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Neuer Rekord beim Klassikertreffen

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Von: Carmen Erlenbach

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Wie im Taubenschlag ging es auf den völlig zugeparkten Mainwiesen zu.
Wie im Taubenschlag ging es auf den völlig zugeparkten Mainwiesen zu. © Carmen Erlenbach

Die stolzen Besitzer von Oldtimern waren gestern in die Opelstadt gekommen, um ihre glänzenden Karosserien zu präsentieren. Bereits mittags waren mehr als 3000 Fahrzeuge und 30 000 Besucher da – das ist ein neuer Höhepunkt beim Klassikertreffen.

Rüsselsheim im Ausnahmezustand: 2000 Oldtimer waren zum 15. Klassikertreffen erwartet worden. Bereits am Mittag waren mehr als 3000 Fahrzeuge eingetrudelt. 25 000 Besucher waren erwartet worden, am frühen Mittag war mit mehr als 30 000 bereits ein neuer Rekord aufgestellt. Wer in die Stadt wollte, musste sich gedulden, denn wegen des Andrangs und auch liegen gebliebener Schätzchen staute sich der Verkehr zeitweise bis auf die Autobahn zurück.

Erstmals standen die historischen Fahrzeuge nicht nur im Verna-Park, vor der Festung und auf den völlig zugeparkten Mainwiesen, sondern aus Platzmangel sogar im Festungsgraben. Was 2001 mit lediglich etwa 40 Fahrzeugen begonnen hatte, hat in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt erreicht.

Gelungenes Erlebnis

Viele Aussteller und Besucher nutzten die Gelegenheit zu einem Familienpicknick zwischen den überwiegend restaurierten und blank polierten Karosserien. Die Teilnehmer machten es sich auf Stühlen, Decken und auch im Kofferraum einiger Fahrzeuge bequem. Einmal mehr wurde bei dem größten bundesweiten Oldtimertreffen dieser Art auf Kommerz verzichtet. Es gab keinen Handel mit Ersatzteilen und keine Verkaufsstände, was das Klassikertreffen zu einem gelungenen Erlebnis abrundete.

Als besondere Attraktion hatten die Veranstalter gestern mit einem zu einer fahrbaren Motorsäge umgebauten Maybach DSH von Johann Georg Ewald aus Trebur aufgewartet. Sie fuhr einst von Ort zu Ort und sägte das Brennholz der Bewohner. Früher waren die ungewöhnlichsten Fahrzeuge unterwegs, das war keine Seltenheit. Damals wurden lediglich 50 Exemplare gebaut. Der Wagen mit sechs Zylindern, 130 PS und 5,1 Liter Hubraum kostete einst 25 000 Reichsmark.

Zu den Exponaten zählten aber nicht nur historische Autos, sondern auch Motorräder, Fahrräder, Roller und Traktoren bis einschließlich Baujahr 1985. Mit von der Partie waren etwa 100 Jahre alte „Knochenbrecher“, wie Hochräder einst nicht zufällig genannt wurden. Viele Musikgruppen wie die „Saxophonbande“ wartete zwischen den historischen Karosserien mit Schlagern von einst auf.

Erstmals hat Norbert Werber aus Ober-Ramstadt teilgenommen. Er war in einem Opel Olympia P1 Caravan angereist, dem sogenannten Urcaravan, aus dem Jahr 1959. Es ist ein sehr seltenes Fahrzeug. Denn es ist eines von lediglich 20, die weltweit derzeit noch unterwegs sind. Und das kommt daher: In den 1950er und 1960er Jahren galt ein Kombi als typisches Handwerkerfahrzeug. Erst in den 1970er Jahren wurde sein Wert auch als Familienauto erkannt. Nachdem diese Caravans einst acht bis zwölf Jahre gehalten hatten, wurden sie danach einfach verschrottet. Darum existieren sie heute kaum noch. In Skandinavien war das jedoch anders. Die Skandinavier hoben diese alten Fahrzeuge eher auf. Werner verdeutlichte, dass heutzutage in Deutschland nur noch drei Fahrzeuge der Originaltypgruppe unterwegs sind. Sieben weitere stammen als Re-Importe aus Skandinavien, wurden dort von Schrottplätzen geholt, restauriert und sind heute in Deutschland unter der Typgruppe Sonder-Kraftfahrzeuge unterwegs.

Werner hat seinen Olympia P1 Caravan im Jahr 2003 gekauft. Über das Internet war er auf den Anbieter einer Pfandleihe aufmerksam geworden und erstand das Auto dort. „Zehn Jahre habe ich restauriert und 23 000 Euro hinein gesteckt“, so der Besitzer. Zunächst widmete er sich der Hinterachse, dem Motor, dem Getriebe und der Bremsanlage, zwischendurch fuhr er den Wagen, um Standschäden zu vermeiden. Später schnitt er den verrosteten Unterboden heraus und fertigte als gelernter Schlosser neue Bleche an und baute sie ein.

Ins Werk zurückgekehrt

2007 fuhr er mit dem 45 PS starken Wagen und einer Höchstgeschwindigkeit von 125 Kilometern pro Stunde an den Gardasee – nicht etwa über die Autobahn, sondern die Pässe in den Alpen hinauf und wieder herunter. „Zwischendurch hat er mal gekocht, aber das ist normal bei diesen Autos. Da wartet man halt eine halbe Stunde, bis sie wieder abgekühlt sind.“ Inzwischen zählt der Wagen mit einer Drei-Gang-Lenkradschaltung mehr als 300 000 Kilometer, und das mit dem ersten Motor.

Unterdessen fuhr auf dem roten Teppich vor den Opelvillen die gesamte Prominenz in Oldtimern vor, darunter Oberbürgermeister Patrick Burghardt in einem Opel Diplomat A Coupé und Opel-Chef Karl Thomas Neumann in einem türkisgrünen Diplomat A V8 Coupé aus dem Jahr 1966. Es wurde Mitte der 1960er Jahre nur 347 Mal gebaut.

Noch älter war der Opel Admiral, der nach fast 80 Jahren ins Werk zurückgekehrt ist. Heinz Grünewald aus Mönchengladbach hatte ihn Opel Classic geschenkt. Wie der Rennfahrer Jockel Winkelhock – dreimaliger deutscher Tourenwagenmeister und 1999 Sieger des 24-Stunden-Rennens in Le Mans und derzeit Opel-Markenbotschafter – war Grünewald einer der Ehrengäste beim Klassikertreffen.

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