Probefahrt im neuen Lastenrad: "Carré-Mobility"-Gründerin Franziska Weiser (vorne) und Ariane Krüger, Referentin im Büro von Bundestagsabgeordneten Stefan Sauer, steigen auf. Im Hintergrund der neue, batteriebetriebene E-Corsa. Bald sollen auch die Bewohner am Böllenseeplatz die Fahrzeuge bewegen können.
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Probefahrt im neuen Lastenrad: "Carré-Mobility"-Gründerin Franziska Weiser (vorne) und Ariane Krüger, Referentin im Büro von Bundestagsabgeordneten Stefan Sauer, steigen auf. Im Hintergrund der neue, batteriebetriebene E-Corsa. Bald sollen auch die Bewohner am Böllenseeplatz die Fahrzeuge bewegen können.

Mobilität

Nachbarschafts-Projekt nimmt Fahrt auf

  • Olaf Kern
    VonOlaf Kern
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Die ersten Fahrzeuge für "Carré Mobility" am Böllenseeplatz sind eingetroffen. Bald können sie auch genutzt werden.

Rüsselsheim -20 Cent pro Minute soll das Auto pro Minute kosten, 10 Cent pro Minute, wenn es abgestellt ist, während Ausleiher vielleicht gerade damit ihren Einkauf erledigen und dafür zum Großmarkt gefahren sind. Damit liege man im "guten Mittelfeld", was die Benutzungsgebühr des Mobilitätskonzepts von "Carré Mobility", wie Gründerin Franziska Weiser bei einem Ortstermin am Böllenseeplatz sagt.

Etwas feierlich geht es an diesem Vormittag zu. Viele Gäste sind gekommen. Sie alle haben an dem neuen Mobilitätskonzept des für ihre Idee bereits ausgezeichneten Start-up-Unternehmens partizipiert. Es ist ein Projekt von Rüsselsheimern für Rüsselsheimer, wie Franziska Weiser nicht müde wird zu betonen, obwohl natürlich wesentliche Impulse aus ihrer Denkfabrik stammen. Nach und nach spann sich allerdings ein Netz aus Partnern. Die Gewobau und das Nachbarschafts- und Familienzentrum am Böllenseeplatz gehören dazu. Das Autohaus Jacob steuerte den batteriebetriebenen Corsa bei. Von Herrmanns Radhaus kommt das komfortabel ausgestattete Lastenrad. Das Projekt wird von Anfang bis Ende wissenschaftlich durch das Research Lab for Urban Transport (ReLUT) von der Frankfurt University of Applied Sciences begleitet.

Ladestation fehlt noch

Vom Böllenseeplatz aus soll der nagelneue weiße Opel, der gerade erst ausgeliefert wurde, künftig zu mieten sein. Ebenso wie ein Lastenfahrrad, das zusammen mit dem Auto die ersten Fahrzeuge des Projekts sind. Weitere sollen hinzukommen. Wann es genau losgeht mit dem Ausleihen, steht noch nicht fest. Es fehlen die Lade- und Abstellstationen. Für das Fahrrad ist ein Platz auf dem Hof des Nachbarschaftszentrums angedacht. Das Auto soll künftig vor dem Trafo-Häuschen des Nachbarschaftszentrums an einer Ladestation einstöpseln. Von der Stadt wurde das Aufstellen der Säule mit zwei Ladepunkten vor anderen "vorgezogen", wie Magnus Schäfer von der Stadt Rüsselsheim einwirft. Mit Inbetriebnahme der bereits errichteten Ladesäulen an der Mainzer Straße Ende August soll auch die Station am Böllenseeplatz ans Netz gehen, versichert er. So zumindest der Plan.

Die von "Carré Mobility" konzipierte App, über die alles gesteuert wird, bekommt damit eine weitere freigeschaltete Funktion: das Selbstfahren. Bislang war nur der Bereich "Mitbringen" schon in der Praxisphase. Einmal registriert, kann man dort seine Einkaufsliste hinterlassen und jemanden suchen, der einem Nachbarschaftshilfe leistet. Ein gewünschter Nebeneffekt: Gleichzeitig kommen Nachbarn so wieder in Kontakt, die möglicherweise sonst in der Anonymität verschwinden würden.

"Es werden noch viel mehr"

Über 50 Menschen haben die App seit Start in diesem Frühjahr auf ihr Handy geladen. "Es werden noch viel mehr", ist sich die in Rüsselsheim gebürtige Jungunternehmerin Franziska Weiser sicher. Sie stellt gleichzeitig einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Sharing-Anbietern heraus: Bei "Carré Mobility" befinden sich die Fahrzeuge direkt vor der Haustür in der Wohnsiedlung. Nutzer müssen nicht erst umständlich andere Standorte irgendwo im Stadtgebiet aufsuchen, um sich einen fahrbaren Untersatz zu holen.

In der Böllenseesiedlung soll das Projekt seinen Anfang nehmen. Die Verantwortlichen sehen Potenzial. Rund 900 Wohnungen besitzt die Gewobau hier. Das Nachbarschaftszentrum Böllensee will für die App werben. Mit im Boot des Projekts sind aber auch die Nassauische Heimstätte und die Bauverein AG. Stefan Sauer, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Kreis Groß-Gerau, der sich ebenfalls an diesem Tag ein Bild am Böllenseeplatz macht, blickt schon in die Zukunft. Auch Ginsheim-Gustavsburg habe einen stark baugenossenschaftlichen Anteil an Wohnungen. "Carré Mobility" könnte ein Gewinn für den gesamten Kreis sein. "Überall da, wo man wohnt." olaf kern

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