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Dr. Ali Noufal kümmert sich in der Kreisklinik Groß-Gerau um Miquel Victor Kulua aus Angola.

Entzündetes Knochenmark

Neue Hoffnung für Miquel

Alles andere als alltäglich: Die Kreisklinik Groß-Gerau behandelt einen Jungen aus Angola. Der Kontakt entstand über die Organisation „Friedensdorf“.

Sein Krankenzimmer ist zwar nicht zur neuen Heimat des neunjährigen Miquel Victor Kulua geworden, doch wohnlich hat es sich der Junge aus Angola schon eingerichtet.

Über dem Bett ein großes Herz aus Lebkuchen, ein paar bunte Luftballons, daneben Spielfiguren und Plüschtiere, Kinderbücher und ein Monitor und am Fenster ein kleiner Tischkicker, auf dem er sich mit Ärzten und Krankenschwestern ab und an ein Match liefert – willkommene Abwechslung im bisweilen etwas grauen Klinik-Alltag.

Denn Geduld benötigt der aufgeweckte Bub auf jeden Fall. „Der Junge leidet an einer bakteriellen Entzündung am Knochenmark im Oberschenkel, was eine langwierige Therapie erforderlich macht“, berichtet Dr. Ali Noufal, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie der Kreisklinik Groß-Gerau und behandelnder Arzt. „Erst wenn keine Keime mehr im Knochen sind, können wir die Behandlung abschließen. Dann können wir das Bein des Jungen wieder richten, das nach außen verdreht und verkürzt ist“, so der Mediziner.

Miquel Victor Kulua gehört zu den schwerstkranken oder schwerstverletzten angolanischen Kindern, denen die Organisation „Friedensdorf International“ seit mehr als 20 Jahren eine medizinische Behandlung in Deutschland ermöglicht.

Vor allem Kinder, die unter Missbildungen, Fehlstellungen von Gliedmaßen und Entzündungen an Knochen leiden oder schwere Verbrennungen sowie Verletzungen durch Verkehrsunfälle oder Personenminen erlitten haben, bekommen medizinische Hilfe. Die Behandlung der Kinder, so berichtet die Deutsche Botschaft Luanda in einer Mitteilung, findet in Krankenhäusern in ganz Deutschland statt, die Operationen und Behandlungen kostenlos durchführen. Zwischen den Krankenhausaufenthalten leben die Kinder im Friedensdorf Oberhausen.

An dieser humanitären Aktion beteiligt sich die Kreisklinik Groß-Gerau. „So eine Behandlung bewegt sich finanziell im fünfstelligen Bereich, dafür bekommen wir auch einen Zuschuss vom Kreis“, berichtet Klinik-Geschäftsführer Reinhold Linn.

„Wir können so dem Kreis auch wieder etwas zurückgeben“, erklärt er unter Verweis auf den Verlustausgleich, den der Kreis für die Kreisklinik leistet. „Vor allem aber können wir so zeigen, welche hervorragenden Ärzte wir in Groß-Gerau am Krankenhaus haben“, sagt Linn.

Dr. Ali Noufal, der seit zehn Jahren in der Kreisklinik tätig ist, hat schon einige Erfahrung mit komplizierten Fällen. Vor drei Jahren behandelte er eine junge Frau aus Marokko, der ein Bein amputiert werden sollte. „Heute läuft die 19-Jährige auf ihren Beinen“, erzählt er. Er ist optimistisch, dass die Heilung im Fall des kleinen Jungen aus Angola ähnlich erfolgreich verläuft. Miquel Victor Kulua hilft nach Kräften mit. Er habe zwar schon Sehnsucht nach seiner Familie und den acht Geschwistern, sagt er. „Aber ich fühle mich gut hier.“

„Sehr aufgeweckt, sehr intelligent, mutig und geduldig“ – so beschreibt der Anästhesist Dr. Thomas Schmerle den „lustigen und spontanen“ Jungen. Ihm hat der Junge erzählt, dass er trotz der eingeschränkten Bewegungsfreiheit seinen Großvater als Fensterputzer bei der Arbeit unterstützt habe.

Schmerle hat mittlerweile wie andere in der Klinik auch einen guten Draht zu dem Jungen aufgebaut – schließlich spricht er Portugiesisch. Vielleicht ist der Name der Station für den Jungen auch Programm: „Eins A“ laufen zu können, wäre für ihn sicher eine prima Perspektive. red

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