Eine männliche Stockente schüttelt ihr Gefieder auf dem Wasser.
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Eine männliche Stockente schüttelt ihr Gefieder auf dem Wasser.

Naturschutz

"Mehr Rücksicht am Mainvorland"

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Anwohnerin findet mutmaßlich von einem Hund getöteten Erpel

Rüsselsheim -Monika Arnold ist sauer. Als sie am frühen Dienstagmorgen vergangener Woche mit ihrem Hund die übliche Runde am Mainvorland dreht, macht sie eine traurige Entdeckung: Ein toter Stockerpel liegt am Straßenrand der Dammgasse oberhalb des Maindamms. "Ich habe ihn hochgehoben und begutachtet. Seitlich war die Kehle aufgerissen", erinnert sie sich. Für Arnold ist klar: Ein Hund wird das Tier gerissen haben - offenbar, weil er nicht angeleint war, mutmaßt sie. Dass das in der Brut- und Setzzeit, die von Mitte März bis Mitte Juli herrscht, auf den Hessischen Mainauen - obwohl sie Landschaftsschutzgebiet sind - nicht zwingend nötig ist, macht sie wütend.

Wenig regelmäßige Kontrolle

Tatsächlich empfiehlt die Stadt den Hundehaltern lediglich, ihre Tiere "freiwillig an der Leine zu führen, sofern der Hund nicht ,hört', damit die Wildtiere nicht gefährdet werden", heißt es aus dem Rathaus. Dies gelte prinzipiell auch für alle Bereiche ohne Leinenzwang. Die Halter würden, etwa bei Streifgängen, entsprechend angesprochen. Wo Leinenpflicht vorgeschrieben ist, werde regelmäßig kontrolliert - vor allem aber auch, ob der Hundekot mitgenommen wird, so die Stadt. Das passiere allerdings auch viel zu selten, findet Arnold.

Sie sagt: "Wir müssen da etwas machen." Die Innenstadt sei ihr Viertel, sie wohne gerne dort. Aber die derzeitige Lage werde immer prekärer, findet sie. "Trotz der Fütterungsverbotsschilder werfen die Menschen Brot ins Wasser. Das ist nicht nur für die Vögel schlecht, sondern lockt auch Ratten an", berichtet sie.

Entsetzt zeigt sie sich außerdem über das respektlose Verhalten mancher Menschen. Nicht nur, dass viele ihre Hunde frei herumlaufen ließen, um sie "mit den Enten spielen zu lassen" - sie sei schon öfter Zeugin von sinnloser Gewalt gegenüber den gefiederten Mainauen-Bewohnern geworden.

Auf wehrlose Tiere eingeschlagen

So berichtet sie davon, wie ein kleines Kind die Tiere mit einem Stock verfolgt hätte, ohne dass die Eltern eingeschritten wären. Ein anderes Mal sei sie direkt eingeschritten - vergeblich. Ein erwachsener Mann habe mit einem Ast auf wehrlose Nilgansküken eingeschlagen, berichtet sie. Als sie ihn zur Rede stellte, habe er ihr nur "Scheiß-Viecher!" entgegen gerufen. "Es ist einfach schlimm", sagt sie seufzend. Umso wichtiger sei es, jetzt aktiv zu werden.

Eine eingezäunte Hundewiese, deren Einrichtung derzeit vom Magistrat geprüft wird, sei ein möglicher erster Schritt. Grundsätzlich hält Arnold aber auch eine bessere Kontrolle für wichtig.

Für sie ist klar: "Wir brauchen mehr Rücksichtnahme auf Flora und Fauna am Mainvorland. Da wird zu wenig drauf geachtet." Die Natur werde als zu selbstverständlich hingenommen.

Stella Lorenz

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