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Die Moslemischen Pfadfinder und Staatssekretär Jo Dreiseitel machen den Pfadfindergruß.

Moslemische Pfadtfinder

Muslime machen den Pfadfindergruß

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Hoher Besuch für die Moslemischen Pfadfinder Rüsselsheim: Staatsminister und Ex-Bürgermeister Jo Dreiseitel ließ sich die Arbeit der Ortsgruppe erklären.

Warm war es in Raum 110 des Rathauses Rüsselsheim. Doch was ein echter Pfadfinder ist, steckt Hitze und stickige Luft locker weg. Und so warteten die gut 20 Anwesenden der Moslemischen Pfadfinder ohne erkennbaren Schweißausbruch in ihren türkisfarbenen Hemden und den blau-rot-weißen Halstüchern auf die Worte von Staatssekretär Jo Dreiseitel (Grüne).

Dieser war in seiner Funktion als Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung gekommen, um sich über die Arbeit der 2010 gegründeten Bewegung zu informieren. Zunächst sprach Naima Hartit, Rüsselsheimerin und stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundes Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen in Deutschland (BMPPD).

Sie geißelte die Terroranschläge von Brüssel und Paris, durchgeführt von „manipulierten Jugendlichen“. „Der BMPPD setzt sich mit ganzer Kraft diesem krankhaften Denken entgegen“, so Hartit. Dreiseitel begrüßte die Anwesenden mit dem weltweit bekannten Pfadfindergruß. Die drei erhobenen Finger, erklärte eine Pfadfinderin, stünden für den Respekt vor sich selbst, den Mitmenschen und vor Gott. Der Daumen, der auf dem kleinen Finger aufliegt, zeige, dass der Große stets auf den Kleineren aufpassen müsse.

Dreiseitel, der sechs Jahre lang Bürgermeister von Rüsselsheim war, betonte seine Freude darüber, das sich an seiner alten Wirkungsstätte ein so starker Pfadfinder-Stamm entwickelt habe. „Sie leisten vorbildliche Arbeit“, lobte er. Im Anschluss las Hakim El Khoumssi aus der Charta des Vereins vor. Darin heißt es unter anderem, dass man sich für eine Wir-Kultur einsetze, für Chancengleichheit stehe und den Dialog zwischen den Religionen anregen wolle.

Die in Leder gebundene Charta wurde Dreiseitel unter Applaus übergeben. Der Staatssekretär versprach, er werde das Programm mit den elf Punkten „durchlesen und beherzigen“.

Lina Sabatella stellte den Verein vor. „Wir haben inzwischen mehr als 300 Mitglieder in vier Bundesländern“, so die hauptamtliche BMPPD-Referentin. Ein Auftrag laute, die Radikalisierung von Jugendlichen zu verhindern. Doch dafür, legte der Verein den Finger in die Wunde, brauche es Geld. Die Stelle von Sabatella werde nur bis Ende des Jahres durch eine Stiftung finanziert.

Yassin Hartit, Leiter des 23-köpfigen Stammes Rüsselsheim erzählte Dreiseitel von dem Aufwand, den jeder Jugendleiter betreibe. Der Staatssekretär zeigte Verständnis. Über eine mögliche finanzielle Unterstützung durch das Land Hessen tauschten sich beide Parteien ohne Presse aus.

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