Stadttheater

Der Meisterkomponist und seine Schüler

Im Stadttheater sind Sänger der Jungen Oper Rhein-Main zu Gast. Sie proben für die deutsche Erstaufführung der Oper „Caliban“ des zeitgenössischen Komponisten Moritz Eggert in zwei Wochen. Ein Meisterkurs mit Werkstattkonzert war Teil davon.

„Sehr schön, ungemein spannend“: Judith Kissel, zuständig für Presse und Dramaturgie der Jungen Oper Rhein-Main, schwärmt am Morgen nach dem Werkstattkonzert der Nachwuchssänger (10.) von einem außergewöhnlichen Abend im Theaterfoyer.

Lieder von Nikolai Rimski-Korsakow, dem 1844 geborenen Komponisten, hätten für den Part der traditionellen Musik gestanden: „Die übrigen Werke – etwa von Berthold Hummel sowie von Moritz Eggert – sind der Neuen Musik zuzuschreiben, zeichnen sich durch kreative Verbindung der Stile und durch klangliche Erweiterungen aus“, so Kissel.

Eigentlich sollte dieses Werkstattkonzert, das den Abschluss des mehrtägigen Meisterkurses der Jungen Oper Rhein-Main im Theater bildete, dem Rüsselsheimer Publikum Appetit auf Eggerts Opernaufführung in zwei Wochen machen, setzt die Dramaturgin hinzu.

Indes: „Leider blieben die Sänger mit dem Komponisten Moritz Eggert, der auch den Kurs leitete, ziemlich unter sich.“ Doch für Moritz Eggert, dessen englischsprachige Kammeroper „Caliban“ im März 2017 in Amsterdam uraufgeführt worden war, ist es kein Novum, dass zeitgenössische Musik es schwer hat, Publikum zu finden.

„Deutschland ist ein tolles Opernland, doch es schöpft sein Potenzial nicht aus“, sagte er beim Pressegespräch am Rand des Meisterkurses. „Die Berührungsängste des Publikums beruhen auf nicht gemachter Erfahrung“, ist Moritz Eggert überzeugt.

Begeistert von „der Freiheit der Ausgestaltung“, die Neue Musik ihren Interpreten bietet, zeigte sich Sopranistin Corinna Ruba. Am Piano studierte sie nachmittags die Noten zu Eggerts Komposition „Vier Lieder nach Heine“.

Beim Werkstattkonzert trug sie das Lied „Der Ungläubige“ sowie die Arie der Isabella aus Eggerts Oper „Freax“, uraufgeführt 2007, vor. „Die Musik ist sehr angenehm für die Stimme. Es gibt schräge Momente, wechselnde Harmonien und doch stets eine Linie. Alles ist getragen von großer Klangästhetik“, so Ruba.

Mit zeitgenössischen Komponisten zu arbeiten, sei eine großartige Erfahrung, fuhr sie fort: „Du musst nicht spekulieren – wie war das gemeint? Und du kannst deine eigene Handschrift hinterlassen, kannst Musik mit eigener Farbe ausmalen.“ Hinsichtlich des geringen Publikumsinteresses meinte sie: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Beide müssen aufeinander zugehen – Spielhäuser und Publikum.“

Bariton Peter Schöne vom Staatstheater Saarbrücken, der seit 2001 oft mit Moritz Eggert zusammenarbeitet und auch den Meisterkurs der Nachwuchssänger begleitete, bestätigte: „An Hochschulen steht meist das Traditionelle im Vordergrund, es gibt nur drei bis vier Klavierprofessoren in Deutschland, die Neue Musik unterrichten“, erklärt der Sänger.

„Bedenken wir, dass im 19. Jahrhundert 99 Prozent zeitgenössische Musik gespielt und engagiert debattiert wurde, müssen wir erkennen, dass wir heute mit durchweg traditioneller Musik auf den Spielplänen der Musikhäuser wie in einer Blase verharren.“

Leidenschaftlich plädieren Peter Schöne und Moritz Eggert für die Kunst der Oper. Eggert, der bereits 15 Opern Neuer Musik komponierte, sagte: „Die Oper ist ein Kraftwerk der Gefühle. Das Lied entfaltet eine intime, emotionale Situation, die sich vergrößert im Bühnenaufbau und im Orchester wiederfindet.

Starke Charaktere

begegnen einander.“

Er schöpfe aus dem Pool verschiedenster Stile, komponierte für die Oper „Caliban“, die den Stoff um die gleichnamige Figur aus Shakespeares Stück „Der Sturm“ neu deutet, teils barocke, teils poppige Passagen zur bilderreichen Musik.

Prospero, der zauberische Held, und Caliban, der Unergründliche, treffen auf einer Insel zwischen Schlafen und Wachen zusammen, einer Insel voll von Geräuschen, Tönen und anmutigen Melodien.

Zur deutschen Erstaufführung der Oper „Caliban“ im Stadttheater Rüsselsheim (26. Oktober, 20 Uhr) wird Judith Kissel als Dramaturgin des Vereins der Jungen Oper Rhein-Main ab 19 Uhr eine Einführung zu Inhalt und Musik geben. Der junge Dirigent ist David Holzinger.

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