Fortschritt ist Geschichte

Aus nach 91 Jahren: Geflügelzüchter finden keinen neuen Vorstand

Der Rassegeflügel-, Vogelzucht- und -schutzverein Fortschritt hat seine Auflösung beschlossen. Damit ist das letzte Kapitel des seit 91 Jahren bestehenden Vereins geschlossen.

Fortschritt hat sich aufgelöst. Bereits bekannt war, dass sich die Vorsitzende Hannelore Arlt und die Geschäftsführerin Johanna Klepper bei der Jahreshauptversammlung des Rassegeflügel-, Vogelzucht- und -schutzvereins nicht mehr zur Verfügung stellen. Weil kein Nachfolger gefunden wurde, stand jetzt der Beschluss über die Auflösung des Vereins auf der Tagesordnung.

Die Mehrheit der Mitglieder erkennt keinen Sinn im Fortbestand des Vereins. Die Gründe sind klar: Es gibt zu wenig Züchter, und es ist kein Nachwuchs in Sicht. Neun Mitglieder wollten die Auflösung, zwei waren dagegen, fünf enthielten sich. Alle waren sich danach einig: Den Verein gibt es nicht mehr. „Somit haben wir die Auflösung beschlossen“, stellte Arlt fest.

Nachdem jedoch ein Gegner der Auflösung den Saal verlassen hatte, merkte Arlt, dass eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder für einen Beschluss notwendig ist. Die Versammlung war sich aber im Unklaren, ob die Enthaltungen mitzuzählen sind. Nach einiger Diskussion sollte sicherheitshalber noch einmal gewählt werden. Jetzt war das Ergebnis auch mit den Enthaltungen eindeutig: Zwölf Ja-Stimmen standen nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen gegenüber.

Arlt versicherte gleichwohl, sich über die Rechtsgültigkeit der Beschlussfassung zu erkundigen. Bereits am Nachmittag hatte sie bei ihrer Recherche über Vereinsrecht erfahren, dass Enthaltungen nicht mitzuzählen sind. „Danach reicht wohl die erste Abstimmung für die Auflösung des Vereins“, sagte sie. Vom Vorsitz zog Arlt sich aus persönlichen Gründen zurück. Schon bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember hatte sie den Verein vor die Wahl gestellt, ihre Zuchtparzelle zu kaufen. Dann würde sie als Vorsitzende weitermachen, lautete ihr Angebot.

Darauf ging der Verein jedoch nicht ein. Inzwischen hat sich zudem ergeben, dass sie sich in den nächsten Jahren vermehrt im Ausland aufhalten wird. Klepper indes kandidierte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.

Vorschläge aus dem Kreis der Versammlung, sich einem anderen Verein als Abteilung anzuschließen oder gar mit dem Kaninchenzuchtverein zu fusionieren, wurden abgelehnt. „Was bringt das, wenn sich niemand um die Anlage kümmert“, merkte etwa Arlt an. Denn diese Aufgabe bliebe meist an ihr hängen.

Der Rassegeflügel-, Vogelzucht- und -schutzverein wurde 1926 gegründet. Viel mehr als die aktuellen 60 Mitglieder hat er nie gezählt. Vor sechs Jahren befand sich der Verein schon einmal in einer ähnlichen Situation. Damals verhinderten Arlt und Klepper mit ihren Kandidaturen die Auflösung. Auf dem Vereinsgelände wurden vor einigen Jahren Zuchtparzellen angelegt. Zuletzt gab es noch drei Geflügelzüchter und einen Vogelzüchter.

Jetzt steht die Vereinsabwicklung an. Sachanlagen gehen laut Satzung für einen gemeinnützigen Zweck an die Stadt. Arlt hofft, dass die Stadt die Zuchtanlagen dann an die Züchter vermietet. Der Verein verfügt noch über 20 000 Euro. Was damit passiert, ist offen. Arlt und Klepper wollen darüber jetzt mit der Stadt sprechen.

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