung an. In der Moschee geben allerdings Studenten Kindern Nachhilfeunterricht und betreuen sie bei den Hausaufgaben. Vereinsmitglieder halten zudem Arabisch-Unterricht, der Imam lehrt den Koran. Bei den Gebeten in der Moschee spricht er etwa über Erziehung. „Wir versuchen den Menschen einen Mehrwert für die Gesellschaft mitzugeben“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Auch Terroranschläge werden thematisiert. „Die Gemeinde gedenkt selbstverständlich auch den Opfern“, sagt Atmani. Bildung und Erziehung ist für ihn ein wichtiger Teil der Aufklärung. Der Verein bietet den Jugendlichen beispielsweise die Möglichkeit, selbst ein politisches Bildungsprogramm vorzuschlagen. Eine Schülerin aus dem Nachhilfeunterricht habe beispielsweise einen Ausflug nach Straßburg angeregt.

Daraufhin unternahmen Jugendliche eine Exkursion in die französische Stadt, um sich das Europaparlament, aber auch Münster und die Moschee anzuschauen. „Das war ein Baustein bei der Prävention.

Europa verbindet

. Mit dem Ausflug haben wir das Demokratieverständnis gestärkt“, erklärt Atmani. Für ihn sind Jugendliche gefährdet, die keine Beschäftigung haben und nicht in die Gesellschaft eingebunden sind. „Ein guter Schulabschluss und eine Ausbildung sind wichtig“, meint Atmani. Außerdem sollten sich die Jugendlichen in der Freizeit in die Gesellschaft einbringen.

Der Freundschaftskreis wird seinerseits von ehrenamtlichen Helfern unterstützt. „Leider sind das viel zu wenig, wie in vielen anderen Vereinen auch“, zieht er eine Parallele zu deutschen Vereinen.

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