Die Feuerwehr Rüsselsheim wird zu immer mehr Einsätzen gerufen. Auch die Nachbarkommunen fordern Unterstützung an. Um den Brandschutz weiterhin gewährleisten zu können, investiert die Wehr in den Nachwuchs. Darüber hinaus sollen weitere hauptamtliche Kräfte die Einsatzstärke erhöhen. Foto: rOBIN gÖCKES
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Die Feuerwehr Rüsselsheim wird zu immer mehr Einsätzen gerufen. Auch die Nachbarkommunen fordern Unterstützung an. Um den Brandschutz weiterhin gewährleisten zu können, investiert die Wehr in den Nachwuchs. Darüber hinaus sollen weitere hauptamtliche Kräfte die Einsatzstärke erhöhen.

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Mehr Freiwillige im Brandschutz

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Feuerwehr bewertet Projekt zur Mitgliedergewinnung positiv

Rüsselsheim -Wie wichtig eine gut ausgestattete und funktionierende Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr ist, hat zuletzt der Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Berliner Straße vor zwei Jahren gezeigt. Ein Mann war beim Sprung aus dem oberen Stockwerk des Hauses ums Leben gekommen, Ein neunjähriges Mädchen konnten die Einsatzkräfte schwer verletzt aus der Wohnung retten, erinnert sich Jörg Wintermeyer, der Leiter der Rüsselsheimer Feuerwehr, an die Brandnacht.

Sechs hauptamtliche Kräfte seien kurz nach der Alarmierung am Brandort gewesen - "deutlich zu wenige", findet Wintermeyer. Eigentlich seien zehn Feuerwehrleute als Ersthelfer bei einem kritischen Wohnungsbrand vorgesehen. Glücklicherweise traf die Haßlocher Wehr kurz darauf ein und holte das Mädchen aus der Wohnung, schildert Wintermeyer am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss das Geschehen beispielhaft.

Zehn zusätzliche Stellen sollen bis 2024 geschaffen werden, darunter sechs Auszubildende, welche die Feuerwehr übernehmen möchte. Bei den vier Freiwilligen Feuerwehren sieht es personell derzeit ebenfalls nicht rosig aus, sie seien aber noch vergleichsweise gut aufgestellt, findet Wintermeyer. "Überall sind die Zahlen rückläufig." Von 202 Feuerwehrleuten im Jahr 2014 werden sechs Jahre später noch 177 im Situationsbericht der Rüsselsheimer Feuerwehr aufgeführt.

Größere Präsenz an Schulen

Die Nachwuchsarbeit in der Kinder- und Jugendfeuerwehr entwickle sich jedoch positiv, ist Wintermeyer zufrieden. Weil man schon früh gegen den Mitgliederverlust angehen wollte, hatte die Wehr 2019 ein Projekt zum Mitgliedererhalt und zur Mitgliedergewinnung gestartet. Derzeit laufen die Vorbereitungen für eine größere Präsenz der Feuerwehr in den Schulen, erläutert der Feuerwehrleiter. Mit der Albrecht-Dürer-Schule werde zum Beispiel ein Konzept für Projekttage und -wochen erarbeitet. Die Kinder- und Jugendarbeit der Feuerwehr wird außerdem seit 1. März von einer pädagogisch ausgebildeten Fachkraft unterstützt. Ergänzend ist eine Mitmach-Ausstellung über die Arbeit der Feuerwehr im Stadt- und Industriemuseum geplant.

Wintermeyer betont wiederholt, wie wichtig die Projektarbeit für die Gewinnung neuer Mitglieder für die Zukunft der Stadt ist. Denn die Ansprüche an die Einsatzkräfte sind hoch. "Wir gehen davon aus, dass die Einsatzhäufigkeit steigen wird", sagt der Feuerwehrleiter mit Blick auf das Neubaugebiet Eselswiese, das Quartier am Ostpark sowie die Entwicklungen im Bereich Gewerbepark West.

Noch Zukunftsmusik, aber ebenfalls absehbar sind Veränderungen bei der Firma Opel. Verkauft der Automobilhersteller einen Teil der Werksflächen oder nutzt diese nicht mehr für die Produktion, könnten diese nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich der Werkfeuerwehr fallen, beschreibt Wintermeyer ein Szenario. Fakt sei, dass die Personalstärke der Opel-Werkfeuerwehr in den vergangenen Jahren bereits reduziert wurde. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass die Werksfeuerwehr noch kleiner oder sogar aufgelöst wird. In diesem Fall wäre dann mit einer Verdopplung der Einsatzzahlen für die Feuerwehr Rüsselsheim zu rechnen, erklärt Wintermeyer weiter.

Hinzu komme, dass die umliegenden Kommunen, die ebenfalls unter Personalproblemen leiden, bei Engpässen auf die Feuerwehr Rüsselsheim zurückgreifen. Die nachbarschaftliche Hilfe sei einerseits vertraglich zwischen Raunheim und Rüsselsheim geregelt, andererseits eine gesetzliche Verpflichtung. Wintermeyer und seine Kameraden schlagen vor, interkommunale Vereinbarungen zu treffen, was die Schaffung zusätzlicher hauptamtlicher Stellen betrifft. Die Kosten könnten die beteiligten Kommunen gemeinsam tragen.

Auswirkungen nicht absehbar

Der Brandschutz wird die Stadt Rüsselsheim in den nächsten Jahren einiges kosten. Es werden nicht nur zehn weitere hauptamtliche Feuerwehrleute bis 2024 eingestellt, die Fahrzeugflotte wird nach und nach erneuert. Ein Löschfahrzeug für rund 600 000 Euro ist bereits bestellt und wird 2023 in Dienst gestellt. 2022 kommen ein Wechsellader und ein Kleintransporter hinzu. Die Liste ist lang, die Wichtigkeit der Feuerwehrarbeit jedoch unbestritten.

Die Einschränkungen während der Corona-Pandemie haben die Arbeit der Feuerwehr stark erschwert. Insbesondere die Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren sowie die Kinder- und Jugendfeuerwehren mussten sich mit Einsatz- und Übungsdiensten unter widrigen Bedingungen arrangieren. "Das wichtige Vereinsleben ist gänzlich zum Erliegen gekommen. Die möglichen Auswirkungen auf Einsatzstärken und Tagesalarmsicherheit sowie die Entwicklung im Bereich der Nachwuchsgewinnung sind noch nicht absehbar", heißt es dazu im Situationsbericht der Feuerwehr.

Um den Betrieb aufrechterhalten zu können, erarbeitete die Wehr Hygienekonzepte. Mit Online-Schulungen versuche man, die theoretischen Inhalte weiterhin zu vermitteln. Mithilfe regelmäßiger Antigen-Selbsttests könnten die Mitglieder mittlerweile wieder Ausbildungsveranstaltungen, Lehrgänge und Seminare besuchen, blickt die Rüsselsheimer Feuerwehr positiv in die Zukunft. dit

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