Dort wo Wasser ist, da lauert auch Gefahr. An Badeseen, wie etwa hier im Rüsselsheimer Waldschwimmbad, sind daher Rettungsschwimmer im Einsatz.
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Dort wo Wasser ist, da lauert auch Gefahr. An Badeseen, wie etwa hier im Rüsselsheimer Waldschwimmbad, sind daher Rettungsschwimmer im Einsatz.

DLRG-Lebensretter

Mehr Badeunfälle als in einem normalen Jahr

  • vonAlexander Seipp
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Tragische Badeunfälle, davon hört man in diesen Tagen immer wieder. Alexander Seipp sprach mit Ilka Jakobs von der DLRG Rüsselsheim über die Gefahren des Wassers, die Vorteile des Schwimmens und wann man am besten damit anfangen sollte.

Frau Jakobs, derzeit hört man ja immer wieder von tragischen Badeunfällen. Täuscht der Eindruck, oder haben diese in diesem Jahr zugenommen?

Der Eindruck täuscht leider nicht. Wir mussten in diesem Jahr bereits 16 Einsätze zur Lebensrettung absolvieren, in einem normalen Jahr haben wir etwa zehn. Und die Saison ist noch nicht einmal vorbei.

Welche Gründe gibt es denn für den Anstieg?

Sicherlich spielt Corona eine Rolle. Es gibt Beschränkungen für Schwimmbäder und Badeseen. Viele Menschen haben Angst, sich anzustecken und trauen sich nicht dorthin, wollen aber trotzdem aufs Schwimmen oder eine Abkühlung nicht verzichten. Anderen sind die Regelungen bei den Schwimmbädern einfach zu komplex. Diese Leute greifen dann auf unsichere Orte wie Flüsse zurück.

Wieso passiert es gerade so häufig am Rhein?

Der Rhein ist selbst für geübte Schwimmer nicht zu empfehlen. Es gibt dort starke Strömungen, gerade rund um die Buhnen. Die größte Gefahr dabei ist, dass diese Strömungen oft kaum zu sehen sind, bevor es zu spät ist. Der Strand kann traumhaft sein, aber die Strömung zieht mitten in den Fluss hinein. Hinzu kommen andere Gefahren wie Schiffe. Im Main ist das weniger ernst, aber auch hier sollte man nicht schwimmen.

Immer wieder kommt es ja aber auch in Badeseen zu solchen Tragödien. Welche Gefahren lauern dort?

Das Wasser ist dort nicht gleichmäßig warm. Nur ein Stück weiter unten kann es zehn Grad kühler sein, darauf muss man vorbereitet sein. Eine weitere ernste Gefahr ist die Selbstüberschätzung. Im Waldschwimmbad haben wir zum Beispiel eine Insel, zu der viele schwimmen wollen. Viele überschätzen aber ihre Kräfte und merken dann auf der Hälfte der Strecke, dass sie nicht mehr können. Im Waldschwimmbad gibt es aber Rettungsschwimmer, die im Ernstfall sofort eingreifen können. Das gibt es an Flüssen und auch an unbewachten Badestellen nicht. Daher ist die Gefahr dort deutlich höher.

Ist die Schwimmfähigkeit in Deutschland zurückgegangen?

Nicht unbedingt. Allerdings gibt es, trotz Pflicht, leider in immer weniger Schulen Schwimmunterricht. Das liegt auch daran, dass es immer weniger Bäder gibt. Viele Kommunen können sich den Erhalt und Betrieb ihres Schwimmbads einfach nicht mehr leisten. Diese fallen dann oft ersatzlos weg. Bei außerschulischen Schwimmkursen sind die Wartelisten oft sehr lang, nicht alle, die sich dafür interessieren, bekommen also einen Platz.

Immer wieder sind ja auch Zuwanderer in diese Tragödien verwickelt.

Wenn Menschen aus Ländern kommen, in denen es keine Seen oder wenige Schwimmbäder gibt, dann können sie natürlich nicht schwimmen, schließlich gibt es dort nicht die Möglichkeit, damit Erfahrungen zu sammeln. Viele neigen dazu, das Wasser zu unterschätzen. Aber sie können das Schwimmen hier lernen. Es gibt mittlerweile ja ganz unterschiedliche Schwimmangebote.

Ab wann kann ein Kind denn schwimmen lernen?

Den Umgang mit dem Wasser kann man sehr früh schulen, etwa beim Babyschwimmen oder in der heimischen Badewanne. Am Rand festhalten oder mal den Kopf unter Wasser, das ist alles sehr gut. Denn nur durch Routine geht die Angst vor dem Wasser verloren. Und außerdem macht es natürlich viel Spaß!

Und richtiges Schwimmen, wie etwa Brust- und Rückenschwimmen? Ab wann geht das?

Die motorischen Fähigkeiten, um richtig zu schwimmen, erlangen Kinder erst mit etwa fünf Jahren. Es kommt ja vor allem auf die Koordination von Armen und Beinen an. Im Wasser fällt die Bewegung allerdings sehr leicht.

Können Eltern ihrem Kind selbst das Schwimmen beibringen? Oder doch lieber bei den Profis?

Ich würde Zweiteres empfehlen. Oft schleichen sich mit der Zeit Technikfehler ein, die geben Eltern dann an ihre Kinder weiter. Aber alles ist besser als nichts.

Werden die Zahlen wieder zurückgehen oder müssen wir uns auf einen ähnlichen Sommer im kommenden Jahr einstellen?

Die Badesaison endet ja etwa mit dem August, bis dahin werden wir aber vermutlich weiter viel zu tun haben. Sollte sich die Situation im nächsten Jahr beruhigt haben, dann hoffen wir, deutlich weniger Leute aus dem Wasser holen zu müssen. Ich hoffe aber insgesamt, dass viele in Zukunft auch mehr achtgeben.

Alexander Seipp

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