Arne Nielsen, Catrin Striebeck, Karoline Eichhorn und Jonas Landerschier (von links) haben als kreatives Kollektiv "J.A.C.K." die "Vodkagespräche" erarbeitet. FOTO: Christian Schoppe
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Arne Nielsen, Catrin Striebeck, Karoline Eichhorn und Jonas Landerschier (von links) haben als kreatives Kollektiv "J.A.C.K." die "Vodkagespräche" erarbeitet.

Kultur

"Mit Vodka werden andere Gespräche geführt"

Zwei renommierte Schauspielerinnen führen Vodkagespräche ist. Was genau das ist, verraten sie im Interview.

Die renommierten Schauspielerinnen Karoline Eichhorn und Catrin Striebeck führen am Freitag und Samstag "Vodkagespräche", geschrieben von Arne Nielsen und präsentiert vom Rüsselsheimer Theaterkollektiv "sechzig90", auf der Bühne des Adamshofs. Redakteurin Stella Lorenz hat mit den beiden Frauen gesprochen.

Frau Striebeck, Frau Eichhorn, Sie spielen in den "Vodkagesprächen" zwei Schwestern, die gerade ihren Vater verloren haben und im Dialog eine Menge an Familiengeschichte aufarbeiten. Was erwartet die Zuschauer am Freitag im Adamshof?

Eichhorn: Der Abend beginnt mit einem Film, der dort gedreht wurde, wo der Abend stattfindet - in einem wahnsinnig schönen Haus am Bodensee. Das ist die Einstimmung für die Zuschauer.

Striebeck: Dem schließt sich dann das an, was wir "gespielte Lesung" nennen. Die Form, die wir gewählt haben, ist praktisch ein Triptychon aus dem Film, unserer gespielten Lesung und der akustisch wahrnehmbaren Stimme des Vaters, gesprochen von Sepp Bierbichler. Der Film ist gleichzeitig auch unser Bühnenbild.

Frau Eichhorn, Ihr Mann Arne Nielsen hat das Theaterstück geschrieben. Wie entstand die Idee dazu?

Eichhorn: Die Idee kam uns bei der Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Freundin, die in diesem Haus am Bodensee stattfand. Wir wussten: Das ist so fantastisch, dass wir damit etwas machen müssen. Daraus entwickelte sich schnell die Frage nach dem Konflikt, der im Theaterstück behandelt wird: Wo ist der Konflikt am klarsten? In der Familie.

Striebeck: Die konkrete Geschichte hat sich nach und nach entwickelt. Der Ort hat uns inspiriert. Dieses Haus musste auf Leinwand gebannt werden. Wir haben auch gemeinsam überlegt, welche Figuren man braucht. Die Idee war eine gemeinsame, aber Arne Nielsen hat das Theaterstück geschrieben.

Wie schwierig ist es, nur zu zweit auf der Bühne eine Dynamik reinzubringen?

Eichhorn: Das geht ohne Probleme! (lacht) Man langweilt sich keine Sekunde. Wir haben es ja jetzt schon ein paar Mal gespielt. Zwei Stunden sind eine gute Zeit. Kürzer haben wir nicht übers Herz gebracht, länger wäre zu viel gewesen.

Striebeck: Man lacht und weint!

Eichhorn: Es ist nichts zu viel. Der Abend ist wahnsinnig amüsant und traurig.

Striebeck: ... und politisch ist er auch!

Inwiefern?

Striebeck: In dem Moment, wo man einen Familienkonflikt schildert, bleibt das Politische nicht aus. Durch die Generationen innerhalb einer Familie kommt es zu Reibung.

Eichhorn: Als Familienmitglied hat man meist von Geburt an seine Rolle. Es ist schwierig, sich aus dieser Rolle zu befreien. Solche Konflikte werden natürlich durch den Alkohol noch beflügelt.

Wie würden Sie Ihre beiden Figuren Edda und Freya charakterisieren?

