Opel-Werksgelände

Nagelneue Busse werden vom Wirtschaftsminister persönlich bei Opel an hessische Kommunen ausgeliefert

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20 Kleinbusse wechseln auf dem Opel-Werksgelände den Besitzer: Das Land Hessen verteilt mit großem Brimborium die Neuwagen an die ländlichen Regionen. Dahinter steckt ein Plan.

Fronhausen ist da, Großenlüder auch, Diemelstadt und Grebenhain. „Herzlichen Glückwunsch“, ruft die Moderatorin von der Bühne. Es ist Valerie Haller. Sonst berichtet sie für das ZDF aus der Börse. Aber heute ist sie die Überbringerin der guten Nachrichten für die Landesregierung.

Hessens Wirtschaftsminister Al-Wazir hat aufs Opel-Gelände in Halle K 48 geladen. Hinter ihm stehen akkurat geparkte Kleinbusse. Vor ihm sitzen in den Stuhlreihen die kommunalen Abordnungen, die nachher alle einen der weißen Opel-Vivaro mit nach Hause nehmen dürfen. Für die Aktion gibt es sogar eine Schalte ins Morgenmagazin. Das lokale Privatfernsehen ist auch extra gekommen. Wurstbrötchen liegen auf Silbertabletts.

20 Fahrzeuge spendiert das Land Hessen an diesem Tag. Gut 30 weitere sind schon bestellt. „Keine Angst, wir bezahlen auch“, scherzt Axel Wintermeyer, Chef der hessischen Staatskanzlei, in Richtung Jürgen Keller, Deutschland-Chef von Opel, der an diesem Tag eher wenig redet, die anderen umso mehr. Amöneburg, Battenberg, Hofbieber, hallt es übers Mikrofon. „Herr Wintermeyer schwenkt schon mit dem Schlüssel“, ruft Frau Haller. „Sind die Rabenauer auch verarztet?“, fragt Tarek Al-Wazir in die Runde.

Die ministerialen Autohändler drohen sich zu verzetteln. Es wird hektisch. Fotos sollen gemacht werden. Andenken für später. Bei rund hundert Gästen, die alle nacheinander aufs Bild mit den Politikern sollen, keine leichte Übung. Blätter mit Namen drauf werden verteilt, damit der Fotograf die vielen Leute am Ende alle zuordnen kann.

Nur die besten Konzepte

Die Busse werden später von Bürgern gesteuert. Deswegen heißen sie Bürgerbusse. Ehrenamtlich versteht sich. Betrieben werden sie meist von Vereinen, die sich für das Programm bewerben konnten.

Nur die besten Konzepte habe man ausgewählt. Vor allem aus Nordhessen, wie den frisch gestempelten Kennzeichen abzulesen ist.

Die Landesregierung will mit dem Bürgerbus der Verödung des ländlichen Raums etwas entgegen setzen. Schlagwörter machen die Runde, dabei ist gar kein Wahlkampf mehr. Von einer „Offensive“ ist die Rede. Von „Land hat Zukunft“. Die Mobilität solle erhalten bleiben. Es gehe um die Gesundheit, um Sicherheit, um kulturelles Leben, um Arbeitsplätze, ums Miteinander, um die Lebensqualität, kurz: Um alles, wo die Busse die Bürger von A nach B bringen sollen, wenn sonst keiner mehr fährt.

Mindestens einmal pro Stunde muss auf dem Land ein Bus oder eine Bahn verkehren, sagt der grüne Minister. Vor allem, wenn Ärzte, Apotheken und Geschäfte in fußläufiger Entfernung nicht mehr zu erreichen seien. Hessen unterstützt die Anschaffung der Fahrzeuge für den Bringdienst mit 2,4 Millionen Euro, verteilt auf zwei Jahre. Gerne würde der Wirtschaftsminister das Modell noch anderen Regionen schmackhaft machen.

Der Minister fährt vor

„Wir haben 423 Städte und Gemeinden in Hessen“, zählt er auf. Es bringe doch nichts, wenn alle nach Frankfurt ziehen und wir im Verkehr ersticken, ergänzt der Staatssekretär. Auf dem Land gebe es wunderbare Wohngegenden. Manchmal verschlägt es sogar einen Minister dorthin. „Im August kam der Al-Wazir zu uns“, sagt ein älterer Herr. Persönlich habe er den Bürgerbus vorgefahren. Besser gesagt: Er hätte kurz hinter dem Steuer gesessen, dann sei er wieder ausgestiegen. Woher er stamme? „Aus Rabenau.“ „Mer schwätze auch platt“, sagt der Mann und lacht.

„Wir dürfen uns nun eine Tasse Kaffee gönnen“, meldet sich wieder Börsenexpertin Valerie Haller. Nur zwanzig Minuten bleiben dafür. Das Programm muss weitergehen, es gibt noch Mittagessen, später eine Werksführung. Der Minister muss indessen weg.

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