Der PC gehört im Laden von Susanne Junginger inzwischen zum festen Inventar. FOTO: Hans Dieter Erlenbach
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Der PC gehört im Laden von Susanne Junginger inzwischen zum festen Inventar.

Corona und Wirtschaft

Netzwerken als Gebot der Stunde

Gewerbetreibende setzen verstärkt auf Digitalisierung, trotzdem sind sie froh, sich auch wieder persönlich treffen zu können. Erstmals veranstaltet der Gewerbeverein wieder einen Stammtisch.

Rüsselsheim -"Wir konnten uns nicht vorstellen, wie schnell das Leben vorbei sein kann", beschreibt Thomas Schwebke, Inhaber des Hairfree-Instituts und Betreiber eines Kiosks am Löwenplatz, seine Eindrücke aus dem vergangenen Jahr, als plötzlich Corona über die Welt hereinbrach und seine Umsätze massiv in den Keller rutschten.

Wie ihm erging es auch zahlreichen anderen Gewerbetreibenden in der Opelstadt, die trotz der schwierigen Zeiten regelmäßig Kontakt über das Internet gehalten haben. Am Montagvormittag trafen sich einige Mitglieder des örtlichen Gewerbevereins erstmals wieder persönlich zu einem Stammtisch in der Festung. Dort wurde ein kleiner Kerwefrühschoppen abgehalten, denn ohne Corona wäre an diesem Wochenende die Rüsselsheimer Kerb gefeiert worden.

Kunden jeder Altersgruppe

"Netzwerken" lautete während der Corona-Zeit das Zauberwort im Gewerbeverein. Sich auszutauschen und sich in schwerer Zeit untereinander Tipps zu geben, sei in den vergangenen Monaten wichtig gewesen, sagt die Gewerbevereinsvorsitzende Enza Mannino. "Dank der Digitalisierung haben wir uns am Leben gehalten". Vor allem habe aber die persönliche Begegnung gefehlt.

Als ein Unternehmen, das besonders von der Digitalisierung beziehungsweise der Nutzung von Internetportalen profitiert habe, nennt Gewerbevereinsmitglied Achim Weidner, der selbst Internetportale betreut, das Modehaus Junginger.

Das Geschäft in der Innenstadt hat zwar Kunden jeder Altersgruppe, aber auch viele Senioren, die womöglich in der Nutzung von Internetportalen nicht so fit sind. Dennoch wagte Susanne Junginger den Schritt in die digitale Welt, meldete sich bei Facebook an und präsentierte dort gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Ramona Mayer regelmäßig einige Artikel aus ihrem Angebot. Mit durchschlagendem Erfolg. Sie habe unerwartet viel Resonanz bekommen, oft hätten Kunden genau jene Artikel kaufen wollen, die im Internet präsentiert wurden, berichtet Junginger.

Inzwischen hat sie für ihr Geschäft auch einen professionellen Internetauftritt auf die Beine gestellt, unterstützt durch eine Plattform des Gewerbevereins. "Wir versuchen, zu unseren Fotos im Internet immer eine kleine Geschichte zu erzählen", sagt Junginger. Sie und ihre Mitarbeiterin posieren als Models, mal vor der Stadtkirche, mal am Mainufer. "Supermodels wären doch unglaubwürdig", meint Junginger, die auf die persönliche Präsenz in den Onlineportalen setzt. "Unsere Bilder machen an", erklärt sie und schmunzelt.

Wieder mehr reale Treffen

Besonders gelungen sei im vergangenen Jahr die Adventskalenderaktion gewesen. Jeden Tag gab es eine Überraschung. Mal einen ordentlichen Rabatt auf bestimmte Produkte, mal eine Zugabe beim Kauf einer Jacke. Doch dann kam der 16. Dezember, und der Laden musste schließen. Eine Katastrophe, dass Corona mitten im Weihnachtsgeschäft zugeschlagen hatte. Doch die Kunden seien dank der Internetpräsenz ihrem Geschäft treu geblieben. Eine eilends ins Leben gerufene Gutscheinaktion sei toll angekommen. Und mit ihr verbunden der Wunsch, auch dieses Jahr wieder einen Adventskalender anzubieten.

Susanne Junginger weiß, dass längst nicht nur die jüngere Generation ihre Internetauftritte verfolgt. Viele Menschen über 60 und sogar über 70 meldeten sich über das Internet bei ihr.

Achim Weidner berichtet, der Gewerbeverein habe sich auch für die Einführung der Luca-App in den Mitgliedsbetrieben starkgemacht, um unkompliziert und schnell Kundendaten zu erfassen.

Die Netzwerkarbeit zwischen den Mitgliedern soll weiter ausgebaut werden. Aber es soll jetzt auch wieder mehr reale Treffen geben, denn die persönliche Begegnung, so sind sich Achim Weidner und Enza Mannino einig, kann der beste Internetauftritt nicht ersetzen. Hans Dieter Erlenbach

Einige Mitglieder des Gewerbevereins treffen sich nach langer Corona-Pause beim Frühschoppen wieder persönlich.

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