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Harmonisch und mit viel Schwung begeistert der Gospelchor Bauschheim sein Publikum.

Gospelchor Bauschheim

Musik für die Seele

Wenn der Gospelchor Bauschheim an seiner Wirkungsstätte auftritt, ist die kleine evangelische Kirche stets bis auf den letzten Platz besetzt. Das war auch beim Konzert am Samstagabend nicht anders.

„Gospel ist Musik für die Seele“, konstatierte Pfarrerin Ellen Schneider-Oelkers und beschrieb damit treffend die Besonderheit eines Musik-Genres, bei dem die Lieder, wenn sie denn begeisternd und lebensbejahend vorgetragen werden wie vom Bauschheimer Gospelchor, stets von Gemeinschaftsgefühl und musikalischer Spontaneität geprägt sind.

Mit Louis Grote, dem neuen Chorleiter, wurde das Repertoire der 30 Sängerinnen und Sänger tüchtig entstaubt und aufpoliert. Man geht auf die Jagd in den Rock-, Soul- und Funk-Revieren und nimmt sich Anleihen beim Musical- und Popularbereich. Ein Instrumental-Trio mit Nicolas Ries (Piano), Franziska Aller (Bass) und Steve Nanda (Schlagzeug) sorgt dafür, dass nichts schief gehen kann, was rhythmische Präzision betrifft. Die Arrangements sind dem Chor auf den Leib geschneidert und halten so manche Überraschung bereit.

„Lord of Lord, He is wonderful“, tönt es mit viel Gospelpower, bevor Louis Grote seine Sänger geschickt durch verschlungene Kanon-Pfade lotst. Immer wieder übernehmen einzelne Chormitglieder Solopartien und zeigen dabei großes Engagement. Es gibt keinerlei Scheu vor Unbequemem und Diffizilem: Der „Gospel Train“ kommt auch im A-cappella-Gesang voll in Fahrt, und nach „Bridge over troubled Water“ und Ausschnitten aus „Sister Act“ besinnen sich die Choristen auf die sakralen Wurzeln der Gospelgesänge und zeigen in anspruchsvoller Mehrstimmigkeit, dass in dem Chor mehr steckt als unverbindlicher Spaßfaktor und bloßes Schielen nach geschmäcklerischen Effekten.

Hier präsentiert sich eine homogene Singgemeinschaft, bei der in jeder der 80 Konzertminuten die Freude am Musizieren mitschwingt. Nicht immer kontrollierte und somit unsaubere Intonation oder Defizite in der dynamischen Gestaltung und in der Balance mit den Instrumenten sind hier keine Katastrophe, sondern Nebensache angesichts der Fähigkeit der Sänger, Begeisterung zu vermitteln und in einer Weise zu swingen, die improvisatorisch frei und gelöst erscheint. Zum Besten des Abends, bei dem alle Titel auswendig gesungen wurden, gehörte die Zugabe, Leonard Cohens „Halleluja“, überraschend und wohltuend mit Solovioline anstelle von Schlagzeug und Bass. Hier zeigte der Chor, dass er auch leise singen und einen flächigen, runden und wohltönenden Klang erreichen kann.

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