"Gefahr im Verzug": Neu entdeckte Schäden in den Rippendecken der Gebäudeteile C und D. Hier muss abgestützt werden. FOTO: daniela hamann
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"Gefahr im Verzug": Neu entdeckte Schäden in den Rippendecken der Gebäudeteile C und D. Hier muss abgestützt werden.

Humboldt-Schule

Noch mehr Gutachter-Pfusch

  • VonDr. Daniela Hamann
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Weitere marode Decken in zwei Gebäudeteilen entdeckt

Rüsselsheim -Die Sanierung des Bestandsgebäudes der Rüsselsheimer Alexander-von-Humboldt-Schule wird noch einmal teurer als gedacht, und die Bauzeit verlängert sich ebenfalls deutlich. Das teilten Baustadtrat Nils Kraft (SPD) und Projektleiter Michael Oceguera am Mittwoch bei einem Ortstermin auf der Baustelle mit.

Allein die nicht eingeplanten Sanierungskosten für die Rippendecken schlügen mit 750 000 Euro extra zu Buche. Neben den maroden Decken, die in zwei der vier Trakte entdeckt worden waren, sei außerdem ein Problem mit Asbest aufgetreten, das nun Arbeitsschutz- und Sanierungsmaßnahmen verlange, die so vorher ebenfalls nicht abzusehen waren.

Für Baustadtrat Kraft gibt es dabei einen klaren Schuldigen: die, laut Kraft, renommierte Gutachter-Firma, die einige Zeit vor dem Baubeginn damit beauftragt worden sei, eben genau solche Schwachstellen des Baus ausfindig zu machen und dabei "kläglich versagt" habe. "Ich denke, es liegt möglicherweise am allgemeinen Fachkräfte-Mangel in der Baubranche und den zusätzlich übervollen Auftragsbüchern, weshalb der Gutachter so eine mangelhafte Arbeit geleistet hat", vermutet der Stadtrat. Er kündigte an, dass die Stadt gegen die schlampige Arbeit Rechtsmittel einlegen und auf Schadensersatz klagen werde - im Idealfall in Höhe der zusätzlich entstehenden Kosten. Die ersten Schritte in diese Richtung seien in Bezug auf die Gutachter-Firma bereits in die Wege geleitet worden.

Früher normal, heute schädlich

Was genau zu den baulichen Verzögerungen führt, machten Kraft und Oceguera bei einem Rundgang durch die Humboldt-Schule deutlich. Im Untergeschoss seien in den Wänden asbesthaltige Abstandshülsen entdeckt worden, deren Nutzung zurzeit des Baus der Schule normal gewesen sei. Grundsätzlich sei das Vorhandensein der Hülsen in dem Gemäuer kein Problem, erklärte Kraft. Käme es jedoch zu Bohrungen oder Abrissarbeiten im Bereich der Hülsen, sehe die Sachlage ganz anders aus.

"Wir müssen nun die Hülsen an jeder Stelle, an der die Arbeiter Maßnahmen an den Wänden vornehmen, entfernen. Zuvor müssen luftdichte Schleusen errichtet werden. Die Arbeiter sind angehalten, sehr vorsichtig vorzugehen und müssen adäquate Schutzkleidung tragen, die sie vor Verlassen der Schleusen abzulegen haben." Auch die Entsorgung des asbesthaltigen Bauschutts sei sehr aufwendig und nur unter strikten Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen. "Die Hülsen befinden sich im ganzen Gebäude verteilt, auch hinter Putzflächen, Fliesen und Vorsatzschalen. Ich kann nicht verstehen, dass dies den Gutachtern entgangen ist", bemerkt Nils Kraft kopfschüttelnd.

Auch im Falle der Rippendecken sei es unverständlich, dass der teils bis zu 100 Prozent marode Zustand der Bauteile an den Decken in den Schulgebäuden C und D bei der Prüfung nicht aufgefallen sei. Nachdem das Schadensbild nach Baubeginn festgestellt worden war, sei vom Statiker und von der Gebäudeüberwachung zuletzt "Gefahr in Verzug" gemeldet worden.

Fertigstellung im Sommer 2023

Mit der nun wesentlich aufwendigeren und kleinteiligeren Sanierung der Rippendecken in einer Größenordnung von 3000 Quadratmetern wurde im Juli begonnen. "Die Betonsanierung der Rippendecken ist notwendig, um die Standsicherheit des Gebäudes zu gewährleisten", erläutert Kraft.

Die Fertigstellung des Bestandsgebäudes, die neben der Schadstoffsanierung auch die Vollsanierung und Anhebung der Dachkonstruktion der Aula beinhaltet, wird nun für den Sommer 2023 anvisiert. Damit hätte sich die Bauzeit um anderthalb Jahre verlängert. Danach soll die bisher fünfzügige Gesamtschule um zwei weitere Klassenzüge erweitert werden. Daniela Hamann

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