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Noch ein Altstadt-Quartier am Römer

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Seine Vorschläge für das Quartier

 westlich des Römerbergs hat Georg Zastrau in einer Broschüre zusammengefasst.
Seine Vorschläge für das Quartier westlich des Römerbergs hat Georg Zastrau in einer Broschüre zusammengefasst. © Michael Faust

Ein junger Architekt schlägt vor, das Areal südlich des Frankfurter Römers nach historischem Vorbild neu zu ordnen. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie um die Rekonstruktion historischer Gebäude, sondern um eine kleinteilige Bebauung.

Wer vom Römerberg nur ein paar Schritte durch die Limpurgergasse in Richtung Westen läuft, kommt in eine andere Welt. Gerade noch stand man auf einem belebten Platz voller Passanten, doch in der Fried-Lübbecke-Anlage südlich des Römers hält sich niemand auf. Ein Stück weiter westlich ist es noch trister, ein kleiner Platz ist mit Autos zugestellt. Umgeben ist er von dem in den 50er Jahren errichteten Komplex des städtischen Personal- und Organisationsamtes. Wenn dort Feierabend ist, befindet sich kaum noch jemand in dieser Ecke der Altstadt.

„Hier sieht es aus wie in einer Vorstadt“, meint Georg Zastrau. Der junge Architekt hat die Gegend bei Spaziergängen mit dem Kinderwagen erkundet und ist zu dem Schluss gekommen: Es muss sich etwas ändern. Schließlich handle es sich um ein historisch bedeutsames Areal: Die romanische Leonhardskirche und das Karmeliterkloster befinden sich in nächster Nähe, in der Buchgasse befindet sich der Ursprung der Frankfurter Buchmesse.

In seiner Freizeit hat der Planer einen Vorschlag erarbeitet, wie das Quartier rund um die Alte Mainzer Gasse belebt werden könnte. „Reanimation Altstadt 2.0“ nennt er das Konzept für das Gebiet, das seiner Ansicht nach im Dornröschenschlaf liegt und wachgeküsst werden müsste. Historische Parzellen und Gassen sollen wiederhergestellt werden, Wohnungen, Läden und Gastronomie Leben in das Quartier bringen. Dabei geht es Zastrau nicht in erster Linie um eine Nachbildung historischer Gebäude, die im Krieg zerstört wurden. Auch mit moderner Architektur ließen sich gute Ergebnisse erzielen, meint er.

In Einzelfällen kann sich Zastrau aber auch Rekonstruktionen vorstellen. An der Leonhardskirche zum Beispiel oder an der Westseite des Römerbergs, wo der Architekt an Stelle der heutigen 50er-Jahre-Zeile den Wiederaufbau der Häuser „Lichtenstein“, „Schrothaus“, „Jungfrau“ und „Klein Limpurg“ vorschlägt. Vor allem das ursprünglich komplett aus Stein errichtete Haus Lichtenstein liegt im am Herzen. Im Krieg sei es nur wenig zerstört worden, es habe bereits Pläne für den Wiederaufbau gegeben. Doch dann sei die Ruine bei einem Sturm eingestürzt. Die weitere Entwicklung des Quartiers steht und fällt mit der Zukunft des 50er-Jahre-Gebäudes, in dem derzeit das Personal- und Organisationsamt (POA) der Stadt untergebracht ist. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) hatte bereits vor einem Jahr vorgeschlagen, das Amt zu verlagern und in dem Gebäude Wohnungen unterzubringen.

Der Architekt hat sein Konzept nicht nur dem Stadtplanungsamt, sondern auch an die Fraktionen geschickt. Viele positive Reaktionen habe er bekommen, sagt er. Es seien aber auch Bedenken geäußert worden, was die Machbarkeit und Finanzierung der Ideen betrifft. mur

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