Bildung

Schuldezernent kritisiert Maskenpflicht im Unterricht: „Kein praxistauglicher Umgang“

Weil die Corona-Fallzahlen wieder steigen, sollen alle Schüler Masken tragen. Auch im Unterricht. Für den Bürgermeister von Rüsselsheim ist das wenig „praxistauglich“.

  • Im Kreis Groß-Gerau steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen
  • Deshalb sollen Schüler auch im Unterricht Masken tragen
  • Den Bürgermeister von Rüsselsheim stört das

Rüsselsheim – Eine neue Allgemeinverfügung des Landkreises Groß-Gerau stößt bei Rüsselsheims Schuldezernent, Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne), auf Unverständnis. „Dass das Kreisgesundheitsamt reagieren muss, wenn Fallzahlen wieder deutlich steigen, ist klar“, so Grieser. Die neue Regelung in der Allgemeinverfügung des Kreises habe jedoch zur Folge, dass Kinder und Jugendliche quasi ganztägig die Mund-Nasen-Bedeckungen tragen müssen: Zum einen gibt das Land vor, dass die Mund-Nasen-Bedeckungen in der Schule zu tragen ist, außer im Unterricht. Nun sieht der Kreis zusätzlich vor, dass im Nordkreis die Mund-Nasen-Bedeckungen auch im Unterricht zu tragen ist.

Der Kreis hatte am Montag verfügt, dass für Schulen in Rüsselsheim, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasenbedeckung auch für den Präsenzunterricht im Klassen- oder Kursverband besteht.

Corona im Kreis Groß-Gerau: Mit weiterem Anstieg der Infektionen zu rechnen

Darüber hinaus darf kein praktischer Schulsportunterricht stattfinden. „Die steigenden Zahlen der letzten Tage durch positiv getestete Menschen im Kreis Groß-Gerau, größtenteils Reiserückkehrer, haben uns veranlasst, zum Schulstart diese Allgemeinverfügung zeitlich befristet bis zum 31. August 2020 zu erlassen. Dies tun wir, um weitere Infektionen im Kreis einzudämmen“, begründete Landrat Thomas Will sowie Erster Kreisbeigeordneter und Gesundheitsdezernent Walter Astheimer die Maßnahme.

Die vom Gesundheitsamt ermittelte Zahl der Neuinfektionen im Referenzeitraum von sieben Tagen im Kreisgebiet beläuft sich nach Stand vom 15. August demnach auf 22 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner (7-Tages Inzidenz), so dass der Landkreis Groß-Gerau nun der Stufe 2 des Eskalationskonzeptes zugeordnet sei. Mit einem weiteren Anstieg sei zudem zu rechnen. Die Fälle von Infektionen seien dabei in Abhängigkeit von der Einwohnerzahl innerhalb des Landkreises ungleich verteilt.

In den genannten Kommunen liege eine erhöhte Infektionszahl in den vergangenen 14 Tagen bezogen auf die Einwohnerzahl vor. Da die Maßnahmen bedarfsgerecht und angepasst erfolgen müssten, wurde die Allgemeinverfügung für diese fünf Kommunen erlassen, hieß es vom Kreis weiter.

Rüsselsheim: Bürgermeister plädiert für „Maskenpause“

Bürgermeister Grieser reagierte mit Unverständnis: Somit werde die gesamte Zeit in der Schule quasi ohne Ausnahme umfasst. „Das ist kein praxistauglicher Umgang mit dem Problem, denn die Schulen sind in der Zwickmühle, gegen welche Vorgabe sie jetzt verstoßen sollen. Eine regelmäßige ,Maskenpause‘ im Freien bei Wahrung der Abstandsregelung ist aus meiner Sicht dringend geboten“, betonte Dennis Grieser, der noch hinzufügte: „Besuchende von Spielhallen müssen ab sofort keine Mund-Nasen-Bedeckungen mehr tragen, Kinder und Jugendliche aber den ganzen Tag in der Schule ohne Ausnahme – das grenzt an Willkür und ist nicht vermittelbar. Sicherlich ist die Mund-Nasen-Bedeckungen in Räumen, in denen man keinen Abstand halten kann, sehr sinnvoll. Allerdings muss es im Schulalltag auch unter sicheren Bedingungen im Freien die Möglichkeit geben, unter Wahrung der Abstandsregelungen die Maske regelmäßig abzulegen. Es bedarf der Abstimmung zwischen Kreis und Kultusministerium, um dies sicherzustellen“, so Grieser abschließend.

Kreis Groß-Gerau: Landrat unzufrieden mit Regelung für Schulen

Ärgerlich ist hingegen auch für Landrat Thomas Will, dass es jetzt zu dieser Situation gekommen ist: „Ich habe schon vor den Ferien darauf hingewiesen, dass der pauschale Unterrichtsbeginn mit allen Kindern zur gleichen Zeit uns Probleme machen wird, aber darauf wollte man ja im Kultusministerium nicht hören“, wurde Will in einer Pressemitteilung des Kreises zitiert.

„Mir ist klar, dass wir keiner Schülerin und keinem Schüler – gerade nicht denen in der Grundschule – zumuten können über Stunden die gleiche Maske zu tragen“, so der Landrat. Deshalb arbeite das Gesundheitsamt an „Empfehlungen“ wie vor Ort flexible Regelungen gefunden werden können; beispielsweise mit „versetzten Unterrichtszeiten im Freien“, wo durchgeatmet und die Masken gewechselt werden können. Für den Groß-Gerauer Landrat gibt es vor dem Hintergrund des aktuellen Infektionsgeschehens nur einen Weg: weniger Kinder zur gleichen Zeit im Präsenzunterricht. (Von Olaf Kern)

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