Noch mehr Schilder wie dieses könnten demnächst in Rüsselsheim stehen. Die Lokalpolitik befasst sich zurzeit mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung für gleich mehrere Straßen in der Stadt. (Symbolbild/Archivbild)
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Noch mehr Schilder wie dieses könnten demnächst in Rüsselsheim stehen. Die Lokalpolitik befasst sich zurzeit mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung für gleich mehrere Straßen in der Stadt. (Symbolbild/Archivbild)

Verkehr

Mehr Tempo-30-Zonen gefordert – Gefahr „unnötig hoch“

  • Olaf Kern
    VonOlaf Kern
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Die Lokalpolitik in Rüsselsheim diskutiert über die Einführung von mehr Tempo-30-Zonen. Dabei spielen nicht nur die positiven Effekte auf das Klima eine Rolle.

Rüsselsheim – Er sei kein Rad fahrender Baudezernent, gestand Nils Kraft (SPD) am Donnerstagabend in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses. Trotzdem zeigte er Verständnis für die Vorbehalte bei der Umgestaltung des Radweges durch die Unterführung in der Friedensstraße in der Innenstadt. Die bisherigen erhöhten Wege sollen zurückgebaut werden, dafür die Radwege auf beiden Seiten vergrößert, aber auch ebenerdig verlaufen.

Kraft werde den Gedanken in die Verwaltung mitnehmen, auf diesem Straßenabschnitt Tempo 30 für den Autoverkehr einzuführen, auch wenn er im selben Atemzug hinzufügte, dass die Stadt nicht allein darüber entscheiden könne, sondern übergeordnete Straßenbehörden. Ein Unfallschwerpunkt sei die Unterführung bislang nicht gewesen. "Wir versuchen aber, Tempo 30 hinzukriegen", sagte Kraft.

Rüsselsheim (Kreis Groß-Gerau): Lokalpolitik diskutiert über Sicherheit der Radwege

Gleichzeitig brachte er die Möglichkeit ins Spiel, die Radwege in der Unterführung als sogenannte "Protected Bike Lanes" auszuweisen, soll heißen mit Plastikpollern zusätzlich von den Fahrbahnen für Autos abzugrenzen, um den Radfahrern mehr Sicherheit zu bieten, wenn sie den Tunnel künftig passieren. "Plastikmarkierungen werden da auch nicht helfen", entgegnete Mathias Flörsheimer (WsR), der für den Antrag seiner Fraktion warb, bei den bisherigen Radwegen zu bleiben und eine Angleichung des Fahrbahnniveaus wieder zurückzunehmen. "Lebensgefährlich" sei das.

Lebensgefährlich sei auch jeder Schritt auf einer Straße, kommentierte Brit Scherer (Grüne), zugleich Radverkehrsbeauftragte der Stadt. "Warum? Weil sich Autofahrer nicht an die Straßenverkehrsordnung halten", ergänzte sie.

Einen Schritt weiter geht die CDU-Fraktion in ihrer Argumentation: Sie plädierte für die gänzliche Sperrung der Stadtunterführung für den Radverkehr. "Wir wissen doch, dass es Leute gibt, die wie eine gesengte Sau durch die Stadt fahren", sagte Christian Bock.

Debatte um Radwege und Tempo-30-Zonen in Rüsselsheim – Antrag der WsR wird abgelehnt

Der Vorschlag komme einer Kapitulation der Politik gleich, erwiderte Birgit Steinborn (Grüne/Linke Liste Solidarität). Ihr Fraktionskollege Karl-Heinz Schneckenberger erinnerte daran, warum man dieses Thema überhaupt diskutiere: Weil man drei Millionen Euro für die Bau- und Sanierungsmaßnahme in der Unterführung beschließen solle, ohne genau zu wissen wofür. Die Debatte um Radwege und Tempo 30 hätte man schon längst vorher führen müssen. Im Übrigen sei der Verkehr durch die Unterführung jahrelang problemlos gelaufen, auch mit den Kappen. Er selbst fahre wöchentlich mit dem Fahrrad durch. Tempo 30 sei aber schon mal ein großer Fortschritt, gab er zu.

Der Antrag der WsR wurde im Ausschuss mehrheitlich abgelehnt. Ob Tempo 30 in der Stadtunterführung künftig gelten soll, kommt nun auf die Einschätzung der Behörden an.

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Mehrheit in Rüsselsheim ist für Einführung einer Tempo-30-Zone – Gefahr „unnötig hoch“

Das Verfahren könne sich aber noch wesentlich vereinfachen, deutete Stadtrat Kraft an, wenn nach Bildung einer neuen Koalition in Berlin die politischen Mehrheiten es zuließen, eine neue Straßenverkehrsordnung durchzusetzen, nach der Tempo 50 als Regelgeschwindigkeit innerorts durch Tempo 30 ersetzt werden könnte.

Wie sehr das Thema aber jetzt schon Bürger und auch Politiker in Rüsselsheim beschäftigt, zeigte sich am Donnerstagabend auch an anderer Stelle. Eine große Mehrheit schloss sich dem WsR-Antrag an, den Magistrat aufzufordern, die Einführung einer Tempo-30-Zone im Burggrafenlacher Weg zu prüfen. Sie folgte damit der Einschätzung, dass dort durch Tempo 50 die Gefahr mobilitätseingeschränkter und kranker Menschen beim Besuch des dortigen Ärztehauses beim Ein- und Aussteigen "unnötig hoch" sei.

Verkehrspolitik in Rüsselsheim: Positiver Effekt auf das Klima durch Tempo 30

Kraft kündigte in diesem Zusammenhang an, das Problem durch haltende Taxis und Krankentransportfahrzeuge auf dem Fahrradstreifen im Burggrafenlacher Weg ebenso angehen zu wollen. Dies solle zunächst durch Gespräche mit dem Betreiber des Ärztehauses erreicht werden, der entsprechende Haltebuchten auf seinem Grundstück schaffen könnte.

Dass Tempo 30 auch einen positiven Effekt auf das Klima habe, wurde am Donnerstagabend am Rande der Vorstellung des Umweltberichtes der Stadt deutlich.

Rüsselsheim: Tempo-50-Regelung nicht mehr zeitgemäß

Nicht nur die Umweltbelastung, sondern auch die Situation durch den Autoverkehr insgesamt ist in Bauschheim ein großes Thema. Tempo 30 für den gesamten Stadtteil in Rüsselsheim steht hier im Raum, wie bei der Ortsbeiratssitzung in der vergangenen Woche deutlich wurde. Vertreter der neu gegründeten Umweltinitiative sprachen sich dafür aus, aber auch SPD und CDU.

Die gegenwärtige Tempo-50-Regelung in Bauschheim sei einfach nicht mehr zeitgemäß, so Ortsvorsteher Christian Bock. Ein Antrag der WsR zur Verkehrsberuhigung in der Brunnenstraße und in der Wolfinger Straße wurde dort abgelehnt, da der Antrag offenbar nicht weit genug ging. Ein Prüfauftrag für ein generelles Tempo 30 in Bauschheim ging aus dem Ortsbeirat direkt an den Rüsselsheimer Magistrat, der sich nun damit befassen soll. (Olaf Kern)

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