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Mit einem Stadtjugendring könnten die Rüsselsheimer Vereine die Verteilung des Fördergelds für die Jugendarbeit selbst verwalten. Doch ob sie das auch wollen, darüber sind die Vereine uneins.

Förderung

Nachwuchs mangelhaft? Nicht überall!

Die Jugendförderung der Stadt hatte die Vereine zu einem Austausch über die Kinder- und Jugendarbeit geladen. Die verschiedenen Vereine möchten in Zukunft enger zusammenarbeiten.

Von JAN STICH

Während draußen der Nachwuchs des SC Opel trainierte, berieten die Erwachsenen der Rüsselsheimer Vereine im Stadion am Sommerdamm darüber, wie sie in der Nachwuchsarbeit besser zusammenarbeiten könnten. Entgegen der häufig geäußerten Meinung, den Vereinen liefen die Mitglieder davon, fielen die Rückmeldungen am Donnerstagabend höchst unterschiedlich aus. „Ich vertrete 7000 Jugendliche aus 56 Vereinen“, sagte Monika Balzer vom Sportbund selbstbewusst. Auch bei Feuerwehren und THW laufe die Jugendarbeit gut, berichteten die Vertreter. Einige Vereine gehen mit ihren Angeboten mittlerweile an Schulen, so leitet der Rüsselsheimer Ruderklub zum Beispiel Hockey-AGs an den Grundschulen.

Große Schwierigkeiten hat dagegen zum Beispiel die Wichern-Gemeinde. Dort hätte beinahe das Krippenspiel abgesagt werden müssen, weil sich lange Zeit gar keine jungen Menschen mehr fanden. Bei anderen wiederum ist die Jugend grade im Aufbau. „Wir haben aktuell nur eine Kindergruppe“, berichtete Christian Golka von den Naturfreunden, „ansonsten sind wir alle eher alt und hoffen, dass aus der Kindergruppe eine Jugendgruppe wird.“

Mehr als ein Dutzend Vereine aus allen Stadtteilen waren zusammengekommen. Diejenigen, die sich Hilfe beim Aufbau ihrer Jugendgruppen erwartet hatten, wurden jedoch enttäuscht. Der Rest des Abends richtete sich nämlich primär an Vereine, die bereits über eine aktive Jugendarbeit verfügten.

Denn nach der Neufassung des Kinderschutzgesetzes von 2012 sind Vereine mit Kinder- und Jugendgruppen mittlerweile verpflichtet, ein eigenes Schutzkonzept zu entwickeln und eine Vereinbarung zum Kinderschutz mit der Stadt zu treffen. Aus diesem Grund hatte die Stadt eine Mustervereinbarung vorbereitet und den Vereinen vorgestellt. Darin verpflichteten sich ein Vereine, keine einschlägig vorbestraften Personen in der Jugendarbeit zu beschäftigen.

Um dies zu gewährleisten, müssen sich die Vereine regelmäßig polizeiliche Führungszeugnisse ihrer Gruppenleiter vorlegen lassen und dies entsprechend dokumentieren. „Das Gesetz verlangt das nicht nur von der Stadt, sondern auch von Ihnen“, stellte Kerstin Voegtle von der städtischen Jugendförderung klar. Sollte es zu einem Fall von Kindesmisshandlung in der Jugendarbeit kommen und der Verein habe diese Schritte vorher nicht erfüllt, könnte dies für die Vorstände schwerwiegende Konsequenzen haben, warnte Voegtle.

Aus den Vereinen kam der Wunsch, sich in Zukunft stärker miteinander zu vernetzen. Ein letztes Treffen dieser Art sei fast zehn Jahre her, erinnerten sich die älteren Teilnehmer. In Zukunft möchten sie jährlich zusammenkommen.

Ob diese Zusammenarbeit auch unter dem Dach eines Stadtjugendringes ablaufen könnte, blieb noch offen. Die Vertreter der Kirchenjugenden warben für eine Neugründung dieses Gremiums gemeinsam mit der Kreisjugend Groß Gerau. „Das ist was ganz Tolles“, pflichtete Fouad Hartit vom Bund muslimischer Pfadfinder bei, der im Wiesbadener Stadtjugendring sitzt. „Die einzelnen Vereine müssen aber auch mitarbeiten.“ Der Stadtjugendring gäbe den Vereinen unter anderem die Möglichkeit, die bisher über die Stadt geregelten Förderfinanzen selbst zu verteilen.

Zunächst waren die Reaktionen unter den übrigen Vereinsvertretern jedoch eher verhalten. Einig waren sie sich aber darüber, dass Monika Balzer sie auch in Zukunft im Jugendhilfeausschuss der Stadt vertreten sollte.

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