Nicht übermäßig belastet

In Raunheim wurde 1976 die erste Luftmessstation in Hessen in Betrieb genommen. Über die Luftschadstoffmessung sollte eine Bürgerversammlung informieren. Die Belastung in Raunheim ist typisch für eine Stadt.

Eine Bürgerversammlung zum Thema Luftschadstoffmessung, als Information und als Einleitung für eine weitere Versammlung zum Thema Ultrafeinstaub – da sollte man meinen, dass der Bürgersaal voll ist. Zumindest glaubt die Bürgerinitiative gegen Fluglärm, dass diese Themen die Menschen interessieren – zumal in Raunheim, als Nachbar des Flughafens. Denn die BI war immerhin Ideengeber für eine solche Veranstaltung.

Gekommen waren dann nur rund 40 Leute. Die hörten sich für Laien schwer verständliche Vorträge an. Und als nach zwei Stunden die Fragerunde eröffnet wurde, hatten sich mit Dr. Diana Rose vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie sowie Josef Cyrys vom Helmholtz-Institut in München bereits zwei Referenten aus zeitlichen Gründen verabschiedet.

Rose berichtete über die Messungen von Luftschadstoffen in Raunheim. „Die Messstation ist gar nicht weit weg vom Bürgersaal“, stellte sie fest. Denn sie befindet sich am Hallenbad. Sie wurde erst vor kurzer Zeit ausgetauscht. Gab es zuvor eine Messstation für verschiedene Parameter sowie eine für Ultrafeinstaub, werden jetzt die Daten aller Schadstoffe in einer Messstation vereint aufgenommen.

Die Messstation in der Forsthausstraße war 1976 die erste Station hessenweit. Sie gehe zurück auf das Bundes-Immissionsschutzgesetz von 1974, nachdem Menschen, Tiere, Pflanzen, Böden und die Luft vor schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen seien, so Rose. Hessenweit gibt es 14 Stationen im städtischen Hintergrund und jeweils elf Stationen an Verkehrsschwerpunkten und im ländlichen Bereich. „Raunheim gehört zu den städtischen Hintergrundstationen“, erklärte Rose.

Die Messstation verarbeitet Daten von Schwefeldioxid, Kohlenstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Ozon, Feinstaub, Metalle und polycyclische aromatische Wasserstoffe im Schwebestaub sowie ultrafeine Partikel. „Im Vergleich zu China ist Raunheim bei den Jahresmittelwerten ein Kurort“, stellte Rose fest. Beim Vergleich innerhalb Deutschlands sei Raunheim allerdings stärker belastet.

Schwefeldioxid sei in den 70er- und 80er-Jahren wegen des schwefelhaltigen Kraftstoffes ein Problem gewesen. Durch den Emissionsrückgang sei der Anteil in der Luft inzwischen weit entfernt vom Grenzwert. Eine ähnliche Entwicklung bescheinigte Rose auch dem Jahresmittelwert von Kohlenmonoxid.

Der Grenzwert für Staub und Feinstaub liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. In Raunheim wurden 2016 unter 17,5 Mikrogramm gemessen. 1986 lag die Belastung mit 60 Mikrogramm noch weit über dem Grenzwert. Im Vergleich mit anderen Stationen im Ballungsraum Rhein-Main lägen die Werte Raunheims bei Stationen mit städtischen Hintergrund beim Feinstaub gleichauf, aber unter denen der verkehrsnahen Stationen, so Rose.

Der Anteil von Stickstoffdioxid lag 2016 im Jahresmittel mit 30 Mikrogramm ebenfalls unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm. 1987 stand der Wert bei über 50 Mikrogramm. Für Hessen seien die Werte für Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid generell sehr gut, so Rose über die Entwicklung der Luftqualität. Gut seien die Werte auch für Feinstaub. Die Spitzenwerte beim Ozon seien zwar rückläufig, das Jahresmittel befände sich jedoch im Aufwärtstrend.

Die Schadstoffbelastung in Raunheim sei typisch für einen städtischen Hintergrund. Der Anteil von Stickstoffdioxid liege seit etwa 15 Jahren unterhalb des Jahresgrenzwertes, an verkehrsbezogenen Standorten seien die Werte aber weiterhin problematisch. Im Vergleich aller städtischer Messstationen in Rhein-Main läge Raunheim auf mittlerem Niveau, so Rose.

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