Nach Bayern ist es nicht weit

Der CDU-Stadtverband feiert am Tag der Deutschen Einheit mit Hessens Finanzminister Thomas Schäfer – bei einem Frühschoppen der hessisch-bayerischen Art.

Noch sitzt der Finanzminister im Auto. „Seid’s gut drauf? Wir sind die Gaudimaker“, kündigt derweil Sänger Alexander Schadt seine Zwei-Mann-Kapelle an. Die Bedienung serviert die ersten Biere. Im Brauhaus in Haßloch herrscht am Tag der Deutschen Einheit schon vormittags Festzeltatmosphäre. Schuld ist die Hitzewelle in diesem Jahr. Und der Landtagswahlkampf.

Wegen der anhaltend heißen Temperaturen wollte die Rüsselsheimer CDU kein Sommerfest feiern, wie sie es sonst immer tut, sondern ihre Veranstaltung lieber in den Oktober verlegen, erklärte Parteivorsitzender Thorsten Weber in Lederhose. Und weil die Landtagswahl Ende Oktober bevor steht, hat man dem Wahlkampf so auch noch einen weiteren Termin geschenkt. Die politische Prominenz aus Wiesbaden sollte mitfeiern. Bei einem hessisch-bayerischen Frühschoppen. Eingeladen wurde Parteifreund und Hessens Finanzminister Thomas Schäfer .

Nicht wenige Gäste waren denn auch in typischer Oktoberfesttracht gekommen. Die Dirndl saßen bei den Damen wie angegossen – Sabine Bächle-Scholz, Landtagsabgeordnete und Spitzenkandidatin für den Wahlkreis Groß-Gerau, hält mit ihrem Stolz nicht hinter den Berg, dass das Kleid nach einem Jahr noch passt.

Das hessisch-bayerische Motto passt zum Tag der Deutschen Einheit. Denn immerhin hatten die beiden Bundesländer eine gemeinsame Grenze mit der früheren DDR, stimmt Weber zu. Er denkt aber auch an die bevorstehenden Landtagswahlen in Hessen und Bayern. „Und es ist nicht weit nach Bayern“, meint er lachend. Dann erreicht der Finanzminister den Frühschoppen.

„Ein Prosit der Gemütlichkeit“, ruft Sänger Schadt aus dem Hintergrund und fordert zum Tanz auf. Das erste Tanzpaar bekomme das Bier aufs Haus und der Finanzminister bezahle. Es wird geschunkelt. Dem Minister schmeckt das Bier und er weist die Bedienung darauf hin, dass er dabei bleibt. Übrigens ist er der fröhlichen Oktoberfeststimmung zugeneigt, dies auch ohne Trachtenkleidung, sagt er. Jeden Tag müsse das aber auch nicht sein.

Rund 40 Minuten spricht er zur CDU und ihren Gästen. Erzählt, er wollte als 16-Jähriger mithelfen, dass die Mauer wegkommt. Dass der Fall des Eisernen Vorhangs bis dahin unterdrückte Konflikte zum Vorschein brachte, dass bestehende Ordnungssysteme explodiert sind. Dass sich Leute, die von der pluralistischen Welt fast erschlagen wurden, nach einer einfachen Welt sehnen. Am 3. Oktober könne man sich jedoch der Demokratie bewusst werden.

Ein bisschen aktuellen Landtagswahl gibt es auch noch. Für Schäfer stehe außer Frage, Gespräche gebe es weder mit den Linken noch mit der AfD. Und zum Schluss geht es noch mal um das Bier. Falls sein Gerstensaft inzwischen abgestanden ist, könne er sich über das Fass freuen, mit in Haßloch gebrauten Bier, frisch und kalt, bedankt sich Weber beim Finanzminister.

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