Flüchtlingshilfe

Matratzen und Spinde ziehen um

Beim Umzug der Materialien für die Flüchtlingshilfe vom Lachebad zum Opel-Altwerk haben freiwillige Helfer, Feuerwehr und Flüchtlinge gemeinsam angepackt. Für den großen Einsatz gab es hinterher dann auch eine kleine Belohnung.

Von JAN STICH

Das Wasser ist aus dem Becken in der Halle des Lachebades schon lange draußen. Am Freitag wurden auch die Hilfsgüter ausgeräumt, die dort bisher gelagert wurden. In einer großen Hauruck-Aktion halfen Feuerwehr, Flüchtlinge und freiwillige Helfer der Stadt beim Umzug der Hilfsgüter.

400 Matratzen, 200 Spinde und noch einiges an Material für Erstausstattungen mussten aus dem Lachebad raus und rüber ins Opel-Altwerk gebracht werden, wo das neue Zentrallager für die Flüchtlingsversorgung in Rüsselsheim entsteht. In Zukunft sollen von dort aus dann immer die Ausstattungen an die Rüsselsheimer Flüchtlingslager gebracht werden, erklärt Petra Neumüller, Leiterin der neu gegründeten Stabsstelle Asyl Rüsselsheim. „Wir kaufen auf Vorrat, wann immer es eine Gelegenheit gibt“, erklärt sie, denn in der aktuellen Situation herrsche längst Mangel an diesen Gütern. Weil die bestellten Waren zu allen möglichen Zeiten angeliefert werden, sei das Ganze eine logistische Herausforderung für die Stadt. „Wir sind unglaublich dankbar für die Hilfe der Feuerwehr.“

Besser planbar war der Umzug aus dem Lachebad, und deshalb hatte die Stadt vorher mit einem großen Aufruf um Mithilfe gebeten. Viele Rüsselsheimer sind diesem gefolgt. „Wir hatten etwa 30 Anmeldungen“, erklärt Neumüller, es kamen dann jedoch mehr als 40 Helfer.

Während die Männer die sperrigen Spinde wuchteten, räumten die Frauen die Matratzen aus dem Umkleidenbereich aus. Zwei kleine Laster der Feuerwehr und ein großer Lkw fuhren die Waren dann zum Altwerk.

„Mein Deutsch noch schlecht, but we came here to help“, sagt ein junger Mann aus Pakistan. Er ist vor 15 Tagen in Rüsselsheim angekommen. Gemeinsam mit zwei Landsleuten und drei Kurden ist er heute hierher gekommen, um mit anzupacken.

Für Andrea Schließmann ist es bei weitem nicht der erste Einsatz in der Flüchtlingshilfe. Seit dem 3. Oktober ist sie dabei. Zuerst half sie beim Umzug in den Kirchpfad, dann begann sie, Flüchtlinge zu Terminen zu begleiten und ihnen zu assistieren, „doch das können sie mittlerweile auch schon gut alleine“. Dass an diesem Freitag so viele Menschen am Lachebad zusammengekommen sind, findet sie richtig gut.

Auch Staatssekretär Jo Dreiseitel hat sich freigenommen, um zu helfen. „Ich bin ja im Ministerium auch für das Thema Flüchtlinge zuständig und fühle mich da einfach verpflichtet, hier bei mir daheim auch dabei zu sein.“ Es sei eine Situation von historischer Dimension, erklärt er. „Ohne die gute Zusammenarbeit von Staat, Polizei, Rettungsdiensten und vielen freiwilligen Helfern würde das überhaupt nicht funktionieren.“ Diese gelebte Humanität mache ihn stolz. Es gelte die alte Parole John F. Kennedys: „Frag nicht, was die Gesellschaft für dich tun kann, sondern was du für die Gesellschaft tun kannst.“

Ein bisschen was gibt diese Gesellschaft aber dann auch direkt zurück. Als Belohnung für den großen Einsatz gibt es hinterher Getränkegutscheine für den Rüsselsheimer Weihnachtsmarkt von Armin Thienger und der Stadt. So trifft man sich im Anschluss zu Glühwein und warmem Tee auf dem Weihnachtsmarkt, denn gute Taten und Weihnachten, das gehört ja seit jeher zusammen.

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