Eichhorn: Edda ist in der Heimat geblieben, ist verheiratet, hat zwei Kinder. Sie ist quasi Hausfrau und hat sich um den Vater gekümmert. Ein bisschen ist sie Unschuld vom Lande.

Striebeck: Ich finde es spannender, nicht zu viel zu verraten - die Schwingungen zwischen den Schwestern sind von Abend zu Abend anders, obwohl es immer dieselben Texte sind! Ich würde Freya so beschreiben, dass sie ihre Heimat verlassen hat, um ein ganz anderes Leben zu führen. Wenn das nicht klappt, bleibt man oft dort verortet, wo man herkommt.

Wie ist das Verhältnis der beiden Frauen zueinander?

Striebeck: Es ist ein typisches Geschwisterding. Als Geschwister kann man ganz anders miteinander umgehen. Die Liebe wird nicht infrage gestellt, aber man kann einander bis aufs Blut angreifen.

Eichhorn: Das Tolle ist, dass man von einer Emotion in eine andere umschalten kann. Das Schöne an dem Abend ist, dass es ein Bad der Gefühle ist, die sich ständig ändern. Das macht es sehr freudvoll.

Beeinflusst Sie das auch persönlich?

Striebeck: Wir haben uns manchmal gefragt: Warum sind wir danach so wund? Man geht zwei Stunden lang miteinander ans Eingemachte, schenkt sich nichts. Das macht ja etwas mit einem. Es ist ein Ritt über den Bodensee! (lacht)

Ist das etwas, das Sie am Theaterspielen anders reizt als bei Fernsehproduktionen?

Striebeck: Was faszinierend ist, sind die Reaktionen des Publikums - aber auch, wie unterschiedlich wir reagieren. Wir hatten einmal zwei Vorstellungen kurz hintereinander. Das war ein Wahnsinn - danach haben wir uns sturzbetrunken gefühlt, obwohl wir ja nur Wasser auf der Bühne trinken! Da merkt man, welche Energie freigesetzt wird, wenn man live spielt.

Eichhorn: Während der Film steht und nicht verändert werden kann, ist ein Theaterabend immer anders.

Welche Bedeutung hat der titelgebende Vodka?

Eichhorn: Mit Vodka werden andere Gespräche geführt. Hatten Sie mal einen Vodkarausch?

Striebeck: So klar, wie der Vodka ist, genau so klar wird der Kopf.

Eichhorn: Die Betrunkenheit mit Vodka ist klar, nicht so dumpf wie bei Bier oder Wein.

Striebeck: Bei Wein fängt man an zu lallen, wiederholt sich. Das ist kein ergiebiger Rausch. Bei Vodka gibt es verschiedene Kurven: Kurzfristig ist man vielleicht sehr betrunken, dann redet man sich wieder nüchtern, bis die nächste Kurve kommt. Man bleibt dran und ist wach.

Eichhorn: Und es ist viel lässiger, "Vodkagespräche" zu sagen als "Weingespräche".

Vodka hat jedenfalls eine andere Härte, oder?

Eichhorn: Genau. Und diese Härte kann sich genauso gut in Emotion verwandeln und wahnsinnig gefühlvoll sein. Wir bringen übrigens auch Vodka aus einer Hamburger Manufaktur mit, mit dem wir gerne im Anschluss mit den Zuschauern anstoßen wollen!

Zwei Aufführungen im Adamshof

In "Die Vodkagespräche" reflektieren die Schwestern Edda (Karoline Eichhorn) und Freya (Catrin Striebeck) nach der Beerdigung ihres Vaters ihr Leben, ihre Familie und die Gesellschaft. Die gespielte Lesung mit den beiden renommierten Schauspielerinnen beginnt am Freitag, 16. Juli, und Samstag, 17. Juli, jeweils um 21 Uhr im Adamshof. Einlass ist um 20 Uhr. Tickets sind online (17 Euro) und an der Abendkasse (22 Euro) erhältlich. Weitere Infos: www.kultur-im-sommer.de.

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