Bis auf einen kurzen Streckenabschnitt sind in Bauschheim 50 Kilometer pro Stunde vorgeschrieben. Der Ortsbeirat sieht Vorteile darin, die gesamte Ortsdurchfahrt mit Tempolimit 30 zu beschildern. FOTO: Dorothea Ittmann
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Bis auf einen kurzen Streckenabschnitt sind in Bauschheim 50 Kilometer pro Stunde vorgeschrieben. Der Ortsbeirat sieht Vorteile darin, die gesamte Ortsdurchfahrt mit Tempolimit 30 zu beschildern.

Verkehr

Nur noch mit Tempo 30 durch Bauschheim?

  • Dorothea Ittmann
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Umweltinitiative plädiert im Ortsbeirat für eine ruhigere Hauptstraße

Bauschheim - Zahlreiche deutsche Städte machen es vor. Sie verhängen Tempo 30 auf vielbefahrenen Straßen innerorts, um die Anwohner vor Lärm und Schadstoffen zu schützen. Im Juli 2020 hatte die Stadt Mainz auf der Rheinachse und der Kaiserstraße Tempo 30 eingeführt, seit Januar 2021 gilt Tempo 40 in der Frankfurter Innenstadt und das Darmstädter Parlament hat im März 2021 die Kasinostraße zur Tempo-30-Zone gemacht. Überall wird an der Tempo-Schraube gedreht.

Beatrice Menges von der Umweltinitiative Bauschheim findet, dass eine Beschränkung von 30 Kilometern pro Stunde auf der gesamten Ortsdurchfahrt den genervten Anwohnern gut tun würde. Derzeit wird nur auf einem kurzen Stück von der Kreuzung Genfer Straße bis zur Kreuzung Lengfeldstraße Tempo 30 angezeigt.

Strichliste am Straßenrand

"Man sollte zumindest darüber nachdenken", hatte sie ihr Anliegen im Ortsbeirat am Donnerstagabend diplomatisch vorgetragen. Damit rannte die Bauschheimer Umweltschützerin bei allen Fraktionen offene Türen ein, womit Menges nicht gerechnet hatte. Die WsR-Fraktion hatte bereits einen eigenen Antrag in den Geschäftsgang eingebracht, bemerkte Heinz Schneider für die Wählervereinigung. Darin fordert sie die Beschilderung der Brunnen- und Wolfingerstraße "zur Reduzierung der Geschwindigkeit", den Einbau von Verkehrsinseln und stationärer Messanlagen sowie die Ausweisung eines Fahrradweges.

Die Grundlage dafür lieferte die Verkehrszählung der Umweltinitiative im Juni 2021. An zwei Tagen hatten sich 15 bis 20 Helfer abwechselnd in Stundenschichten an der Brunnenstraße - vor der evangelischen Kirche und an der Kreuzung Europaring/Brunnenstraße - positioniert, um vorüberfahrende Autos auf Strichlisten zu notieren. Von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr abends harrten die Helfer unter der sengenden Sommersonne aus. Ein Sonnenschirm und Kühlboxen für Getränke waren dabei unabkömmlich, erinnert sich Menges an die Aktion.

Das Ergebnis der Zählung: "Der Verkehr in der Brunnenstraße hat stark zugenommen. Der höchste Wert waren 417 Autos in der Stunde", präsentierte Beatrice Menges die Ergebnisse. Was den ehrenamtlichen Verkehrszählern noch aufgefallen war: Radfahrer sind auf der Brunnenstraße nur selten anzutreffen. Deren Anteil am Gesamtverkehr mache in Bauschheim knapp sieben Prozent aus. Andere Städte hätten einen Fahrradanteil von bis zu 30 Prozent.

Radfahrer meiden Brunnenstraße

Dass so wenige Radfahrer in der Brunnenstraße unterwegs sind, hat einen Grund: "Viele nutzen die Seitenstraßen, weil es auf der Brunnenstraße zu gefährlich ist", meldete sich Michael Losert als Anwohner der Brunnenstraße zu Wort. Er kenne die Verkehrsverhältnisse nur zu gut. Selbst als Autofahrer werde er angefeindet, wenn er langsamer als 50 Kilometer pro Stunde fährt. Dabei wollte er doch nur rückwärts in seine Garage einparken, schilderte Losert das intolerante Verhalten der Raser und Drängler. Mit Tempo 30 fühlten sich folglich nicht nur die Radfahrer, sondern auch die Anwohner sicherer.

Die Verkehrszählung sei zwar nicht repräsentativ, Beatrice Menges äußerte dennoch die Hoffnung, dass in den städtischen Gremien über Lösungen nachgedacht wird, was der Bauschheimer Ortsbeirat auch zu tun versprach. Christian Walter (SPD) zeigte sich von der Anpack-Mentalität der Gruppe beeindruckt. "Das tut Bauschheim gut", sagte er. Ortsvorsteherin Natalie Kolb (SPD) versprach persönliche Unterstützung.

Christian Bock (CDU) erklärte, Tempo 50 innerorts sei nicht mehr zeitgemäß. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 gibt es sowieso schon auf einem Straßenabschnitt, wieso also nicht auf den kompletten Ort ausdehnen? Auch der Schulweg der Kinder würde dadurch sicherer, so Bock weiter. Dominik Mißkampf (FDP) schlug vor, dass sich der Ortsbeirat und die Umweltinitiative in Form eines inoffiziellen Arbeitstreffens zusammensetzen, um Themen wie Verkehrsberuhigung und Müllvermeidung zu erörtern.

Nach dem Vortrag von Beatrice Menges widmete sich der Ortsbeirat dem ruhenden Verkehr. Von städtischer Seite gibt es Bemühungen, ein stadtweites Parkraumkonzept zu entwickeln. Die Fraktionen signalisierten, dem Konzept positiv gegenüberzustehen, CDU und WsR meldeten jedoch Beratungsbedarf an und enthielten sich bei der Abstimmung; Kolb und Walter von der SPD stimmten dafür, die Grünen-Vertreterinnen Maria Schmitz-Henkes und Mirjam Roth ließen sich an dem Abend entschuldigen.

Christian Bock gab zu bedenken, dass Bauschheim weniger ein Parkplatzproblem habe, vielmehr handle es sich um ein "Flächennutzungsproblem". Damit spielte der CDU-Mann auf die Gewohnheit der Bürger an, ihr Auto lieber an der Straße abzustellen als es in die Garage zu fahren. Alternative Mobilität sei für Bauschheim allerdings ein wichtiges Thema, über das man mehr nachdenken müsse. Dorothea Ittmann

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