Die Gitarrengruppe der Landfrauen mit Elli Langendorf (Landfrauen Worfelden) gibt zur Spendenübergabe im Obdachlosenheim ein kleines Konzert
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Die Gitarrengruppe der Landfrauen mit Elli Langendorf (Landfrauen Worfelden) gibt zur Spendenübergabe im Obdachlosenheim ein kleines Konzert

Landfrauen

Musik und Spende für Obdachlose

Eine Spende von 300 Euro hat die Gitarrengruppe Groß-Gerau Süd der Landfrauen bei einem Konzert übergeben. Zusammen mit dem Worfelder Pfarrer Richard Luh besuchte die Gruppe das Groß-Gerauer Obdachlosenheim.

Von MARC SCHÜLER

Bei einem gemeinsamen Konzert der Gitarrengruppe Groß-Gerau Süd und den Landfrauen aus Worfelden beim Mitmach-Gottesdienst in der evangelischen Kirche am 13. September sei der Betrag zusammengekommen, wie Elli Langendorf von den Worfelder Landfrauen erklärte.

„Die Kirche hat den in der Kollekte gesammelten Betrag natürlich noch aufgerundet“, berichtete Pfarrer Richard Luh. Noch am selben Abend überlegten die Landfrauen gemeinsam mit Luh, welchem sozialen Projekt diese Spende zukommen solle und entschieden sich schnell für das Obdachlosenheim in Groß-Gerau.

„Viele Obdachlose kommen im Pfarramt vorbei in der Hoffnung nach etwas zu Essen und ein paar Euro. Sie leiden auch unter ihrer Situation und dass sie daran nicht viel ändern können. Leider sind so Häuser wie dies hier in Groß-Gerau selten, daher unterstützen wir es seit Jahren regelmäßig“, so Luh.

Etwa 380 000 Obdachlose soll es in Deutschland geben – die Dunkelziffer der Nicht-Registrierten sei um einiges höher – sagte Luh weiter und mahnte, auch mal vor die eigene Haustür zu sehen. „Wir kümmern uns um Fremde, dürfen aber unsere eigenen Leute in Deutschland nicht vergessen. Dies ist ein Thema, was zu Unruhen führen könnte, wenn wir es außer Acht lassen“, so die Warnung des Geistlichen.

Dies bestätigte auch der Groß-Gerauer Sozialarbeiter Eberhard Paes, der von einzelnen Irritationen der Bewohner des Obdachlosenheims berichtete. „Man hört schon einmal, dass Bewohner des Heims hier drei Jahre lang immer wieder mit großen Anstrengungen versuchen, eine Wohnung zu finden und keine bekommen. Die Flüchtlinge hingegen bekommen sie sofort, das schürt Neid hier. Ich sage dann immer, sie sollen sich die betreffenden Wohnungen einmal ansehen oder die Wohnsituation mit mehreren Familien, die sich eine Wohnung teilen“, berichtete Paes, der aber den entstandenen Eindruck durchaus auch nachvollziehen kann.

18 Schlafplätze gibt es im Obdachlosenheim Groß-Gerau für sogenannte „Übernachter“, weitere acht Plätze im Wohnheim stehen zur Verfügung, während die betreffenden Personen versuchen, eine eigene Wohnung zu finden. Dies kann jedoch dauern, wie auch der Leiter der Einrichtung Klaus Engelberty weiß. „Die Menschen, die zu uns zur Übernachtung kommen, können bis zu 14 Nächte im Monat hier unterkommen. Im Winter, wenn der Frost kommt, können wir hier natürlich auch aufstocken, aber dennoch sind die Möglichkeiten begrenzt“, so Engelberty.

Hin und wieder käme es vor, dass auch ein Flüchtling diese Hilfe in Anspruch nähme. „Aber das ist ein Ausnahmefall, der auch nur für eine Nacht umzusetzen ist, wenn beispielsweise jemand hier in Groß-Gerau strandet und nicht mehr weiter kommt. Wir arbeiten da an einer Vereinbarung mit dem Kreis Groß-Gerau, denn eigentlich sollen sie ja in die Gemeinschaftsunterkünfte hier im Ort gehen“, erklärte der Leiter.

Eine der Hauptaufgaben der Mitarbeiter im Haus ist auch die gestückelte Auszahlung von Hartz IV zu Tagessätzen von 13.30 Euro. „Da kann es hier schon einmal sehr voll werden. Etwa 25 Personen kommen regelmäßig, vor dem Wochenende sind es mehr, wenn Feiertage hinzukommen, können es sogar bis zu 40 Personen sein, die sich hier bis zu fünf Tagessätze abholen“, sagte Engelberty.

Für die Gitarrengruppe Groß-Gerau Süd und deren Leiterin Traudel Koch war der Besuch im Obdachlosenheim eine Premiere und eine ganz neue und interessante Erfahrung. Die Landfrauen hatten bisher zu dieser Einrichtung keine Berührungspunkte und wurden durch den Besuch auf die Not der Menschen dort aufmerksam.

Sehr freundlich empfingen die Bewohner die Landfrauen und erfreuten sich am kurzen Konzert, das Koch und ihre Mitstreiterinnen Gisela Nerger, Irma Graf und Eli Langendorf für sie mit Gitarre und Akkordeon gaben. „Ein bisschen Frieden“, sang das Quartett und bekam dafür viel Applaus.

Gut gebrauchen können die Verantwortlichen die Spende, wollen sie doch den Bewohnern gerne etwas mehr anbieten als nur ein Dach über dem Kopf.

„Durch Spenden wie diese können wir dann auch etwas für die Freizeitgestaltung anbieten. So ist es ein Wunsch der Bewohner hier gewesen, die Ausstellung Körperwelten in Mainz zu besuchen. Das lässt sich mit finanzieller Unterstützung wie dieser dann auch verwirklichen“, freute sich Paes über die Spende.

Er und die weiteren Mitarbeiter im Obdachlosenheim des Diakonischen Werks hoffen, das dieser Besuch der Landfrauen nicht der letzte gewesen ist. „Leider ist es eben so: die Obdachlosen in Deutschland haben keine oder nur eine schlechte Lobby“, wirbt Pfarrer Richard Luh weiterhin für die Unterstützung der Einrichtung, die er seit Jahren leistet.

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