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Die Schüler an der Schillerschule in Groß-Gerau fahren nach Unterrichtsende nach Hause. Doch damit beginnt für berufstätige Eltern das Problem, weil nur private Initiativen eine Nachmittagsbetreuung anbieten.

robleme bei der Schulkindbetreuung

Nach den Kitas kommt der große Bruch

Die Schulkindbetreuung stößt im Kreis auf viel Kritik. Politiker und Elternvertreter fordern ein neues Konzept.

Es ist ein Problem, und daran wird sich wohl auch in der näheren Zukunft nichts ändern: Die Schulkindbetreuung bleibt Stückwerk. Wenn sich nicht von Eltern getragene Fördervereine auf freiwilliger Basis der Betreuung von Grundschülern am Nachmittag annehmen, geschieht praktisch nichts. Mit dieser Situation befasste sich der Familien- und Sozialausschuss am Donnerstagabend im historischen Rathaus: Zwar nahm er einen umfangreichen Bericht von Sozialdezernent Thomas Krambeer zur Kenntnis, doch zu einem Beschluss kam es nicht.

Hintergrund: Die SPD-Fraktion hatte in der letzten Stadtverordnetensitzung einen Antrag eingebracht, die Stadt möge eine Konzeption für die Schulkindbetreuung erstellen und sich in dieser Frage stärker engagieren. Mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit von Kreis und Land war der Antrag von der Mehrheit aus CDU/Grünen und Kombi abgelehnt worden. Gleichwohl sollte den Mitgliedern des Familien-Ausschusses die Situation dargestellt werden.

Das war nun am Donnerstagabend der Fall. Ergebnis: Die Stadt sorgt mit ihren umfassenden Angeboten im Kitabereich für eine zufriedenstellende Nachmittagsbetreuung, die es berufstätigen Eltern erlaubt, ihrer Beschäftigung nachzugehen. Doch sobald der Nachwuchs in die Grundschule wechselt, kommt der große Bruch.

Zwar schreibe das Kultusministerium auch an Grundschulen Ganztags-Unterricht vor, lässt dafür aber die Auswahl in drei unterschiedlichen Stufen zu. Doch in die Praxis umgesetzt wurde dies an keinem einzigen Schulstandort. Es bedürfe der Zustimmung vieler Beteiligter, hieß es: Schulträger, Eltern, Lehrer, setze nicht zuletzt, Räumlichkeiten für die Nachmittagsbetreuung voraus, den Einsatz pädagogischer Fachkräfte oder die Ausgabe einer Mahlzeit.

Dennoch gibt es einige gute Beispiele, die auf Elterninitiative zurückgehen. Thomas Krambeer schilderte folgende Situation: An der Schillerschule gibt es einen Förderverein, der augenblicklich „Auf Esch“ 90 Kinder betreut. Es fehlen Räume für 30 weitere Kinder, die im neuen Schuljahr zur Verfügung gestellt werden müssten. Im Schulteil Jahnstraße werden 40 Kinder betreut. Zehn weitere stehen wegen der räumlichen Enge auf der Warteliste. In der Nordschule fehlen 20 Plätze. Weil es die Schulkonferenz 2015 jedoch abgelehnt hat, Ganztagsschule zu werden, kann der Kreis weder Mensa noch Betreuungsräume bauen. In der Grundschule Dornheim läuft es besser: Hier kann die Nachfrage bis 2019 erfüllt werden. Gleiches gilt auch für die Grundschule Wallerstädten.

Nach langer Diskussion nahm Vorsitzender Bernd Wiederhold (Grüne) schließlich die Anregung entgegen, alle Beteiligten zu einem „runden Tisch’“ zu bitten, bei dem Möglichkeiten ausgelotet werden sollen, wie Fortschritte erzielt und die Situation verbessert werden kann.

Aufmerksam verfolgt wurde die Diskussion von Mitgliedern des Stadtelternbeirates. Insbesondere die Schulelternbeiräte sehen in einer Erklärung „dringenden Handlungsbedarf“ und fordern die Übernahme politischer Verantwortung für ein Gesamtkonzept zu besserer Nachmittagsbetreuung.

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