+
Ganz in ihrem Element: Die neue künstlerische Leiterin Andrea Bertram übt mit dem Ensemble von Stage Factory seit längerem für das neue Musical.

Stage Factory sucht Nachwuchs-Schauspieler

Meisterdetektiv auf den Spuren der Verbrecher

Sherlock Holmes löst auf der Bühne in der Stadthalle einen Mordfall. Die Darsteller proben fleißig.

Es ist ein Wochenende, an dem die Türen der Stadthalle verschlossen bleiben – kein öffentlicher Termin, zu dem die Einwohnerschaft in die „gute Stube“ der Stadt strömt. Und dennoch herrscht auf der Bühne reges Treiben. Seit einigen Stunden wird eifrig geprobt, gesungen und getanzt. Die jungen Künstler von Stage Factory haben sich zum Workshop getroffen. Sechs bis acht Stunden sind sie konzentriert bei der Sache. Am späten Nachmittag verlassen sie ausgepumpt und erschöpft die Halle – nur um am Sonntag das ganze Programm nochmals zu wiederholen.

Bereits im Frühjahr haben die Proben begonnen für das neue Musical, das Stage Factory Mitte November auf die Bühne bringen wird. Diesmal geht Meisterdetektiv Sherlock Holmes mit seinem Partner Watsen auf Spurensuche in London am Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Doch bis auf ein paar Szenen geht es meist gewaltfrei auf der Bühne zu, und schließlich gibt es ein Happy End. Aber mehr soll noch nicht verraten werden.

Es ist das fünfte Jahr, in dem Stage Factory auf den Brettern, die die Welt bedeuten, agiert. 2013 wagten Jugendliche, die Freude am Singen und dem Schauspiel haben, unter der künstlerischen Leitung von Alexa Rockstroh den Schritt in die Öffentlichkeit – mit großem Erfolg. Jahr für Jahr brachten sie seitdem Stücke auf die Bühne, für die das Drehbuch mit eigenen Ideen und in Teamarbeit entstanden ist. Das wird auch in der Zukunft so bleiben.

Der Vorsitzende Tilo Fischer legt Wert auf Fantasie und Kreativität seines Ensembles schon bei der Ausarbeitung neuer Musicals und Theaterstücke. Und dies, obwohl Stage Factory eben erst den Verlust der künstlerischen Leitung verkraften musste. Alexa hat wegen ihrer Heirat Groß-Gerau verlassen. Ein Jahr versuchte sie noch, die Arbeit aufrecht zu erhalten, doch das erwies sich als zu stressig. Schweren Herzens nahm sie Abschied – und sorgte mit einer Empfehlung für die reibungslose Fortsetzung der Arbeit bei Stage Factory.

Andrea Bertram aus Heidelberg führt nun die Regie. Andrea ist Inhaberin von „Complete in Motion“, einem Ensemble, das 1997 als Dance-Company gegründet wurde und sich auf getanzte Fashionshows spezialisiert hat. Tourneen gehören ebenso zu den Referenzen wie Fernseh- und Theaterengagements. Mit dem Beginn des Jahres 2017 hat sie die Groß-Gerauer Nachwuchskünstler unter ihre Fittiche genommen – und sich bereits in deren Herzen geprobt.

Wie immer sind alle mit Begeisterung bei der Sache, die auch nicht nachlässt, wenn eine Szene schon zum dritten Mal geprobt werden muss. Die Teenager haben Spaß, vor allem, als es um die Frage geht, Sherlock Holmes, der sich in den Kellergewölben einer Londoner Parfümfabrik verirrt hat, mit dem Seil herabzulassen – in diesem Fall von der Empore der Stadthalle. Ein herbeigerufener Fachmann kennt die Lösung. Es muss perfekt aussehen.

Zwar sind die meisten der jungen Leute, die sich Stage Factory 2013 angeschlossen haben, noch mit von der Partie, doch langsam macht sich Tilo Fischer Sorgen um den Nachwuchs. Julia, Kai und Jule haben aufgehört; sie mussten sich wegen ihres Studiums neu orientieren. Deshalb wurde erstmals ein Casting angesetzt – es ging dabei auch um eine Gastrolle für das neue Musical. Gefragt waren Ausdruck und Bühnenpräsenz, Teamgeist sowie eine gute Gesangsstimme. Aber gemeldet hat sich an diesem Samstag niemand, sagte Andrea enttäuscht. Nun soll ein weiterer Versuch unternommen werden.

Wenn sich im November der Vorhang hebt, wird Stage Factory sein Publikum wie gewohnt erneut verzaubern. Die vielen Stunden, die die Akteure eifrig geprobt, gesungen und geschwitzt haben, schlagen sich dann in der Qualität der Aufführung nieder. Und nur wenige wissen, dass daneben auch erhebliche Kosten für den technischen Aufwand fällig werden. Tilo Fischer schätzt diese auf über 10 000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare