Franziska Weiser will Nachbarn zusammenbringen. foto: privat
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Franziska Weiser will Nachbarn zusammenbringen.

Mobilität

Nachbarschaftshilfe am Böllenseeplatz

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Das Gute liegt manchmal so nah: Die Rüsselsheimerin Franziska Weiser will Nachbarn zusammenbringen. Dafür hat sie eine App entwickelt. Die erste Info-Veranstaltung zum neuen Projekt von "Carré Mobility" findet am 30. April statt.

Rüsselsheim -"Ed ist Rentner und nicht mehr gut zu Fuß, weshalb er sein Auto verkauft hat. Das mit dem Einkaufen wird auch immer mehr zum Problem. Jess hat in ihren Semesterferien Zeit und möchte sich in die Gemeinschaft einbringen. Wenn damit auch noch ein bisschen was zu verdienen ist, wäre es umso besser." Ein Szenario, das beispielhaft zeigen soll, wie es gehen könnte.

So steht es auf der Internetseite von Gründerin Franziska Weiser, die eine App entwickelt hat, die nichts geringeres möchte als Menschen wie Ed und Jess zusammenzubringen und gleichzeitig ein neues Verständnis von Mobilität in den Alltag zu holen.

Die Idee ist so simpel wie gut: Über die App von "Carré Mobility", so der Name des Unternehmens, das 2019 gegründet wurde, sollen Menschen eines Stadtgebiets möglichst einfach nachhaltige Mobilität nutzen und an einer Gemeinschaft teilhaben können.

Der Unterschied zu bereits vielen Sharing-Angeboten für Roller, Fahrräder und Autos besteht darin, dass sie sich meist auf zentrale Plätze in einer Stadt konzentrieren. Franziska Weiser, gebürtige Rüsselsheimerin, will dagegen ihr Angebot in den Wohnvierteln installieren. Die Unternehmerin wurde dafür bereits mit viel Vorschusslorbeeren ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Deutschen Mobiliätspreis.

Einkaufsliste ausfüllen

Mit dem Böllenseeviertel als "Pilotquartier" soll es jetzt Ende April endlich in der Praxis losgehen. Corona hatte auch hier die Hände im Spiel. Die Unternehmerin startet anders als ursprünglich vorgesehen mit einem Bereich ihres Vorhabens, der eigentlich erst später folgen sollte, jetzt aber vorgezogen wird: Beim "Mitbringen" geht es um die nachbarschaftliche Hilfe. Menschen, die nicht mehr sehr mobil sind, können andere bitten, ihnen Lebensmittel mitzubringen, oder Bewohner eines Viertels, die ohnehin gerade einen Einkauf geplant haben, können den Nachbarn anbieten, ihnen Milch, Butter und andere Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen.

Wie funktioniert es? "Ed öffnet die Carré-App und füllt im Bereich "Mitbringen" seine digitale Einkaufsliste aus. Jess sieht das Gesuch von Ed. Da sie sowieso einkaufen muss, klickt sie auf ,Ich kann das mitbringen'. Über die In-App Chat-Funktion klären beide die letzten Fragen, dann kann es losgehen. Nach dem Einkauf gibt Jess wie vereinbart die Einkäufe bei Ed ab. Dort plaudern beide noch etwas über Tee und Gebäck - Ed ist glücklich, Jess ist glücklich. Nach der erfolgreichen Einkaufstour bekommt Jess als zusätzliche Belohnung ein kleines finanzielles Dankeschön." Wie hoch genau, das wird gestaffelt festgelegt, und bemisst sich an der Höhe des Einkaufsbetrags, soll aber nicht höher als acht Euro sein - rein theoretisch jedenfalls. Dafür müsste man schon einen Einkauf für mehrere hundert Euro getätigt haben.

Vorstellung am 30. April

Um den Anwohnern am Böllenseeplatz das Konzept genauer vorzustellen, erste Hemmungen abzubauen und Nachfragen zu beantworten, sind mehrere Informationsveranstaltungen geplant, die erste am Freitag, 30. April, im neuen Nachbarschaftszentrum am Böllenseeplatz, das auch Partner des Projekts ist, genauso wie beispielsweise auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau.

Ab 16 Uhr will dort Franziska Weiser mit Vertretern des Nachbarschaftszentrums das Projekt präsentieren. Wegen Corona ist die Teilnehmerzahl zunächst begrenzt.

Anmelden kann man sich ab sofort unter der E-Mail-Adresse info@Carre-Mobility.de. Im Sommer soll dann auch der ebenfalls große Bereich des "Selbstfahrens" am Böllenseeplatz über die App freigeschaltet werden. In der Kategorie "Selbstfahren" stellt Carré Mobility dem Viertel dann Autos, (Lasten-)Fahrräder oder Roller bereit, die ausgeliehen werden können. Zum Programm gehört auch die Funktion "Mitfahren", bei der sich Autobesitzer registrieren und gegen eine Aufwandsentschädigung Fahrten anbieten können. Wegen der Corona-Pandemie ist dieses Angebot allerdings erst einmal in den Hintergrund gerückt. ok

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