Kinderleicht: Die Kinder lutschen 30 Sekunden an dem Abstrichtupfer, die Proben werden gesammelt und am selben Tag im Labor untersucht. Seit Beginn der Pilotphase vor zwei Wochen wurde noch kein Corona-Fall nachgewiesen. FOTO: stadt rüsselsheim
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Kinderleicht: Die Kinder lutschen 30 Sekunden an dem Abstrichtupfer, die Proben werden gesammelt und am selben Tag im Labor untersucht. Seit Beginn der Pilotphase vor zwei Wochen wurde noch kein Corona-Fall nachgewiesen.

Corona

Neue Morgenroutine in den Kitas

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Stadt macht erste positive Erfahrungen mit den Lolli-Tests

Rüsselsheim -Es ist Mittwoch. Die Kinder der Elefanten-Gruppe der Kita Liebigstraße in Rüsselsheim wissen ganz genau, was das bedeutet. Heute wird getestet. Kurz nach 9 Uhr versammeln sich die Kinder am Tisch ihres Gruppenraums. Die Erzieherin packt die Teststäbchen aus. Die Kinder stecken die Stäbchen 30 Sekunden lang in den Mund und lutschen darauf herum. Der Abstrichtupfer hat leider keinen Geschmack, anders als die Lollis, nach denen das Testverfahren benannt ist. Gelutscht wird aber beides.

Sind die 30 Sekunden um, werden die Tupfer in einem Sammelgefäß zusammengeführt und als anonyme Sammelprobe, einem sogenannten "Pool", von einem Fahrer abgeholt und noch am selben Tag in ein Labor nach Ettlingen bei Karlsruhe gebracht, wo die Proben nach der PCR-Methode ausgewertet werden. Das Ergebnis erhält die Kita zwischen 17 und 19 Uhr über eine App aufs Smartphone.

"Für die Kinder gehören die Lolli-Tests mittlerweile zur Tagesroutine", sagt Kita-Leiterin Monika Balzer. "Sie lutschen auf den Stäbchen herum, schneiden dabei Grimassen und haben Spaß." Die Erzieherinnen der Kita Liebigstraße haben die Kinder spielerisch an das Testverfahren gewöhnt. "Die Elefanten-Gruppe liebt Dinosaurier. Also haben wir gesagt: Ihr müsst den Mund so weit aufmachen wie ein Dino", erzählt Balzer schmunzelnd.

70 Prozent der Kinder machen mit

Angst habe keines der Kinder; Bedenken hätten höchstens die Eltern, und auch die seien mittlerweile von der Teststrategie überzeugt. Die Teilnahme ist freiwillig. Dennoch beteiligten sich in der Kita Liebigstraße rund 70 Prozent der Kinder an den wöchentlich zwei Lolli-Tests; und auch die Erzieher lassen sich testen.

Die Stadt Rüsselsheim und die Gemeinde Büttelborn beteiligen sich als Modellkommunen im Kreis Groß-Gerau an der Testung. Seit dem 16. Juni kommt der Lolli-PCR-Test in 23 Kindertagesstätten in der Opelstadt zum Einsatz - bisher ohne nachgewiesenen Corona-Fall, ist Balzer darüber erleichtert. Sollte sich in der Sammelprobe doch ein positiver Abstrichtupfer befinden, begibt sich die betroffene Kita-Gruppe in Quarantäne. Um herauszufinden, wer aus der anonymen Sammelprobe infiziert ist, werden die Kinder zu Hause erneut auf das Coronavirus getestet.

"Ich finde es gut, dass Rüsselsheim als Modellkommune bei der Pilotphase mitmacht", sagt Balzer. Mit der Testmethode fühlten sich die Erzieher und auch die Eltern der Kinder sicherer, zumal Kinder oft asymptomatische Corona-Verläufe haben. Mit den regelmäßigen Lolli-Tests könnten Infektionsketten schneller unterbrochen und weitere Infektionen in den Familien verhindert werden.

Anfangs hätten Eltern befürchtet, dass die Kindertagesstätte aufgrund der regelmäßigen Tests häufiger schließen muss, falls öfters positive Ergebnisse vorliegen sollten. "Es wird in einem solchen Fall gezielt geguckt, wer positiv getestet wurde, und dann geht die betroffene Gruppe in Quarantäne, nicht die ganze Einrichtung", hatte Balzer den besorgten Eltern erklärt. Wer vor dem gebuchten Sommerurlaub kein Risiko eingehen möchte, der schickt sein Kind zwei Wochen davor eben nicht in die Kita, habe Balzer beobachtet. Eine Quarantäne sei seit Mitte Juni aber nicht notwendig gewesen.

Konstante Gruppen nicht mehr nötig

Die Betreuungssituation an den Kindertagesstätten wird sich mit den weiteren Lockerungen in Hessen und im Kreis Groß-Gerau nach dem 5. Juli erneut verändern. Laut Sozialministerium könne die Betreuung in konstanten Gruppen dann beendet werden. Das bedeutet für die Kitas der Modellkommunen, dass die Pool-Testung einen Teil ihrer Aussagekraft verliert. Haben Erzieher und Kinder wieder untereinander Kontakt, dürfte bei einem positiv getesteten Kind oder Erzieher nicht mehr nur eine Kita-Gruppe von den Quarantänemaßnahmen betroffen sein. "Wir suchen noch nach einer Lösung, wollen aber die Lolli-Tests trotzdem fortführen", sagt Balzer.

Die Pilotphase endet mit dem Beginn der Sommerferien am 19. Juli und damit auch die finanzielle Unterstützung vom Land Hessen. Ob die Stadt Rüsselsheim die Lolli-Testung weiterführen wird, gilt es dann ebenfalls zu klären. Dorothea Ittmann

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