Martin Luther war vor 500 Jahren mit der Pferdekutsche gereist. Sein Nachfahre, Ralph Luther, bevorzugt ein paar Pferdestärken mehr unter der Haube des Elektromobils. FOTO: Hans dieter Erlenbach
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Martin Luther war vor 500 Jahren mit der Pferdekutsche gereist. Sein Nachfahre, Ralph Luther, bevorzugt ein paar Pferdestärken mehr unter der Haube des Elektromobils.

Geschichte

Mit Elektrokutsche auf Pilgerfahrt

Ralf Luther folgt den Spuren seines Vorfahren auf dem Lutherweg

Königstädten - 500 Jahre nachdem der Kirchenreformator Martin Luther auf seinem Weg von Worms nach Bad Liebenstein in Königstädten an der evangelischen Kirche Halt gemacht und von einem Wagen herunter gepredigt hatte, nimmt Ralf Luther den 225 Kilometer langen Weg ebenfalls auf sich. Viel komfortabler, als Martin Luther damals unterwegs war, nämlich mit einer modernen Elektrokutsche, die immerhin 25 Kilometer pro Stunde schafft.

Die Namensgleichheit des früheren Landrats von Schmalkalden ist nicht zufällig. Ralf Luther zeigt auf einen Stammbaum und kann nachweisen, dass er tatsächlich aus der Linie Martin Luthers stammt.

Als Martin Luther im April vor 500 Jahren den beschwerlichen Weg auf sich nahm, war die evangelische Kirche in Königstädten noch im Bau. Deshalb die Predigt von einem Wagen herunter. Luther war zuvor auf dem Reichstag in Worms mit der sogenannten Reichsacht belegt worden. Dort war er zwei Tage lang verhört und aufgefordert worden, sich von seinen Thesen loszusagen. Luther weigerte sich, seine Thesen aufzugeben und soll in Worms die berühmten Worte: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders", gesprochen haben.

Als Ketzer verurteilt

Schon zu Beginn des Jahres 1521 hatte Papst Leo X. den Kirchenbann über Luther verhängt, während König Karl V. auf Druck mehrerer Reichsfürsten Luther zunächst freies Geleit zum Reichstag nach Worms zusicherte, um ihm die Chance zu geben, sich von seinen damals als ketzerisch angesehenen Thesen zu distanzieren. Da Luther, der am 17. und 18. April 1521 angehört wurde, sich weigerte, verhängte der König einen Tag später die Reichsacht über den Reformator, die am 8. Mai offiziell erklärt wurde. Damit war jedermann aufgefordert, Luther gefangen zu nehmen und ihn nach Rom auszuliefern.

Auf seinem Weg nach Thüringen machte Luther auch bei seinen Eltern in Möhra Station. Als er von dort weiterzog, wurde er gefangengenommen und kam auf der Wartburg in Schutzhaft.

In Königstädten wurde Luthers Nachfahre unterdessen freundlich empfangen, mit Geschenken bedacht und für sein Engagement um den Lutherweg gelobt. Pfarrer Hans Jürgen Basteck, der seine Wurzeln ebenfalls in Thüringen hat, ist der Lutherbeauftragte für das Dekanat Groß-Gerau. Er bereitete der Delegation, gemeinsam mit einer Abordnung des Rüsselsheimer Stadtmarketings und des Kirchenvorstandes, einen herzlichen Empfang mit Zwiebelkuchen und Rüsselsheimer Wein.

Marcus Malsch, CDU-Landtagsabgeordneter aus Thüringen, hat die historische Reise über den Lutherweg, der inzwischen von Worms bis Bad Liebenstein ausgeschildert ist, organisiert. Er warb auch in Rüsselsheim dafür, den Weg einmal ganz oder in Teilen zu begehen. Unterwegs gibt es immer wieder Informationstafeln, auf denen die Stationen Luthers entlang des Weges erläutert werden.

Historisch belegt ist, dass Luther von Oppenheim aus den Rhein überquerte und bei Kornsand an Land ging. Von dort führte ihn sein Weg dann über Nauheim nach König-städten und von dort weiter über Mörfelden-Walldorf und Neu-Isenburg weiter nach Frankfurt.

Einladung nach Eisenach

Pfarrer Hans Jürgen Basteck hat Teile des Weges bereits mit dem Fahrrad erradelt und ist nach eigenen Worten von der Tour begeistert.

Ralf Luther, Marcus Malsch und ein Begleiter Malschs werden auf der Strecke mit der elektrischen Kutsche noch einige Stopps einlegen. Die Rüsselsheimer seien in der Region um Eisenach jederzeit willkommen, warb Malsch, denn mit einem Opel-Standort haben beide Städte eine Gemeinsamkeit.

Ralf Luther schaute sich nach einem kurzen Mittagsimbiss noch die Königstädter Kirche an, die allerdings nicht mehr so aussieht wie in früheren Jahren, denn sie wurde in der Bombennacht vom 13. auf den 14. April 1944 nahezu komplett zerstört, danach wieder aufgebaut und 1956 eingeweiht. Der Schmalkaldener Ralf Luther bittet auf seiner Reise die Passanten, Thesen von heute aufzuschreiben, um zu erkunden, wie die Menschen heute denken und was sie von einer Gesellschaft erwarten. In einem Jugendprojekt will er diese Thesen dann aufarbeiten.

Hans dieter Erlenbach

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