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Don Mercedes Moped singt

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Wenn Marik singt, 

haben der Maulwurfn und Frosch Günther Falkenhorst Pause.
Wenn Marik singt, haben der Maulwurfn und Frosch Günther Falkenhorst Pause. © Marc Schüler

Für die Fans des Puppenspielers und Kabarettisten René Marik ist es eine gute Nachricht: Er wird mit „Ze Hage! – Das Beste plus X“ wieder auf Tour gehen. Dafür probt er seit Wochen in Rüsselsheim.

Von Marc Schüler

Dass er in Rüsselsheim sein Programm perfektioniert, kommt nicht von ungefähr. Immerhin war René Marik, der aus dem Westerwald kommt, in Rüsselsheim vor Jahren als Schauspieler tätig. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Rüsselsheimer Künstlergruppe Sechzig90, die in der Taunusstraße ihren Probenraum und ihr Theater hat. Marik findet dort optimale Bedingungen, in Ruhe sein neues Programm zu gestalten und dies dann bei öffentlichen Proben vor Publikum zu perfektionieren.

„Leider müssen wir am Jahresende das Gebäude verlassen, denn es soll abgerissen werden, daher denken Sie dran: Sie sitzen hier auf eigene Gefahr“, erklärte Holger Kraft augenzwinkernd bereits bei der Begrüßung und wies damit auf das Problem der Gruppe hin, die bis zum heutigen Tag nicht weiß, ob und wo es 2016 für sie weitergehen kann. „Es ist sehr schade, dass die Kultur oft den Budgets zum Opfer fällt. Ich hoffe, es kann für unseren Verein weitergehen“, weiß auch Marik, der gerne zur Vorbereitung in der Opel-Stadt ist.

Als Puppenspieler für Erwachsene hat sich Marik mit seinen skurrilen Figuren schnell einen guten Ruf in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland gemacht. Vor allem die Figur des blinden, leicht sprachbehinderten Maulwurfs brachte es mit kleinen Clips auf Youtube schnell zu großer Popularität, so dass seine Programme „Autschn!“ und „Kasperpop“ sich schnell großer Popularität erfreuten und seine Anhängerschaft zur Crowdfunding-Finanzierung des Kinofilms „Geld her oder Autschn!“ animierte.

Eigentlich hatte Marik Ende 2011 schon angekündigt, kein neues Programm mehr mit seinen Puppen machen zu wollen, um sich auf andere Dinge zu konzentrieren, doch fehlte ihm der kleine Wühler, den er als seinen „Naturclown“ bezeichnet, irgendwann. So stellte Marik sein neues Programm „Ze Hage! Das Beste plus X“ zusammen, in dem „Maulwurfn“ die absolute Hauptrolle spielt.

In zahlreichen bekannten und beliebten, aber auch einigen neuen, originellen Stücken trifft Maulwurfn wieder auf die bekannten Charaktere wie den neunmalklugen Frosch Günther Falkenhorst, Eisbär Kalle oder den Grinsekasper. Zwischendrin singt der auch als Gitarrist begabte Marik in seiner Rolle als „Eminenz Don Mercedes Moped“ noch schnulzige Lieder, begleitet von Videoclips mit seinen Figuren.

Ernstfall vor Publikum

„Die ganze Woche über probe ich, am Freitag ist dann der Ernstfall vor Publikum“, kündigte Marik bei der Begrüßung an. „Bei der zweiten öffentlichen Probe waren viele Fans da, die schon bei der ersten Probe dabei waren, daher bin ich froh, dass wir heute ein neues Publikum haben“, so Marik zu den etwa 80 Besuchern im Saal.

Kostenlos war der Besuch der Probe für die Fans, die jedoch von Marik gebeten wurden, unter dem Hinweis auf die räumliche Situation des Vereins eine Spende an Sechzig90 in die Box zu werfen. „Aber auch hier sei der Hinweis erlaubt: Da wir eine Kupferallergie haben, werden Scheine bevorzugt“, lautete sein Hinweis, wobei er schelmisch grinste.

Dass die Zuschauer bei der Probe sicher nicht das ganze Programm in seiner Endform sehen, war allen klar. Dies stellte Marik auch zu Beginn fest. „Mein Programm ist zwar so gut wie fertig, aber für eine Nummer habe ich die Requisiten gerade erst bekommen, daher muss ich daran noch arbeiten“, sagte der Künstler.

Die offizielle Begrüßung übernahm Falkenhorst, der seinen „mäßig begabten Kollegen hier unten“ dann auch gleich rügte und zusammen mit Maulwurfn in Shakespeares Welt einstieg. „Hamletn! Hamletn! – Sein oder nicht Gaage!“ sorgte für viel Spaß im Saal und kam genauso im Ablauf des Programms vor wie die Grimm’schen Märchen mit Schneewittchen („Schneewante“), der Begegnung mit Barbie („de Barbe“) oder Winnetou.

Als wandlungsfähig präsentierte sich auch Falkenhorst, der in zahlreiche Rollen schlüpfte vom Huhn bis zu Darth Vader. Mit seinem teils platten, teils hintergründig-intelligent-anarchischem Humor und dem Spiel seiner Puppen verschaffte Marik dem Publikum bei der Probe seines etwa zweistündigen Programms einen vergnüglichen und sehr kurzweiligen Abend, der anschließend für manchen Fan bei einer Grillwurst und einem kalten Getränk im Hof zusammen mit dem Künstler einen weiteren Höhepunkt fand. „Ich freue mich auf Eure Anregungen und Kritiken“, forderte Marik sein Publikum auf. Dies wurde auch von vielen Fans gerne wahrgenommen.

Rohzustand statt Hochglanzversion

Aus Darmstadt war Matthias Ihrig mit seiner Tochter Lily nach Rüsselsheim gekommen. „Ich habe im sozialen Netzwerk von der Probe erfahren und meine Tochter damit überrascht, sie ist nämlich ein großer Maulwurfn-Fan“, erzählte er. Die Probe des Stücks zu sehen, war für die beiden etwas ganz Besonderes. „Man kann einmal ein wenig hinter die Kulissen gucken und sieht das Stück im Rohzustand, anstatt die Hochglanzversion, die später auf Tour geht. Das finde ich toll und interessant, wir hatten jedenfalls sehr viel Spaß.“

So verlief der Auftritt zwar zumeist reibungslos, doch ab und zu hakte mal eine Figur, Marik begann in seinem Text selbst zu lachen oder Soundeffekte setzen zu früh ein – eben die Kleinigkeiten, die für Marik und sein Team eine Probe.

Auch wenn die Generalprobe seines neuen, alten Stücks am 9. September im Rüsselsheimer Rind schon schnell ausverkauft war, werden die Fans in der Opel-Stadt noch in den Genuss von „Ze Hage!“ kommen. Am 28. Januar gastiert Marik im Stadttheater. Auch Mannheim, Gießen, Limburg und Bad Homburg stehen als Auftrittsorte in der näheren Umgebung für das kommende Jahr auf seinem Tourplan.

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