Eine Maschine im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Viele Anrainerkommunen sehen im Verfahren des Segmented Approach lediglich eine Umverteilung des Fluglärms. FOTO: dpa
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Eine Maschine im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Viele Anrainerkommunen sehen im Verfahren des Segmented Approach lediglich eine Umverteilung des Fluglärms.

Fluglärm

Neues Anflugverfahren als Luftnummer

Kommunen sehen sich bestätigt und fordern Aufgabe des Segmented Approach

Rüsselsheim -Die vom Fluglärm betroffenen Kommunen, zu denen unter anderem auch die Stadt Rüsselsheim gehört, haben in einer gemeinsamen Presseerklärung zum Probebetrieb Segmented Approach Stellung bezogen. Die vom derzeit erprobten gekrümmten Anflugverfahren zum Flughafen betroffenen Kommunen fordern die Fluglärmkommission und das zuständige Ministerium auf, "Konsequenzen aus den eindeutigen Ergebnissen des Probebetriebs zu ziehen und die jahrelangen erfolglosen Bemühungen zur Einführung eines sogenannten ,Segmented Approach' endgültig aufzugeben".

Bei dem Verfahren handele es sich um eine Anflugstrecke, die gegenwärtig nur zwischen 23 und 24 Uhr, also in der Zeit des geltenden Nachtflugverbots, von verspäteten Flugzeugen genutzt werden dürfe.

Das Anflugverfahren, das große Städte wie Mainz und Offenbach umfliegt und erst in Flughafennähe auf den geradlinig zur Landebahn verlaufenden Endanflug einschwenkt, zuvor aber etwa über die Gemarkungen von Heusenstamm, Obertshausen, Rüsselsheim und Rodgau führt, solle bevölkerungsreiche Siedlungsgebiete entlasten. "Die Anflugstrecke führt aber bei noch nicht so stark durch Fluglärm belasteten Städten und Gemeinden zu einer deutlichen Zunahme des Fluglärms", monieren die betroffenen Kommunen.

"Ergebnisse sind eindeutig"

In der pandemiebedingt verkehrsarmen Zeit sei durch die Deutsche Flugsicherung erprobt worden, ob das Verfahren auch auf andere Tag- und Nachtzeiten ausgeweitet werden könne. Es habe sich jedoch schnell gezeigt, dass bei steigenden Flugbewegungszahlen der Segmented Approach kaum noch geflogen werden könne. "Die Ergebnisse des Probebetriebs sind eindeutig", sagt Heusenstamms Bürgermeister Halil Öztas (SPD). "Bei normaler Auslastung des Flughafens lässt sich das Anflugverfahren nicht in den Betrieb integrieren und kann deshalb keine Entlastungen hervorrufen." Durch die wenigen Flüge, die im Probezeitraum hätten verlagert werden können, hätten sich zudem deutliche Lärmzunahmen bis hin zu einer Verdopplung gezeigt.

Diese Argumentation greift auch Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) auf: "Es gab und gibt keine fachlich fundierte Grundlage für die Einführung des Segmented Approach." Es sei unlauter, ohne eine solche Grundlage Fakten zu schaffen und damit die Interessen zahlreicher Menschen zu übergehen. Ziel müsse sein, Lösungen zu etablieren, die eine spürbare und dauerhafte Entlastung aller Anrainergebiete bewirkten, bekräftigt Hoffmann.

Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch erklärt: "In den von uns vertretenen Kommunen leben mehr als 350 000 Menschen, die von Flugroutenverlagerungen zusätzlich belastet werden. Insofern kann das Argument von Entlastungen nicht ziehen." Vielmehr würden zahlreiche neue Betroffenheiten geschaffen, ohne dass in den angeblich entlasteten Bereichen tatsächlich eine wahrnehmbare Entlastung entstehe.

Auf andere Gebiete verteilt

Neu-Isenburgs Rathauschef Herbert Hunkel (parteilos), dessen Stadt schon durch den Endanflug stark lärmbelastet ist, führt an, dass der Segmented Approach "nur zu kosmetischen Entlastungen der unter der Anflugstrecke lebenden Menschen" führe und den Lärm auf andere Wohngebiete verteile, die nicht mit Schallschutzfenstern ausgestattet seien. Der Isenburger Stadtteil Gravenbruch, der bereits dem erheblichen Lärm der A 3 ausgesetzt sei, würde durch den Segmented Approach zusätzlich belastet. "Der Gesamtlärm müsste immer mitbedacht werden", sagt Hunkel.

Wie seine Amtskollegen ist er der Meinung, dass das Augenmerk nicht auf "fragwürdige Maßnahmen zur Lärmverteilung wie den Segmented Approach, sondern auf Maßnahmen zur Reduzierung des Lärms an der Quelle wie die Anhebung des Anflugwinkels, eine echte Lärmobergrenze oder die Ausdehnung des Nachtflugverbots auf die Randstunden gerichtet werden sollte". red

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