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Das neue Gebäude im Modell: Vorne in der Mitte die Kita mit Seniorenwohnungen, dahinter der Gebäudeteil für das Nachbarschaftszentrum und die Jugendbetreuung von „Auszeit“. Zwischen Kirche (ganz links) und Neubau entsteht ein neuer Kirchenvorplatz (hier mit Baum).

Im Mai beginnen die Bauarbeiten

Mehrgenerationenhaus: Das neue Zentrum am Böllenseeplatz 

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Jung und Alt unter einem Dach – am Böllenseeplatz beginnen im neuen Jahr die Bauarbeiten für ein zukunftsweisendes Projekt. Gestern wurden die Details erstmals vorgestellt.

Ein Jahr lang hat eine Projektgruppe an dem Vorhaben in der Theorie gearbeitet. Ab kommendem Jahr soll die Praxis folgen. Am Böllenseeplatz beginnen dann die Bauarbeiten für das sogenannte Nachbarschafts- und Familienzentrum Böllensee, das die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau dort errichten will. Mitte Mai wird der Grundstein gelegt für ein in vielerlei Hinsicht „ungewöhnliches Projekt“, wie Gewobau-Geschäftsführer Torsten Regenstein gestern bei der Vorstellung des Neubaus sagte.

Entstehen soll ein Mehrgenerationenhaus, das das 2013 gegründete Nachbarschafts- und Familienzentrum der Evangelischen Martinsgemeinde, eine Kindertagesstätte sowie neun seniorengerechte Wohnungen umfasst. 3000 Quadratmeter Grundfläche stehen dafür in direkter Nachbarschaft zum Kirchenbau der Martinsgemeinde zur Verfügung. 

Viele tun sich schwer

Ein Teil des Grundstücks im Besitz der Kirche wird über eine Erbbauvertrag der Gewobau zur Verfügung gestellt. Sechs Millionen Euro sind als Baukosten veranschlagt.

Das derzeit noch auf dem Grundstück stehende Gemeindehaus aus den 1950er Jahren wird für den Neubau weichen müssen. „Ein Verlust, mit dem sich viele aus der Nachbarschaft in der Siedlung schwer tun“, wie Pfarrer Andreas Jung von der Martinsgemeinde hinzufügte. Galt die Einrichtung am Böllenseeplatz doch viele Jahrzehnte für Opel-Betriebsangehörige und ihre Kinder, die hier aufwuchsen, als Mittelpunkt ihrer Wohnsiedlung.

Allerdings waren Gemeindehaus und Kita, die sich mittlerweile in der Paul-Hessemer-Straße befindet, in die Jahre gekommen. Ein Weiterbetrieb rechnet sich für die Gemeinde nicht mehr, zumal bei weiter stark schrumpfenden Kirchenmitgliedszahlen laut Jung an allen Ecken und Enden gespart werden muss. 

Zwei Baukörper

Doch nach Meinung aller Beteiligten, zu denen auch die Stadt Rüsselsheim gehört, wird an dieser Adresse eine Lücke geschlossen, indem aus gestalterischer Hinsicht der Böllenseeplatz komplettiert und aus sozialer Sicht ein zukunftsweisendes Vorhaben umgesetzt wird.

Denn die Planung sieht zwei, sich an einer Ecke überschneidende Baukörper vor. Der dreigeschossige Hauptbau wird zur Straße am Böllenseeplatz hin ausgerichtet sein. Im Erdgeschoss und im ersten Stockwerk wird die Kindertagesstätte in Trägerschaft der evangelischen Kirche untergebracht sein, im oberen Geschoss die neun Seniorenwohnungen. Jung und Alt befinden sich somit unter einem gemeinsamen Dach. Ob das gut geht?

Gewobau und Kirche verweisen darauf, dass bei der Auswahl der Mieter „sehr sensibel“ vorgegangen werden müsste, vertrauen aber auch darauf, dass Interessenten letztlich wüssten, auf was sie sich einließen, wenn sie sich für ein solches Domizil im Alter entscheiden würden.

Profitieren könnten beide Seiten, heißt es von den Projektverantwortlichen. Ältere Menschen hätten Kinder um sich und könnten sich etwa als „Lese-Oma“ einbringen. Kinder wiederum, die keine größere Familie vor Ort hätten, würden hier Anschluss in einer größeren Gemeinschaft finden. In der neuen Kita soll Platz für 24 U3-Kinder und für 75 Drei- bis Sechsjährige geschaffen werden. 

Kita vergrößert sich

Damit wird die bisherige Kita 19 zusätzliche Plätze erhalten. Zum Böllenseeplatz hin sollen die Fassaden der Kita großzügig mit bodentiefen Fenstern geöffnet werden. Ausreichend Platz zum Spielen im Freien befindet sich hinter dem Haus.

Für das Wohngeschoss sind sieben 45-Quadratmeter-Wohnungen und zwei 60-Quadratmeter-Wohnungen vorgesehen. Alle haben einen eigenen Balkon mit Blick auf den Böllenseeplatz.

Über ein zentrales Foyer betritt man den Neubau und gelangt in die Kindertagesstätte. Über eine Eintrittszone gelangt man ebenso in den zweiten, nur zweigeschossigen Bau, in dem die Räume für das Nachbarschafts- und Familienzentrum und für den Verein „Auszeit“, der Kinder und Jugendliche ein Betreuungsangebot macht, untergebracht sind. Auch die Kleiderkammer für 0- bis 3-Jährige soll dort einziehen. Durch den Rücksprung des zweigeschossigen Baus wird vor der Kirche zudem ein neuartiger Kirchplatz geschaffen.

Für die Bauphase bis zur Bezugsfertigkeit Ende 2020 sollen die Räume des Gemeindezentrums provisorischen Unterschlupf in einem derzeit leerstehenden, städtischen Gebäude in der Paul-Hessemer-Straße finden. Dort waren zuletzt Flüchtlinge untergebracht. Mit einem Gemeindefest am 27. Januar soll das alte Gemeindehaus „verabschiedet“ werden.

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