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Menschenleere Straßen und Fußgängerzonen: Solche Bilder wie hier in München drohen wegen der Ausgangssperre von heute an auch im Kreis Groß-Gerau. Foto: Peter KNeffel/dpa

Corona

Kreis Groß-Gerau: Warnstufe „Schwarz“ – Nächtliche Ausgangssperre kommt

Die Inzidenzwerte lagen in den vergangenen zwei Tagen bei mehr als 200. Jetzt ist es so weit: Der Verwaltungsstab des Kreises setzt das Landeskonzept zur Ausgangssperre um. Was bedeutet das?

Groß-Gerau – Der Kreis Groß-Gerau wird eine kreisweite nächtliche Ausgangssperre verfügen, die am Freitag (10.12.2020) um 21 Uhr in Kraft treten soll. Das kündigte Landrat Thomas Will (SPD) gestern nach dem täglichen Corona-Briefing an. „Bereits am Mittag haben wir mit 116 neuen Infektionsfällen die Zahl aus dem Vergleichszeitraum erreicht. Das bedeutet, dass auch am Freitag das Pandemiegeschehen im Kreis den dritten Tag in Folge über dem Wert von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche liegen wird. Und nach einem Erlass des Landes müssen wir dann zu diesem Mittel greifen“, sagte Will gestern. Am Freitagvormittag, wenn die offizielle Statistik des Robert-Koch-Instituts vorliege, solle die Verfügung veröffentlicht werden.

Allgemeinverfügung in Groß-Gerau ab Freitag: Ausgangssperre wird kommen

Konkret bedeutet das für die 275 900 Menschen in den 14 Kommunen des Kreises: Für sie gilt von Freitag an in der Zeit von 21 bis 5 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre. In dieser Zeit ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum grundsätzlich untersagt. Eine Durchfahrt durch den Kreis ist jedoch zulässig. Ausnahmen für die Ausgangssperre gibt es etwa aus beruflichen Gründen, wegen notwendiger medizinischer Versorgung oder auch zur Wahrnehmung des Sorgerechts. Die neue Verfügung umfasst weiterhin ein ganztägiges Alkoholverbot im öffentlichen Raum. „Diese Allgemeinverfügung soll vorerst bis zum 22. Dezember gelten. Eine Verlängerung bleibt aber vorbehalten“, so Will. Sobald die Inzidenz fünf Tage lang unter dem Wert von 200 liege, müssten die Maßnahmen wieder aufgehoben werden.

Grundlage der Allgemeinverfügung ist das neue Eskalationskonzept des Landes zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Hessen, welches das Corona-Kabinett kürzlich um eine weitere Stufe ergänzt hat. Um eine effektive Pandemiebekämpfung zu gewährleisten, verlangt das Land ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen an drei aufeinanderfolgenden Tagen „zusätzliche Maßnahmen, unter anderem Ausgangssperren“. Am Donnerstag lag der Kreis Groß-Gerau den zweiten Tag in Folge nach der maßgebenden Zahl des Robert-Koch-Instituts bei einem Inzidenzwert vom mehr als 200. 85 Menschen sind mit Stand vom Mittwoch (9. Dezember) im Kreis an und mit Corona gestorben.

Corona in Groß-Gerau: Ansteckungen meistens im privaten Bereich

„Seit vielen Wochen beobachten wir mit Sorge ein diffuses Infektionsgeschehen im Kreis. Zusammen mit unserem Gesundheitsamt sind wir überzeugt, dass viele Ansteckungen im privaten Bereich erfolgen. Eine nächtliche Ausgangssperre, so schmerzlich der Eingriff in die Freiheitsrechte der Menschen auch ist, könnte dazu beitragen, Infektionen wieder einzudämmen“, betonte Erster Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Walter Astheimer (Grüne). Zusammen mit Landrat Will hofft er, dass mit diesen weitreichenden Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens die hohe Zahl der Corona-Infektionen im Kreis Groß-Gerau gesenkt werden kann.

„Die jetzt ergriffenen Maßnahmen hätten früher kommen müssen“, sagte Will. „Hätten wir nach den Herbstferien in der Corona-Bekämpfung konsequenter gehandelt und zum Beispiel Kontakte entschiedener unterbunden, Möglichkeiten zur Kontaktvermeidung auch in den Schulen zwingender genutzt, dann befänden wir uns jetzt zwei Wochen vor Weihnachten nicht in dieser Lage - und vielleicht hätte es dann eines Mittels wie der Ausgangssperre auch gar nicht bedurft.“

Notwendige Maßnahmen: „Begegnungen sind nicht verloren, sondern nur verschoben“

Wills Bilanz fällt eindeutig aus: „Mit den bisherigen Regelungen im Teil-Lockdown ist es uns leider nicht gelungen, die Zahl der Neuinfektionen zu senken. Wir verharren auf einem zu hohen Niveau. Es ist bedauerlich, aber es reicht offenbar nicht, an die Vernunft der Menschen zu appellieren.“ Astheimer ergänzte: „Die hohe Rate der an und mit Covid Verstorbenen und der Schutz der vulnerablen Menschen in den Alten- und Pflegeheimen machen diese strengen und weitreichenden Maßnahmen notwendig. Die bisher getroffenen Anordnungen dienen allesamt dem Schutz dieser Bevölkerungsgruppen sowie dem allgemeinen Gesundheitsschutz - und natürlich der Aufrechterhaltung zentraler Infrastrukturen, insbesondere diejenigen des Gesundheitssystems im Landkreis Groß-Gerau.“

Um die Ansteckung im privaten Bereich zu minimieren, ist es nach Ansicht der Kreisspitze dringend geboten, die privaten Kontakte zu reduzieren. „So wenig Kontakte wie nur möglich, das ist das Gebot der Stunde. Begegnungen sind nicht verloren, sondern nur verschoben.“

Bei einer nächtlichen Ausgangssperre für den Kreis Groß-Gerau gelten von heute an die vom Sozialministerium festgelegten Ausnahmen. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist in der Zeit zwischen 21 und 5 Uhr nur erlaubt:

  • zur Ausübung beruflicher oder dienstlicher Tätigkeiten, einschließlich der Teilnahme Ehrenamtlicher an Einsätzen von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst
  • zur Inanspruchnahme medizinischer, therapeutischer und veterinärmedizinischer Versorgungsleistungen
  • zur Wahrnehmung des Sorge- und Umgangsrechts oder zur Begleitung und Betreuung von unterstützungsbedürftigen Personen und Minderjährigen
  • zur Begleitung Sterbender
  • zur Teilnahme an Gottesdiensten zu besonderen religiösen Anlässen
  • zur Versorgung von Tieren sowie zu Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung und -prävention.

Der Verwaltungsstab des Kreises steht aktuell nach eigenen Angaben in sehr engem Kontakt sowohl zum Land Hessen als auch zu den kommunalen Spitzenverbänden, um offene Fragen im Zusammenhang mit der nächtlichen Ausgangssperre zu klären. „Die aktuelle Situation verlangt uns allen sehr viel ab“, betonte Will: „Helfen Sie mit, damit wir die Pandemie schnellstmöglich unter Kontrolle bekommen.“ red

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