Neues Auto, neuer Chef: Der Opel-Astra wird in Rüsselsheim von Uwe Hochgeschurtz an seinem ersten Arbeitstag vorgestellt. FOTO: olaf kern
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Neues Auto, neuer Chef: Der Opel-Astra wird in Rüsselsheim von Uwe Hochgeschurtz an seinem ersten Arbeitstag vorgestellt.

Automobilbau

Neuer Astra, neuer Chef: Endlich wieder Blitzlichtgewitter bei Opel

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Kein Auto hat Opel so häufig verkauft wie den Astra und seinen Vorgänger Kadett. Das neue Modell wird ausschließlich in Rüsselsheim produziert - und auch Jürgen Klopp kommt zur Weltpremiere.

Rüsselsheim – Großer Bahnhof gestern im Werksgebäude K 48: Wo vor wenigen Wochen noch die große Impfstraße für die Opel-Beschäftigten aufgebaut war, traf sich die internationale Autopresse, fast wie zu früheren IAA-Zeiten. 180 Journalisten waren gekommen, allerdings nur unter strengen Corona-Regeln eingelassen worden. Rund 500 weitere schalteten sich online dazu. Sie alle wollten die Enthüllung des neuen Astra sehen. Der Beginn eines „neuen Kapitels“, wie man beim Rüsselsheimer Autobauer in diesen Tagen gerne betont, in feiner Doppeldeutigkeit.

Denn die gestrige Weltpremiere des Astra fiel gleichzeitig auf den ersten Arbeitstag des neuen Opel-Chefs und Lohscheller-Nachfolgers Uwe Hochgeschurtz. Die Reihe der Kameras und die Blitzlichter richteten sich deshalb nicht nur auf das im satten Gelb vorfahrende Auto, sondern auch auf den Mann, der es von nun an als Verantwortlicher in der Öffentlichkeit präsentieren muss.

„I am a lucky guy“ („Ich habe Glück“), gab er zu. Opel mache sich auf den Weg von „cold to cool“. Hochgeschurtz kündigte an, neue Kunden mit dem komplett überarbeiteten Astra ansprechen und neue Märkte erobern zu wollen. Zum Beispiel China.

Neuer Astra bei Opel in Rüsselsheim: Auch eine rein elektrische Variante

Es wird sowohl eine reine batterie-elektrische als auch eine Plug-in-Hybrid-Version desselben Modells geben. Noch nie habe der „Blitz“ deshalb so gut zu einem Opel gepasst. Schöne Marketing-Worte, die man sich ausgedacht hatte und von Hochgeschurtz Patzer-frei vom Teleprompter abgelesen wurden. Besser hätte es sich Fußballtrainer-Legende Jürgen Klopp nicht ausdenken können. Der Opel-Marken-Botschafter ist bekannt dafür, dass er gerne frei aus dem Bauch heraus redet. Was er dann auch tat, als er einem Opel-Astra entstiegen war, mit dem man ihn kurz zuvor als Star-Gast auf die Bühne gefahren hatte.

Bereits im Sommer hatte Klopp beim Besuch des Opel-Designstudios in Rüsselsheim die Gelegenheit, mit einem Astra-Vorserienmodell einige Runden zu drehen. Und danach in die Welt der Ingenieure und Entwurfszeichner einzutauchen. Die Arbeit ringe ihm Respekt ab. Zeichnen könne er überhaupt nicht. Vierjährige Kinder würden das besser hinbekommen, sagte Klopp mit typischem Grinsen.

Neuer Opel-Astra: Vorbereitung im Rüsselsheimer Opel-Werk laufen seit einem Jahr

Dass der Astra in Rüsselsheim entwickelt wurde und dort auch ab Ende des Jahres gefertigt werden soll, darauf ist Werksleiter Michael Lewald mehr als stolz, wie er im Gespräch mit dem Echo sagt. Mit der Sommerpause im August 2020 begann man mit dem großen Umbau des Werks mit der künftig genutzten EMP2-Plattform des Mutterkonzerns Stellantis.

Eine Mammutaufgabe, mitten in der Corona-Pandemie. Im Karosseriebau wurden zur Vorbereitung auf die neuen Modelle (neben dem Astra auch das Kompaktklasse-Modell DS 4) 400 zusätzliche Roboter installiert. Der Bereich „Hochzeit“ in der Fertig-/Endmontage wurde komplett neu installiert. Ebenso die Lackiererei völlig neu konzipiert. Außerdem wurde die IT auf Stellantis-Systeme umgestellt. Eine „signifikante“ Millionensumme habe man investiert.

Wie Mobilität einst begann, zeigt dieser Hochradfahrer.

Dass am Ende der Zeitplan eingehalten werden konnte und man heute hier stehe, um den neuen Astra einzuläuten, habe Lewald und sein Team viel abverlangt. Natürlich werde er persönlich auch einen neuen Astra fahren, um genau zu wissen, was man in Rüsselsheim herstelle, sagt der bekennende BVB-Fan, der für gewöhnlich kein Heimspiel seiner Mannschaft verpasst, wie er verrät.

2100 Mitarbeiter beschäftigt Opel in Rüsselsheim in den Produktionsbereichen, 300 sollen noch addiert werden. Vermutlich werden diese zunächst aus anderen Teilen des Werks kommen, denen man Vorrang bei der Besetzung der Stellen geben will. Bekanntlich hat man bei Opel sogenannte „Fokus-Bereiche“ ausgemacht, wie die Schmiede, das Getriebewerk, der Werkzeug- und Prototypenbau sowie die Powertrain-Werkstätten, die nicht mehr ausgelastet sind.

Opel in Rüsselsheim: Neueste Generation des Astra ist digital - Analog war gestern

Nach dem Defilee des Hauptakteurs an diesem Tag, dürfen die versammelten Gäste noch einen eigenen Blick auf und in das neue Gefährt werfen. Die sechste Generation des Astra beginnt ihre Karriere als sportlicher Fünftürer mit coupéhafter Linienführung und noch mehr Platz als beim Vorgängermodell. Mit dem volldigitalen Pure Panel im Innern verschwinden alle Analoganzeigen. Dafür gibt es zwei Bildschirme.

Viel zu sehen, auch im Innern: Die neue Generation des Kompaktklassemodells wurde komplett überarbeitet.

Es ist also fast so wie vor 30 Jahren. Man erinnere sich: 1991 übernimmt der Opel Astra die Hauptrolle im Modellangebot aus Rüsselsheim.

Der „Neue“ steht in der Traditionslinie des Opel Kadett und tritt mit dem Ziel an, als Innovationsträger die Kompaktklasse aufzumischen sowie Top-Technologien für alle verfügbar zu machen. (Olaf Kern)

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