Der Abstand bleibt: Die Tische müssen weiterhin 1,5 Meter voneinander entfernt stehen. Dafür dürfen jetzt mehr Personen als zuvor ins Restaurant oder Café. FOTO: DPa
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Der Abstand bleibt: Die Tische müssen weiterhin 1,5 Meter voneinander entfernt stehen. Dafür dürfen jetzt mehr Personen als zuvor ins Restaurant oder Café. FOTO: DPa

Gastronomie in Rüsselsheim

Mehr Gäste dürfen Platz nehmen

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Die Fünf-Quadratmeter-Beschränkung ist weggefallen. Wie gut klappt die Bewirtung in Lokalen und Cafés in derOpelstadt?

Rüsselsheim-Zehn Gäste. Mehr konnten Leyla und Husseyin Aydin bisher nicht bitten, in ihrem Restaurant Mitch Platz zu nehmen - zumindest im Innenraum, denn bis vergangenen Mittwoch waren mehr als eine Person pro fünf Quadratmeter Fläche im Gastronomiebetrieb nicht erlaubt.

Für viele kleinere Betriebe war das ein Grund, gar nicht erst zu öffnen, weil es sich einfach nicht rentierte. "Das macht schon einen Unterschied", sagt Leyla Aydin jetzt. Das Bistro Mitch sei zwar bisher geöffnet gewesen - "ganz zumachen war keine Option!" -, aber bei 50 Quadratmetern bliebe nicht viel Spielraum. Sie ist erleichtert. Jetzt passen, weil der Mindestabstand von 1,5 Metern immer noch gewahrt werden muss, knapp 20 Menschen in den Innenraum und bei schönem Wetter ist auch auf der Terrasse Platz.

Wenig Unterschied für große Betriebe

Diesen Vorteil hat auch Stelianos Kessidis vom Café am Markt, zudem ist die Terrasse im Hinterhof überdacht. Bisher durften offiziell nur 24 Personen in den Innenraum, das ist jetzt allerdings passé. Die Aufhebung der Beschränkung mache keinen allzu großen Unterschied, aber "es ist besser als nichts", sagt er.

Für Neslian Kürtbagi von Nesi's Restaurant ist die Beschränkungsaufhebung dagegen ein Tropfen auf den heißen Stein: "Das macht überhaupt keinen Unterschied. Platz haben wir genug. Man muss ja dennoch Abstand halten", sagt sie.

Für sie nimmt die Problematik nicht ab, weil ihr Gastronomiekonzept auf einem offenen Buffet basiert, das in der eigentlichen Form so nicht angeboten werden kann. Auch im Café in der Festung ist es ähnlich: Platz ist genug vorhanden. "Für uns ändert sich nichts", sagt Peter Kolb.

Im "Rind" hat man sich gegen eine Öffnung der Innenräume entscheiden - vorerst. "Aktuell halten wir erst mal nur die Außengastronomie bei", sagt Betreiber Florian Haupt.

Im Innenraum sei auch ohne Fünf-Quadratmeter-Beschränkung wegen des 1,5-Meter-Abstandes ein Betrieb wenig sinnvoll. Das mache momentan bei dem schönen Wetter aber nichts, sagt Haupt. "Die Sonne scheint, die Leute sitzen draußen und freuen sich. Wir überhasten erst mal nichts, sondern achten darauf, dass die bestehenden Regeln eingehalten werden."

Ralf Hummel vom Jägerhof ist die Erleichterung anzumerken. Trotz Terrasse mache der Wegfall der Regelung einen "Riesenunterschied". Normalerweise finden 50 Menschen im Innenraum Platz, mit der Regel waren es nur noch 16. Jetzt können zumindest wieder 25 hinein - wenn sie denn wollen. "Man merkt schon eine gewisse Zurückhaltung, die Leute wollen nicht so gerne reingehen", so Hummel. Er ist dankbar, dass Sommer ist: Einerseits seien die Menschen glücklicher, andererseits wäre Hummel bei konstant schlechtem Wetter auf den Innenraum angewiesen. "Da mache ich den Service allein", sagt er. Nur der Koch ist dann noch da.

Für die Mitarbeiter ist die Situation alles andere als optimal. Statt mit drei Servicekräften kommt er im Sommer nun mit nur einer aus. Trotzdem: Hummel ist froh über den Wegfall. "Die Fünf-Quadratmeter-Beschränkung war eine Katastrophe."

Die Menschen sind verhalten

Ähnlich sieht das auch Heike Bradini, die mit ihrem Mann die Cantina da Tino betreibt. Auch bei ihnen könnte die Gästezahl von 16 auf 25 klettern, allerdings bleibt der Zulauf aus. "Es ist ein sehr schleppender Vorgang", sagt Heike Bradini. "Viele Gäste sind noch sehr verhalten - sie haben Angst", so ihr Eindruck. Dass die Maskenpflicht am Tisch wegfalle, trage ebenfalls dazu bei, dass viele Gäste ausbleiben. Insofern mache es keinen Unterschied, mehr Leute bewirten zu dürfen.

Warum in Rüsselsheim die Gäste ausbleiben, während in Großstädten der Ansturm groß sei, könne sie nicht verstehen. Geschlossen bleibt dagegen vorerst die Stullenmanufaktur Jakob VI. in der Marktstraße, obwohl dort mit der Aufhebung der Regelung theoretisch wieder mehr Leute hineinpassen würden. "Das Mittagsgeschäft fehlt", sagt Geschäftsführerin Annette Heinz, die die Stullen nun in ihrem Café weiter hinten in der Marktstraße anbietet. "Jakob VI. macht erst einmal Corona-Pause." Stella Lorenz

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