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In der Wohnung im "Dicken Busch" soll sich säckeweise Marihuana befunden haben. Foto: Polizei

Justiz

Milde Strafe für Rüsselsheimer Dealer

  • vonWalter Scheele
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Das "Geschäft" war vor fünf Jahren aufgeflogen. Nun gab es das Urteil am Landgericht: Es ist der Schlussstrich unter einen Handel mit Drogen in großem Stil.

Rüsselsheim -Ein 39-Jähriger aus Rüsselsheim muss wegen Handels mit Marihuana in nicht geringer Menge für zwei Jahre und acht Monate in Haft. Die 12. Große Strafkammer am Landgericht Darmstadt zog damit am Montag einen Schlussstrich unter den schwunghaften Handel mit Drogen aus einer Wohnung in der Robert-Bunsen-Straße im Rüsselsheimer Stadtteil "Dicker Busch". Das "Geschäft" war vor fünf Jahren aufgeflogen.

Vier weitere Männer sind in diesem Zusammenhang bereits zu bis zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Teilweise sind sie schon wie-der auf freiem Fuß. Einzelne verbüßen ihre Strafe derzeit noch im Freigang - einer der Hauptbelastungszeugen (35) gegen den jetzt Verurteilten in Nordrhein-Westfalen. Dort hatte man "vergessen", den Freigänger zu der Zeugenvernehmung in Marsch zu setzen.

Mit der vergleichsweise milden Haftstrafe kam der 39-jährige Familienvater davon, weil er von Anfang an vor Christoph Trapps Großer Strafkammer reinen Tisch gemacht hatte. Obwohl die Beweislage, so sah es auch die Staatsanwaltschaft, "auf nicht besonders festen Beinen" stand, räumte der Verurteilte den Drogenbesitz ein. "Die Menge könnte so ungefähr stimmen", hatte er von seinem Anwalt erklären lassen.

Kiloweise Haschisch

Aufgeflogen war der Drogenhandel mit Haschisch, Marihuana und auch Kokain im März vor fünf Jahren. In die Wohnung in der Robert-Bunsen-Straße 30 war eingebrochen worden. Die damalige Lebensgefährtin eines der Angeklagten, auf deren Namen die Wohnung gemietet worden war, hatte den Einbruch angezeigt.

Die nach eigener Aussage aus der Drogenszene ausgestiegene 31-Jährige machte bei der Polizei umfassende Angaben. Sie berichtete von kiloweise Haschischplatten im Bettkasten. Marihuana habe "säckeweise" offen in der Küche gelegen.

Den Drogenhandel organisiert haben den Ermittlungen nach insgesamt fünf Männer aus dem kleinen Ort Nador an der marokkanischen Mittelmeerküste. Das Dorf, seines Reichtums und seiner "goldenen Moscheen" wegen bekannt, gilt als einer der wichtigsten Umschlagplätze für Cannabisprodukte in Nordafrika. Der Stoff kommt meist über Spanien nach ganz Europa.

Internationaler Haftbefehl

Nachdem der Drogenhandel in Rüsselsheim aufgeflogen war, floh der jetzt verurteilte 39-Jährige über Spanien in seinen Heimatort Nador. Von dort aus zog es ihn später nach Barcelona, wo er mit seiner Familie bis zu seiner Festnahme aufgrund eines internationalen Haftbefehls am 21. Februar 2019 vom Handel mit aus Deutschland importierten Autos lebte. sc

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