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Nostalgie am Beckenrand

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Nah am Abgrund:  Stadtplaner Frank Kohmann, Oberbürgermeister Patrick Burghardt und Anette Tettenborn, die für die städtischen Schwimmbäder zuständig ist, werfen einen Blick in das leere Becken.
Nah am Abgrund: Stadtplaner Frank Kohmann, Oberbürgermeister Patrick Burghardt und Anette Tettenborn, die für die städtischen Schwimmbäder zuständig ist, werfen einen Blick in das leere Becken. © Robin Göckes

Elemente des alten Hallenbads an der Lache sollen sich auch im geplanten Neubau wiederfinden. Für den Beginnen in wenigen Wochen die ersten Arbeiten.

Jeder kennt ihn, jeder verbindet schöne Erinnerungen mit ihm – der typische Geruch, der einen beim Betreten eines Hallenbades empfängt: nach Wasser und Chlor und nach nassen Badehosen. Man könnte meinen, über die Jahre setzt der sich im Mobiliar fest. Stimmt aber nicht. Mit dem Wasser in den Becken des alten Hallenbades an der Lache ist auch der typische Schwimmbadgeruch gewichen. Geblieben ist nur ein bisschen abgestandene Luft.

Wehmut am Beckenrand

Fast sieht es rund um das spiegelblanke Becken so aus, als müsste man nur hier und da mal ordentlich putzen, und die Türen des Bades könnten sich wieder öffnen. Das ist bekanntlich nicht der Fall. Die Technik spielt nicht mit, macht einen Neubau erforderlich.

Das alte Bad ist seit dem ersten Quartal 2013 geschlossen. „Wenn man sich das hier alles so anschaut, ist das wirklich tragisch“, sagt Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) beim Gang durch die alte Schwimmhalle. Mit ein bisschen mehr Pflege und nachhaltiger Planung in der Vergangenheit hätte die Technik des Schwimmbades wohl noch länger durchgehalten.

Für den Neubau sollen Anfang des kommenden Jahres die ersten Rodungsarbeiten auf dem Schwimmbadgrundstück beginnen. Der Zeitplan ist eng gesteckt, bis zum Sommer 2017 soll das neue Hallenbad stehen. „Seit der Schließung sind dann etwa vier Jahre vergangen. Das ist außergewöhnlich“, sagt Burghardt. Anschließend soll noch das Freibad erneuert und schließlich das alte Hallenbad abgerissen werden. Einige Jahre wird das Areal also Baustelle bleiben.

Weniger Kosten  für den Unterhalt

Die Konzeption und Planung des neuen Bades als reines Sportbad ohne große Freizeit- oder Spaßmöglichkeiten sei zwei Faktoren geschuldet. Erstens der finanziellen Lage der Stadt. „Wir haben nur 13,5 Millionen Euro für den Neubau zur Verfügung. Und so sparen wir zudem beim Unterhalt jedes Jahr eine gute Million ein.“ Zweitens sei die Konzeption, aber auch das Ergebnis von Gesprächen mit den Nutzergruppen. Eine Bedarfsanalyse wurde ausgeführt, in drei Runden wurde mit den Schwimmern diskutiert. Auch die Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt des alten Bades eingesetzt hatte, sei in die Planungen eingebunden worden.

Ergebnis: Künftig gibt es ein großes Schwimmbecken ohne Sprungtürme sowie ein Lehrschwimmbecken. Auf ein Babybecken wurde zugunsten großzügigerer Randbereiche verzichtet. Große Glasfronten in Richtung Freibad sollen für ordentliche Lichtverhältnisse sorgen. Ein Farbkonzept sieht für die Außenfassade gedeckte Töne, im Inneren eine warme Farbgebung in Orange und Rot vor. Ein bisschen so, wie das Mosaik am Rand des alten Beckens. „Wir haben überlegt, ob man das mitnehmen kann. Aber es geht nicht“, berichtet Burghardt. Das eine oder andere Erinnerungsstück aus dem alten Bad soll sich für den aufmerksamen Beobachter im Neubau dann aber trotzdem wiederfinden lassen. Zum Beispiel die Seifenschalen von der Beckenwand – als Reminiszenz an das alte Bad.

In die Planungen eingebunden worden seien auch die Frühschwimmer, die sich einmal pro Woche im Bad treffen, ins Becken springen und anschließend noch auf einen Schwatz und Kaffee zusammensitzen. Zum Schwimmen nutzen sie derzeit das Becken des Freibades unter der Traglufthalle. Die Stimmung ist gut nach den ersten Bahnen des Tages, frühmorgens bei Kaffee und Kuchen. Für sie hat sich die Übergangslösung nach der Schließung des alten Bads mit der Traglufthalle bewährt. Auf das neue Hallenbad freuen sie sich aber natürlich dennoch.

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