Bilder und Skulpturen

Mehr Farbe zieht ins Rathaus ein

Sabine Pillwitz-Schaum, deren großes Thema von jeher die Frage nach dem Mysterium des Lebens, nach dem geheimnisvollen Bauplan der Welt ist, wirft den Betrachter mittenhinein ins Meer der Zeit.

Ihr großformatiges Bild wilder Wellen unter der endlosen Weite des Himmels, ist ein unmittelbarer Blickfang bei der Jahresausstellung der Künstlervereinigung „Malkasten“. „Zeit und Vergänglichkeit“ heißt das Thema, zu dem am Sonntag zur Vernissage in der Rotunde vielfältige Ergebnisse vorgestellt wurden. Pillwitz-Schaum versieht die Kraft des Meeres mit einer Messlatte, die hübsch rotweißgeringelt am vorderen Bildrand emporragt. Messlatte für die menschliche Hybris, die meint, Natur bändigen zu können? Oder Messlatte fürs eigene Dasein – nur ein Fingerschnips im Meer der Zeit

Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne) begrüßte zur Ausstellung, „die Farbe ins Rathaus bringe“, und die Kalligraphin Ruth Schmid sprach einführende Worte: „Zeit – sie scheint uns davonzurennen und doch auch stillzustehen, sie ist knapp, holt uns ein oder wir hoffen auf sie, dass sie tatsächlich alle Wunden heile.“ Damit verwies Schmid zugleich auf den Jahreskalender der Kalligraphen in der Künstlervereinigung, dessen Blätter jetzt Teil der Ausstellung sind.

Und auch Schmids eigene Umsetzung des Themas Zeit und Vergänglichkeit beeindruckte: „Die Zeit und das Wasser ändern alles“, heißt es da in vollendeter Buchstabenmalerei auf blauem Grund nach Worten von Leonardo da Vinci. Während nun die 18 ausstellenden Künstlerinnen jeweils eine Erläuterung ihrer Arbeiten gaben, scherte mancher aus dem Pulk der Besucher aus, und folgte dem eigenen Faden der Kunstbetrachtung.

Da zog es ihn etwa zu den Skulpturen von Rosi Ebert hin, die aus Ton zwei Köpfe gefertigt hat, die berühren: „Tod“ ist der Titel des einen – ein in schräger Haltung erschöpft sich neigender Kopf, an vielen Stellen brüchig geworden: Der Mensch am Ende seines Kampfs gegen die Zeit. Die zweite Skulptur („Hoffnung auf Zeit“) zeigt ein von Müdigkeit und Alter gezeichnetes Gesicht.

Viele Blicke erforschten auch die großformatigen Arbeiten von Ellen Ribbe, der Künstlerin, die einmal sagte, es sei immer zuallererst die Linie, die sie in ihrem Verlauf und in ihrer Wandelbarkeit fasziniere. Zur aktuellen Ausstellung zeigt Ribbe Spuren auf der Oberfläche rohen, rauen Materials, die in rissigen Schichten zu einer Geschichte der Vergänglichkeit werden – abgenutzt und ausgemustert vom Lauf der Zeit. Sie sei dazu durch den Besuch einer Eisenhütte im Norden Deutschlands inspiriert worden, so Ellen Ribbe. Fotografisch habe sie die Spuren im leerstehenden Gebäude gebannt und dann zum Werk auf Leinwand verarbeitet.

Doch dann hielten auch die Einzelgänger der Vernissage in ihrem Rundgang inne, lauschten der Malerin Sigrun Sulk, die eben ihr zehntes – „Oder ist es schon das elfte?“ – Kunstwerk mit Bezug zur Opelstadt vorstellte: „Was haben die letzten Jahre Positives und Negatives für die Stadt gebracht? Ich habe zentrale Ereignisse und politische Grabenkämpfe als ein wackliges Kartenhaus am Landungssteg dargestellt – zusammengehalten wird es von vielen, engagierten Menschen unserer Stadt, die es mit Tauen festzurren und am Umfallen hindern.“ Da spähten die Besucher dicht gedrängt einander über die Schultern, um einen Blick auf dieses interessante Bild zu erhaschen.

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