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Rüsselsheim als Basis: Sam Khayari setzt sich mit großem Engagement für eine nahbare Kulturszene in der Stadt ein.

Engagement

Neuer Kunst- und Kulturverein will möglichst viele Bürger einbeziehen

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Der neu gegründete Freie Kunst- und Kulturverein soll Interessierte wie Entscheider miteinander ins Gespräch bringen. Künstler Sam Khayari hat den Vorsitz inne.

Ein Pop-Up-Atelier in der Alten Mühle, die Art Map als Wegweiser durch Rüsselsheims öffentliche Kunstwerke, die Culture Map als Projekt, lokale Kulturschaffende über soziale Medien sichtbarer zu machen. Wer Sam Khayari kennt, weiß: Der Mann ist umtriebig – und setzt sich mit großer Kondition und Leidenschaft für Rüsselsheims Kulturlandschaft ein.

Gemeinsam mit anderen prägenden Figuren der Szene – Künstler Mario Hergueta, Satiriker Steffen Jobst, Jazzer Stephan Völker, Fotograf Frank Möllenberg und Theatermensch Udo Höppner – hat er nun den Freien Kunst- und Kulturverein (kurz FKK) gegründet. Für Khayari ein logischer Schritt.

Schnittmengen finden

„Wir haben hier eine große Kulturszene, in der ein Teil sehr gut vernetzt ist. Man läuft sich immer wieder bei Veranstaltungen über den Weg, tauscht sich aus – und findet Schnittmengen“, so der 39-Jährige. Gemeinsam neue Dinge auszuprobieren und die Kreativität zu bündeln, sei eine Motivation gewesen, das Ganze im Verein zu gestalten.

Wie die Vereinsgründung per se jetzt im sozialen Netzwerk Facebook stark diskutiert wird, findet der Künstler verblüffend. Dass, wie ein Nutzer sagt, die Vereinsgründung ein Zeichen für das Versagen der örtlichen Kulturpolitik ist, weist Sam Khayari von sich. „Es geht hier doch um eine Bereicherung und zeigt, dass es Diversität gibt.“

Die Möglichkeit zu haben, Synergien effektiver zu nutzen, sei für ihn der Hauptantrieb für die Vereinsarbeit. Und auch die Skeptiker will der FKK einladen, stärker an kulturellen Debatten teilzunehmen, zum Beispiel bei Podiumsdiskussionen und Pressegesprächen. „Außerdem wollen wir Transparenz schaffen“, so Khayari. Gerade für junge Leute gehe die Stadt wenig proaktiv mit den Möglichkeiten für Kulturschaffende um, beispielsweise bei Förderstipendium und Kulturpreis.

„Wir wollen Themen offen ansprechen, Entscheider und Interessierte zusammenbringen“, erklärt Sam Khayari. Dass folgerichtig der Verein auch allen Kulturinteressierten und nicht nur den -schaffenden offensteht, ist den Machern wichtig. „Wir sind kein exklusiver Elfenbeinturm-Club“, stellt Khayari klar.

Der noch junge Verein arbeitet derzeit an konkreten Zielen. Insgesamt soll Rüsselsheim als fruchtbarer Boden für Kreative sichtbarer werden. „In den 1980ern ist mit den Wendemalern hier ein Spirit entstanden, der bisher nicht wieder erreicht wurde. Wir wollen so etwas wieder möglich machen und jungen Leuten zeigen, dass das hier sehr gut funktionieren kann“, so Khayari.

Starke Persönlichkeiten

Dass alle Gründungsmitglieder starke Persönlichkeiten sind, sieht Khayari als wenig problematisch an – im Gegenteil. „Klar haben wir hitzige Diskussionen. Aber am Ende entsteht ein Konsens, und das ist wunderbar“, findet er, der sich als Vorsitzender des Vereins (Stellvertreter: Stephan Völker) auch als Ruhepol sieht. „Vielleicht wirken wir alle etwas therapeutisch aufeinander“, sagt Khayari und lacht. Im Grunde sei es ja gerade dieser Austausch, der zu wenig passiere. Auch die Bemühung, das Gegenüber verstehen zu wollen, sei selten im öffentlichen Diskurs, beispielsweise auf Facebook, zu erkennen.

Weiterhin sind alle beteiligten Künstler eigenständig unterwegs, aber alle hätten eben auch „Bock, kleine, feine Veranstaltungen zu realisieren“, so Khayari. Dass sich die Zielgruppen der verschiedenen Kunstformen vermischen, sei so nicht existent. „Jemand, der sich mit mir als Kreativnomade auseinandersetzt, geht vielleicht nicht automatisch auch auf ein Jazzkonzert von Stephan Völker.“ Das wolle man mit dem FKK ändern.

Dass das an Khayari-Plänen für dieses Jahr noch längst nicht alles ist, überrascht wenig: Im Sommer soll eine eigene Location mit kulturellen Angeboten etabliert werden. Wie genau diese aussehen wird, verrät der Künstler noch nicht, aber: „Es war mir wichtig, so etwas hier zu machen. Rüsselsheim ist meine Basis.“

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