Oberbürgermeister Udo Bausch ist Mitglied im weltweiten Städtebündnis "Mayors for Peace". Am Flaggentag, 8. Juli, wurde deshalb vor dem Rathaus symbolisch die Flagge des Bündnisses gehisst. FOTO: Stadt Rüsselsheim
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Oberbürgermeister Udo Bausch ist Mitglied im weltweiten Städtebündnis "Mayors for Peace". Am Flaggentag, 8. Juli, wurde deshalb vor dem Rathaus symbolisch die Flagge des Bündnisses gehisst.

"Mayors For Peace"

Netzwerken für den Frieden

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Die Stadt Rüsselsheim verstärkt ihr Engagement mit einem neuem Friedensschutzbüro

Rüsselsheim - Rüsselsheim ist zuallererst als Opel-Stadt bekannt. Das Bild der Mainstadt haben aber mehr Menschen geprägt als die Unternehmerfamilie Opel. Da wäre zum Beispiel der "Friedenspfarrer" Willi Göttert (1911 - 2008). Er hatte im Jahr 1981 die jährliche Friedenskundgebung am 6. August in Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki ins Leben gerufen. "Göttert hat sich für die Friedensschutzarbeit in Rüsselsheim eingesetzt", erzählt Uta Sandner. "Wir füllen diesen Begriff nun mit neuem Leben."

Sandner ist seit Anfang dieses Jahres in Rüsselsheim mit der Friedensschutzarbeit des weltweiten Städtebündnisses "Mayors for Peace" betraut. Das zuständige Büro nennt sich passend "Friedensschutzbüro" und ist als Schnittstelle zwischen dem Büro des Oberbürgermeisters und anderen Fachbereichen eingerichtet worden. "Friedensschutz ist eine Querschnittsaufgabe, was auch für die Integrationsarbeit des interkulturellen Büros gilt", sagt Linda Kliese-Dürrich, Leiterin des Büros des Bürgermeisters. Sie betont die enge Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) als Mitglied der "Mayors for Peace" (Bürgermeister für den Frieden).

Im März 2019 war Rüsselsheim dem Städtebündnis beigetreten. In einem weiteren Schritt sei nun das Friedensschutzbüro entstanden. "Es geht bei den ,Mayors for Peace' nicht nur um die atomare Abrüstung und das Ende von Kriegen, sondern um Konfliktlösung im Allgemeinen, ein friedliches Miteinander", erläutert Sandner. In dieser weiter gefassten Definition trete auch der Umweltschutz im Sinne der Ressourcengerechtigkeit stärker in den Vordergrund.

Die Idee von der friedlichen Stadt kann das Friedensschutzbüro freilich nicht im Alleingang verwirklichen. Deshalb sucht die Stadt kommunale Partner. "Wir befinden uns gerade im Netzwerkaufbau", sagt Sandner. Mit ihrem Anliegen renne sie offene Türen ein. Kontakte bestünden bereits zur Bürgerinitiative Friedenstreff in Rüsselsheim sowie zur Ortsgruppe Pax Christi, einer internationalen katholischen Organisation der Friedensbewegung. Der Kreis werde nach und nach erweitert, etwa um interessierte Naturschutzgruppen und Gewerkschaften. Gemeinsam wollen sie in den nächsten Monaten ein Friedensschutzkonzept für die Stadt erarbeiten; im September soll das erste Treffen sein.

Anknüpfungspunkte sieht Sandner vor allem in der Bildungs- und Kulturarbeit. Gutes Beispiel sei der Kinderkunstwettbewerb von Juli bis Ende September 2021, initiiert von den Bürgermeistern für den Frieden. Kinder und Jugendliche von 6 bis 15 Jahren sind dazu aufgerufen, in einem Bild darzustellen, wie sie sich eine friedliche Stadt vorstellen. Mit den sechs besten Kunstwerken aus den Bündnisstädten will "Mayors for Peace" weltweit für den Frieden werben. Da die Aktion in den hessischen Sommerferien stattfindet, sei die Beteiligung nicht so groß wie erhofft, aber in Zukunft wolle man die Kooperation mit den Schulen stärken, auch mit Blick auf Gewaltprävention und Konfliktbewältigung.

Gedenktage gestalten

Im nächsten Jahr werde das Friedensschutzbüro - sofern Corona es zulässt - die Gedenk- und Aktionstage mitgestalten und mehr Präsenz zeigen, sagt Sandner. Da wären der Flaggentag am 8. Juli, bei dem die "Mayors for Peace"-Flagge vor dem Rathaus gehisst wird, der Hiroshima-Gedenktag am 6. August sowie der internationale Tag des Friedens am 21. September.

In der Koordinationsstelle laufen nicht nur die kommunalen Fäden zusammen, sondern auch der Austausch auf interkommunaler und internationaler Ebene. "Wir stehen in Kontakt mit Hannover, Wiesbaden und Darmstadt", sagt Sandner. In Hannover ist das deutsche Sekretariat des Netzwerks angesiedelt. Man korrespondiere aber auch gelegentlich mit der weltweiten Zentrale in Hiroshima, Japan. "Die Arbeit ist sehr vielfältig, immer konstruktiv und sehr fruchtbar", zieht Sandner ein Fazit nach acht Monaten. Neben ihrer Tätigkeit im Friedensschutzbüro wirkt sie seit einigen Jahren als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rüsselsheim.

Die Corona-Pandemie hat Uta Sandner nicht von der Arbeit abgehalten. Die meiste Zeit arbeite sie problemlos von zu Hause aus an den Projekten. "Die digitale Arbeit vereinfacht die Kommunikation, insbesondere den Austausch in Europa und weltweit", weist sie auf die technischen Vorteile gerade in der internationalen Netzwerkarbeit hin. "Ich bin gespannt, wie es weitergeht", blickt Sandner nach vorn. dit

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